Bio- und natürliche Insektizide: Arten und Anwendung
Biologische und wirksame Behandlungen
Inhaltsverzeichnis
Insekten und andere kleine Gliederfüßer gehören zur Natur und in unseren Garten. Meist sind sie harmlos und wichtig. Bei Befall helfen natürliche Insektizide.
Was ist ein Bio- oder natürliches Insektizid?
Ein Insektizid ist per Definition ein Mittel, das Insekten abtötet. Manche wirken gezielt gegen eine bestimmte Art, andere gegen alle Insekten ohne Unterschied.
Es gibt chemische Insektizide, die umweltschädlich und mitunter auch für die menschliche Gesundheit gefährlich sind. Ihre Anwendung in unseren Gärten ist inzwischen verboten. Lesen Sie dazu gern Ingrids Artikel über Pestizide.
Doch es gibt auch natürliche Insektizide, die zugelassen sind und im ökologischen Landbau sowie in unseren Gärten vielfach eingesetzt werden. Diese stellen wir in diesem Ratgeber vor.
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Thüringer Bazillen oder Bacillus thuringiensis, kurz BT, sind Bakterien, die in geringer Menge überall in der Natur vorkommen: in der Luft, im Wasser, im Boden, aber auch auf den Pflanzen selbst. Diese Bazillen produzieren ein Molekül namens Thuringiensin. Diese insektiziden Bakterien werden im ökologischen Landbau am häufigsten eingesetzt.
Es gibt mehrere verschiedene Stämme. Die Bakterien richten sich daher gegen eine bestimmte Insektengruppe oder nur eine Art, ohne andere Insekten direkt zu beeinträchtigen. So gibt es Stämme, die ausschließlich die Raupen des Buchsbaumzünslers, die Raupen des Kiefernprozessionsspinners oder sogar Mückenlarven bekämpfen, um nur einige Beispiele zu nennen. Bacillus thuringiensis kann auch gegen bestimmte Fliegen sowie Käfer wie den Kartoffelkäfer und den Lilienhähnchen eingesetzt werden und natürlich gegen Schmetterlingsraupen wie Motten, Wickler, Minierer, Weißlinge, Eulenfalter oder Apfelwickler.
Die Wirkung ist radikal! Thüringer Bazillen produzieren Endotoxine, die die Darmzellen der Insekten zerstören und die Bakterien zugleich im Körper verbreiten, wodurch eine allgemeine Infektion entsteht. Das Insekt kann sich nicht mehr ernähren und stirbt bald darauf. Anschließend wird der Kadaver von den Bazillen weiter „verzehrt“.
BT hat den Vorteil, sich durch UV-Strahlung, Wärme und auch einfach im Wasser sehr schnell abzubauen. Die Dauerwirkung dieser Behandlung ist nach aktuellem Forschungsstand daher nahezu gleich null. Dennoch ist Bacillus thuringiensis für Warmblüter nicht völlig ungefährlich. Eine Studie zeigte, dass Ratten, die täglich relativ hohe Dosen Thuringiensin erhielten, nervöse Störungen und Lungenerkrankungen entwickelten. Auch Amphibienlarven können durch hohe Dosen der Thüringer Bazillen beeinträchtigt werden. Zu beachten ist, dass BT dazu neigt, sich in feuchtem Boden zu halten (was paradox ist!). Die langfristigen Auswirkungen auf die Umwelt sind noch nicht bekannt.
Bestimmte Insektenpopulationen entwickeln mit der Zeit eine Resistenz gegen Thüringer Bazillen, wodurch die Behandlungen zunehmend unwirksam werden.
Wussten Sie schon? Einige GVO-Pflanzen wurden gentechnisch so verändert, dass sie selbst das BT-Toxin produzieren und dadurch ihr eigenes Insektizid direkt in ihrem Gewebe bilden.
Wie wird BT angewendet?
- Die Anwendung dient ausschließlich der Bekämpfung eines Befalls
- Bacillus thuringiensis oder BT ist als Pulver erhältlich, das in Wasser verdünnt wird
- Sprühen Sie diese Lösung auf alle befallenen Pflanzenteile
- Wiederholen Sie die Anwendung bei Bedarf alle 8 bis 10 Tage
- Meiden Sie Regenperioden, da die Behandlung sonst unwirksam ist
- Meiden Sie die Blütezeit, um die Auswirkungen auf andere Insekten zu begrenzen.
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Obwohl im allgemeinen Sprachgebrauch meist von Pyrethrum die Rede ist, sollte man diese Insektizide eigentlich nach dem Wirkstoff Pyrethrin benennen.
Pyrethrin wird natürlich von einigen Pflanzen wie der Dalmatinischen Insektenblume gebildet (daher der Name des Wirkstoffs), aber auch von bestimmten Chrysanthemen wie beispielsweise Tanacetum coccineum. Dieser Wirkstoff wirkt von Natur aus abwehrend und schwach insektizid. Seine insektizide Wirkung ist seit der Antike bekannt.
