Das Mulchvlies oder Pflanzvlies ist innerhalb weniger Jahre zu einem festen Bestandteil der Gartengestaltung geworden. Ob auf öffentlichen Flächen oder in Privatgärten – nur selten bleibt der Boden unbedeckt. Warum? Damit die Pflanzen schneller wachsen, ohne Pflege, Unkrautjäten und Bewässern.

Was für ein schönes Versprechen! Aber hält das Vlies wirklich, was es verspricht? Sollte man es verlegen? Ich möchte nicht lange um den heißen Brei herumreden und riskiere damit vielleicht den Unmut all jener, deren Garten damit ausgestattet ist: Die Antwort lautet nein, und ich erkläre Ihnen, warum.

Fördert Mulchvlies das Wachstum der Pflanzen?

Wenn Sie auf einem Vlies pflanzen, wachsen die Pflanzen in den ersten zwei oder drei Jahren meist gut. Danach verschlechtert sich die Situation allmählich. Denn damit der Boden seine Fruchtbarkeit bewahrt, muss er regelmäßig mit organischem Material versorgt werden. Im Wald geschieht dies ganz natürlich und denkbar einfach: Die Blätter fallen vom Baum, zersetzen sich und bilden dadurch Humus.

Der Waldboden erhält seine Fruchtbarkeit selbst: ein Prozess, den Sie am Fuß von Hecken nachahmen können

Auf einem mit einem Vlies bedeckten Boden wird dieser Prozess unterbrochen, da das Vlies eine Barriere für die sich zersetzenden Pflanzenteile bildet. Dadurch verarmt der Boden, was langfristig zu einem Mangel an Nährstoffen für die Pflanzen führt. Mittel- oder langfristig verliert der Boden sein Bodenleben, und Bäume sowie Sträucher werden durch diese strenge Diät immer schwächer. Einige erkranken sogar … und sterben vorzeitig.

Was das Gießen betrifft: Ja, das Vlies hält die Feuchtigkeit zurück, aber nicht besser als organischer Mulch – möglicherweise sogar schlechter, da Regenwasser dazu neigt, abzulaufen und langsamer einzusickern. Dadurch kann der Boden die Vorteile eines kräftigen Regengusses weniger gut nutzen.

Ist Mulchvlies wirksam gegen „Unkraut“?

Ich mache jeden Tag diese Erfahrung. In meiner Straße wurden zwei Beete zur gleichen Zeit angelegt: meines und das der Gemeinde. Ich habe sie mit Holzhäckseln gemulcht, während die Gemeinde ein Vlies verlegt hat.

Im ersten Jahr hatte ich zugegebenermaßen etwas Arbeit damit (darüber haben sie gelacht …). Aber inzwischen sind zwei Jahre vergangen, in denen ich mich kaum noch darum kümmern muss, während das Grünflächen-Team meiner Gemeinde mindestens eine Stunde im Monat dort arbeitet (und jetzt bin ich an der Reihe zu lachen!). Warum? Ganz einfach: In meinem Beet ist das Unkraut leicht zu entfernen. Ich muss die unerwünschten Pflanzen nur herausziehen, um sie mitsamt ihren Wurzeln zu beseitigen. Meine Freunde von der Gemeinde kämpfen derweil damit, die Pflanzen herauszuholen, die sich in jede noch so kleine Lücke einschleichen.

Wenn Sie außerdem langfristig beobachten, was auf dem Mulchvlies geschieht, stellen Sie fest, dass die herabfallenden Blätter sich an der Oberfläche zersetzen und dort schon bald ein Substrat bilden, in dem jeder noch so kleine Samen keimen kann: Auch wenn es den Unkräutern unter dem Vlies etwas schwerfällt zu wachsen, bahnen sie sich leicht einen Weg hindurch und gedeihen sogar prächtig auf seiner Oberfläche!

Der Beweis sind diese unspektakulären, aber sehr aussagekräftigen Bilder:

Ein wenig ansprechendes Erscheinungsbild / An der Oberfläche bildet sich ein Substrat / Ein abgestorbener Strauch hat eine große Lücke hinterlassen, die schnell von einer opportunistischen Kuhblume besiedelt wurde!

