Mikroklima im Garten

Mikroklima im Garten

Mikroklima im Garten erkennen:VEVENT

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 1. September 2025  durch Jean-Christophe 8 min.

Klima prägt die Pflanzenwahl. Neben regionalen Klimazonen hat jeder Ort sein Mikroklima. Beobachten hilft, Garten und Terrasse optimal zu gestalten.

Schwierigkeit

Was ist ein Mikroklima im Garten?

Ein Mikroklima umfasst die Bedingungen eines kleinen, isolierten Bereichs. Im Garten variieren sie oft auf kleinstem Raum – wichtig für die Pflanzenwahl.

Natürliche Anzeichen erkennen

  • Die Topografie des Gartens, also seine Gestaltung und sein Relief, liefert bereits wertvolle Hinweise auf die klimatischen Unterschiede, die dort herrschen. So sorgen erhöhte Bereiche (Böschungen, Hänge, Mäuerchen …) von Natur aus für eine bessere Drainage, wodurch der Boden trockener ist. Das kann ein Vorteil sein, um bestimmte Pflanzen zu kultivieren, die keine Staunässe vertragen. Je nach Lage dieser Bereiche sollten Sie jedoch auf ihre Windexposition achten, da der Wind manche Pflanzen schwächen kann (Austrocknen des Laubs, verstärkte Kälteempfindung, abgebrochene Stängel …).
  • Im Gegensatz dazu neigen tiefer gelegene Bereiche des Gartens, auch wenn sie besser vor Wind geschützt sind, zu Staunässe und wirken dann wie ein Trichter, in dem sich Regen- und Oberflächenwasser sammeln. Da sie später von den Sonnenstrahlen erreicht werden, erwärmen sie sich langsamer. Bestimmte Pflanzen kommen mit diesen schweren, feuchten Böden zurecht.
  • Wenn der Herbst kommt, achten Sie darauf, ob sich die abgefallenen Blätter an einer oder mehreren bestimmten Stellen im Garten sammeln. Das gibt Ihnen einen Hinweis auf die windigen Korridore, die ihn durchziehen – eine wertvolle Information, da manche Pflanzen besonders empfindlich auf Böen reagieren (mechanische Schäden mit Bruchgefahr, aber auch verstärkte Kälteempfindung).
  • Im Winter bemerken Sie sicher, dass Raureif oder Schnee an manchen Stellen länger liegen bleiben als an anderen. Das zeigt Ihnen, wo Sie besonders kälteempfindliche Pflanzen besser nicht setzen sollten. Außerdem ist eine kalte Stelle problematischer, wenn der Boden dort im Winter feucht bleibt, denn diese Kombination aus Kälte und Feuchtigkeit kann manchmal tödlich sein. Vorsicht: Manche Pflanzen fürchten starke Frost-Tau-Wechsel mehr als die Kälte selbst.
  • Auch unsere Haustiere sind gute Verbündete. Katzen suchen sich oft die besten Plätze aus: im Winter geschütztere und mildere, im Hochsommer kühlere.
  • Und schließlich sollten Sie an verschiedenen Stellen Temperatur- und Niederschlagsmessungen durchführen – die möglichen Unterschiede innerhalb ein und desselben Gartens könnten Sie überraschen.

Beobachten Sie Bereiche, die im Winter lange gefroren bleiben, sowie windige Korridore

Einfluss von Mauern im Garten

Ein Garten ohne Mauer ist selten – sei es eine Haus- oder Grundstücksmauer. Je nach Standort beeinflussen sie die klimatischen Bedingungen für Pflanzen stark.