Pyrethrine greifen das Nervensystem wechselwarmer Tiere (Fische, Reptilien und Amphibien) sowie natürlich von Insekten an. Je nach Dosierung wirken Pyrethrine auf Insekten nur abwehrend oder tödlich. Auch andere natürliche Insektizide aus Pflanzen sind bekannt und werden eingesetzt: Jasminin und Cinerin. Beide zeigen dieselbe Wirkung und Wirksamkeit wie Pyrethrin.
Achtung! Bei der Behandlung mit diesen natürlichen Insektiziden ist Vorsicht geboten, denn sie beseitigen wahllos alle Insekten und Spinnentiere, ganz zu schweigen von Wasserorganismen. Das beeinträchtigt das natürliche Gleichgewicht Ihres Gartens erheblich.
Zur Information: In den 1960er-Jahren wurden synthetische Pyrethroide anstelle natürlicher Pyrethrine eingesetzt. Sie wurden jedoch bald durch andere, für die Umwelt weitaus gefährlichere chlororganische und phosphororganische Insektizide ersetzt. Dennoch sind synthetische Pyrethroide auch für manche Säugetiere, Fische, Reptilien und Amphibien sowie für Insekten gefährlich, darunter Nützlinge und Bestäuber.
Wussten Sie schon? Pyrethrin ist Bestandteil der meisten Läusemittel.
Wie verwendet man Pyrethrine, Jasminin und Cinerin?
- Diese Insektizide werden als Pulver oder Öl zum Verdünnen mit Wasser verkauft
- Für eine vorbeugende Behandlung die Dosis halbieren
- Für eine Behandlung befallener Pflanzen die vorgeschriebene Dosis einhalten
- Nach Sonnenuntergang auf die Pflanze sprühen, da Licht den Wirkstoff abbaut und Sie so (etwas weniger) andere, harmlose Insekten töten …
- Niemals in der Nähe eines Beckens oder Teichs behandeln, da diese Wirkstoffe für Wasserorganismen äußerst giftig sind
- Bei Bedarf die Behandlung nach Sonnenuntergang und bei trockenem Wetter wiederholen.
Diatomeenerde
Kieselalgen sind mikroskopisch kleine Algen organischen und fossilen Ursprungs. Sie sind winzig und messen zwischen 3 und 500 Mikrometern. Kieselgur wirkt gegen bestimmte Insekten wie Ameisen, Ohrwürmer, Schaben, Bettwanzen oder Asseln.
Kieselgur gibt es in zwei Formen: als „amorphe Kieselsäure“, also unveränderte Kieselgur, und als „kristallisierte Kieselsäure“, die bei 900 °C kalziniert wurde.
Konkret besteht Kieselgur aus so feinen Partikeln, dass sie in das Verdauungssystem der Insekten gelangen und dort Verletzungen verursachen. Zudem sind die feinen Silikapartikel sehr hart und verletzen dadurch auch das Chitin an Beinen und Panzer von Gliederfüßern (Insekten, Spinnen, Asseln …).
Um Kieselgur als natürliches Insektizid einzusetzen, streuen Sie sie einfach an den Stellen aus, an denen Insekten Probleme verursachen. Die Kieselsäure bleibt lange wirksam, da sie sich nur langsam abbaut.
Hinweis: Da Kieselgur für Wirbeltiere ungiftig ist, gilt sie als sicherstes natürliches Insektizid für den Haushalt.
Sonderfall natürlicher Insektizide auf Rotenonbasis
Rotenon aus Wurzeln und Stängeln tropischer Pflanzen wurde von indigenen Völkern zum Fischen genutzt. Es schädigt Kaltblüter und die menschliche Gesundheit.
Seit 2011 ist das Insektizid in der Landwirtschaft verboten.
Pflanzenjauchen, -tees und -sude als Repellentien und Insektizide
Einige Pflanzen in unserem Garten können uns im Kampf gegen sechsbeinige Schädlinge helfen. Dafür bereitet man je nach Pflanze und gewünschter Wirkung Jauchen, Abkochungen oder Aufgüsse zu.
Jauchen
Farnjauche wirkt als Insektizid und vertreibt Blattläuse, Zikaden, Drahtwürmer und sogar Schnecken.
- Geben Sie 1 kg Farnwedel auf 10 Liter Wasser in ein Gefäß aus Kunststoff oder Holz (kein Metall, da es oxidieren kann)
- Rühren Sie die Mischung täglich mit einem Stock um
- Beobachten Sie die Jauche. Sobald keine Gärblasen mehr aufsteigen, ist sie fertig
- Filtern Sie die Jauche, sodass nur die Flüssigkeit bleibt
- Bewahren Sie sie einige Wochen in einem lichtundurchlässigen Kanister auf
- Verdünnen Sie die Jauche auf 5 bis 10 %, also 5 oder 10 cl auf 1 Liter Wasser.
- Geben Sie sie entweder mit dem Gießwasser an die Pflanzenbasis oder sprühen Sie die ganze Pflanze ein.