Das Verlegen und die Optik des Pflanzvlieses

Nachdem ich das fachgerechte Verlegen eines Vlieses während eines Praktikums bei einem Landschaftsgärtner selbst ausprobiert habe (die längsten fünfzehn Tage meines Lebens), kann ich Ihnen sagen: Es ist besonders schwierig. Trotz meiner bescheidenen Nähkenntnisse ist es alles andere als angenehm, das Vlies an die Form des Beetes anzupassen und so auszulegen, dass die gesamte Fläche bedeckt ist. Am schwierigsten ist sicherlich das Pflanzen: Sie müssen mit einem Cutter eine kreuzförmige Öffnung einschneiden, dürfen sie aber nicht zu groß machen … Dann schieben Sie den Wurzelballen hinein, und es ist unmöglich zu überprüfen, ob die Pflanze tatsächlich Kontakt mit der Erde hat und in der richtigen Höhe sitzt!

Aus Kostengründen werden Mulchvliese außerdem nur selten mit dekorativem Mulch bedeckt. Und natürlich sieht das nicht besonders schön aus … vor allem, wenn die Vliese ausfransen!

Wie können Sie auf Pflanzvlies verzichten?

Wenn Sie nur wenig Zeit für Ihren Garten haben und kein großer Fan des Unkrautjätens sind, wie können Sie dann vorgehen? Es ist ganz einfach: Überspringen Sie zunächst keinesfalls die Vorbereitung. Entfernen Sie das Unkraut und lockern Sie den Boden im Pflanzbereich sorgfältig. Holen Sie dabei so viele Wurzeln wie möglich heraus (Sie dürfen dabei ruhig die Quecke verfluchen!). Arbeiten Sie etwas Kompost ein, pflanzen und gießen Sie anschließend. Mulchen Sie dann großzügig mit einer dicken Schicht organischen Mulchs (aus dem Handel, zum Beispiel Fibralgo, Rinde für Heidepflanzen, Holzhäcksel, Stroh …). Dieser zersetzt sich nach und nach und düngt dabei den Boden. Erneuern Sie den Mulch nach einem Jahr bei Bedarf. Sobald die Pflanzen gut eingewachsen sind, können Sie nach Belieben:

  • Bodendecker pflanzen: Sie bilden einen hübschen Teppich am Fuß von Bäumen oder Sträuchern,
  • bei einer geschnittenen Hecke oder bei Stauden die Pflanzenreste vor Ort liegen lassen, damit sie die Bodenbedeckung erhalten,
  • die spontan aufkommende Pflanzenwelt wachsen lassen … In einem naturnahen Garten ist das völlig akzeptabel!

So haben Sie nicht mehr Arbeit, als wenn Sie ein Vlies verlegt hätten, und Ihre Pflanzen werden prächtig gedeihen.

Biologisch abbaubares Mulchvlies: eine gute Alternative?

Eine sehr große Fläche oder eine lange Hecke zu mulchen, erfordert den Transport großer Mengen Mulch. Wenn Sie kein begeisterter Schubkarrenfahrer sind, ist biologisch abbaubares Mulchvlies eine gute Alternative. Es ist zwar teurer, bietet aber den Vorteil, ästhetischer und umweltfreundlicher zu sein – und vor allem zersetzt es sich auf natürliche Weise! Vlies aus Kokosfasern oder Jute ermöglicht ein gutes Pflanzenwachstum. In Kombination mit geeigneten Stauden und Bodendeckersträuchern ist es außerdem eine gute Lösung, um schwierige Bereiche wie Böschungen zu begrünen.

Abschließend sollten Sie wissen: Wenn Sie bereits ein Vlies in Ihrem Garten verlegt haben, ist es nie zu spät, es richtig zu machen. Zögern Sie nicht, es zu entfernen und stattdessen einen nährenden Mulch auszubringen … Ihre Pflanzen werden es Ihnen danken!