Aufgüsse
Aufgüsse sind einfach herzustellen und zugleich wirksam. Knoblauchaufguss schützt vor Lauchmotte und Möhrenfliege, Kamillenaufguss vor Blattläusen, Apfelwicklern und dem Kohlweißling.
- Übergießen Sie einige Dutzend Gramm Pflanze mit kochendem Wasser
- Lassen Sie den Aufguss 24 Stunden ziehen
- Filtern Sie ihn und behandeln Sie die befallenen Pflanzen unverdünnt.
Abkochungen
Abkochungen lassen sich aus verschiedenen Pflanzen herstellen. Für eine insektizide oder vertreibende Wirkung sind jedoch folgende besonders wirksam: Knoblauchabkochung gegen die Kräuselkrankheit des Pfirsichbaums; Abkochung aus Balsamkraut als Mittel gegen Kohlweißlinge, Eulenfalter, Erdflöhe und Blattläuse; Lavendelabkochung gegen Ameisen; Abkochung aus Provence-Lavendel und Gewürznelken gegen Wespen und Mücken sowie Abkochung aus Weißblühendem Beifuß gegen Ameisen, Blattläuse, Apfelwickler und Kohlweißlinge.
- Lassen Sie 100 g der Pflanze 24 Stunden in 1 Liter Wasser einweichen
- Kochen Sie die Mischung 20 Minuten lang
- Filtern Sie sie, sodass nur die Flüssigkeit bleibt
- Sprühen Sie die Abkochung direkt nach der Zubereitung unverdünnt auf die zu behandelnden Pflanzen
Ätherische Öle
Ätherische Öle enthalten hochkonzentrierte Wirkstoffe. Daher sind sie äußerst wirksam. Sie können Insekten abwehren oder als Insektizid wirken. Einige ätherische Öle besitzen auch fungizide Eigenschaften.
Verwenden Sie 25 Tropfen ätherisches Öl pro Liter Wasser, nicht mehr! Geben Sie einen kleinen Tropfen Schmierseife oder Bio-Spülmittel hinzu, damit sich die Öle im Wasser lösen. Sprühen Sie die Mischung anschließend auf.
Insektenabwehr: Wacholderöl gegen Apfelwickler, Nelken- oder Knoblauchöl gegen nahezu alle Schadinsekten.
Insektizid: Pfefferminz- oder Knoblauchöl gegen Raupen und Blattläuse, Pampelmusenöl gegen Kartoffelkäfer, Rosen-Pelargonienöl gegen Weiße Fliegen und Schildläuse.
Achtung: Ätherische Öle sind weder für Gärtner noch für Pflanzen harmlos! Für die Anwendung empfehle ich eine Maske und lange Ärmel. Behandeln Sie die Pflanze nicht zu häufig, sonst kann dies ihr schaden!
Durchsuchen Sie Ihre Schränke!
- Schmierseife und Marseille-Seife: Verdünnen Sie beide mit heißem Wasser. Marseille-Seife wirkt gegen Blattläuse, Schmierseife hat jedoch ein breiteres Wirkungsspektrum und hilft gegen Blattläuse, Weiße Fliegen, Schildläuse, Thripse und Blattflöhe.
- Spülmittel: Verwenden Sie am besten eine 100 % ökologisch verträgliche Seife, doch auch Spülmittel wirkt äußerst effektiv gegen Blattläuse und Schildläuse. Sprühen Sie etwas verdünntes Spülmittel auf die befallenen Pflanzen.
- Rapsöl: Dieses Öl wirkt als Insektizid. Mischen Sie zwei Esslöffel Rapsöl und zwei Esslöffel Schmierseife mit einem Liter Wasser. Anschließend sprühen Sie die Mischung auf.
- Kaffeesatz: Ihm wird nachgesagt, Ameisen, Blattläuse und Nematoden fernzuhalten.
- Natron: In einer Dosierung von zwei Esslöffeln pro Liter Wasser wirkt Natron als Insektizid, Fungizid und Herbizid. Verwenden Sie es dennoch sparsam, da es manchmal zu wirksam ist.
- Gips: Etwas Gips in Wasser auf strategisch wichtigen Stellen platziert, befreit Sie von Schaben und Kakerlaken. Diese versuchen, den Gips zu fressen, und sterben, sobald er in ihrem Darm ausgehärtet ist. Grausam, aber radikal!
Wussten Sie schon? Für alle Arachnophoben, die im Herbst unter Hauswinkelspinnen in ihrem Zuhause leiden: Kastanien, die Früchte der Gewöhnlichen Rosskastanie, halten Spinnen fern. Nutzen Sie sie zur Dekoration von Wohnzimmer und Schlafzimmer! 😉
Und was ist mit der Biodiversität!
„Bio“ heißt Leben: Warum selbst natürliche Insektizide nicht ökologisch sind. Setzen Sie auf Vergrämen, Umsiedeln oder lassen Sie die Natur wirken.
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