  • Südwände erwärmen sich tagsüber schneller. Sie speichern Wärme und geben sie nachts wieder ab. Manche etwas frostempfindliche Pflanzen fühlen sich hier wohler. Vorsicht jedoch vor der dadurch entstehenden Reflexion, die bei hellen Mauern besonders stark ist und manche Pflanzen verbrennen kann. Südwände sind zudem weniger den vorherrschenden Winden ausgesetzt – ein Vorteil.
  • Im Gegensatz dazu liegen Nordwände fast immer im Schatten, auch wenn sie im Frühjahr und Sommer morgens und abends etwas direktes Licht erhalten können. Sie schaffen kühle, oft auch kältere Bereiche, haben aber den Vorteil, dass die Temperaturschwankungen gering bleiben. Der von ihnen geworfene Schatten ist außerdem weniger problematisch als der direkte Schatten unter der Verzweigung eines Baumes (warum, erklären wir in Absatz 5).
  • Die Ostseite ist bei Mauern am schwierigsten. Sie ist mitunter eisigen Winden ausgesetzt, kühlt nachts stark ab und wird früh von den ersten Sonnenstrahlen getroffen. Dadurch kann ein zu abruptes und schädliches Auftauen entstehen. Voraussetzung ist natürlich, dass kein Hindernis zwischen Sonne und Mauer liegt (Baum, Hecke, Nachbarhaus …).
  • An der Westseite können Mauern den ganzen Tag Wärme speichern. Sie bekommen erst am Nachmittag Sonne und überhitzen daher weniger. Abgesehen von einigen Ausnahmen treffen sie jedoch die vorherrschenden, teils heftigen Winde sowie begleitender Regen.
  • In jedem Fall kann ein vorhandener oder fehlender Dachüberstand die Bedingungen stark verändern. Diese Vorsprünge wirken wie „Regenschirme“ und begrenzen das Eindringen von Regenwasser am Mauerfuß. Dort ist der Boden wegen aufgeschütteten Materials zudem möglicherweise nährstoffarm oder steinig.
  • Schließlich kann an manchen Orten, besonders in der Stadt, der Garten, Innenhof oder Hof von Mauern umgeben sein, die manchmal so hoch sind, dass sie kaum Licht hereinlassen. Diese Situation schützt Pflanzen jedoch vor Wind und starkem Frost und ermöglicht den Anbau mancher Pflanzen, die in einem offeneren Bereich nicht überleben würden.

Eine Granitmauer gibt viel Wärme an die Pflanzen ab. Rechts wachsen kälteempfindlichere Pflanzen geschützt zwischen Mauern: Paradiesvogelblume und Kalla (Fotos: G. David)

Hecken als natürlicher Schutz

Wind ist ebenso beliebt, wenn er Blätter rascheln und Gräser tanzen lässt, wie gefürchtet, wenn er unsere Pflanzen bedroht. Hecken – ob immergrün, akkurat geschnitten, naturnah, blühend oder duftend – bilden zudem einen wirksamen Windschutz. Allgemein gilt: Eine 1 Meter hohe Hecke filtert den Wind auf 10 Metern auf der dem Wind abgewandten Seite. Die so geschützten Pflanzen knicken oder brechen weniger leicht. Auch eine Mauer scheint denselben Zweck zu erfüllen, doch sie erzeugt Wirbel, die mehr schaden als nutzen können. Auch die Kälte ist an einer Hecke weniger schneidend, und der Bereich erwärmt sich schneller, besonders an einem sonnigen Standort. Je näher Sie jedoch am Heckenfuß pflanzen, desto trockener ist der Boden, da die Wurzeln dort mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Das kann für den Anbau bestimmter genügsamer Pflanzen jedoch von Vorteil sein.

→ Hecken lassen sich in verschiedenen Schichten anlegen: Hinten werden große Bäume gepflanzt, davor kleine Bäume oder Sträucher. So filtern sie den Wind besonders wirksam.

Eine Hecke schützt vor Wind; der Boden erwärmt sich dort schneller als an einer Mauer

Unter Bäumen: wechselnde Bedingungen

Nicht alle Bäume bieten dieselben Vorteile und Bedingungen.

  • Sommergrüne Bäume und Sträucher schützen in den heißesten Zeiten sehr gut vor der Sonne. Sie schaffen dann ein kühles, schattiges Mikroklima, das Unterholzpflanzen schätzen. Im Winter lassen sie, von ihren Blättern (die zu wertvollem Humus werden) befreit, Licht durch, das bestimmten Pflanzen zugutekommt, zum Beispiel früh blühenden Zwiebelpflanzen. Das Wurzelsystem kann die Pflanzung jedoch behindern. Je dichter und oberflächennäher es ist, desto stärker schränkt es die Möglichkeiten ein. Außerdem entzieht der Baum dem Boden einen großen Teil des vorhandenen Wassers. Seine Verzweigung wirkt zudem wie ein Regenschirm und hindert Regenwasser daran, die Pflanzen unter seiner Krone ausreichend zu erreichen. Manche Bäume spenden je nach Dichte ihrer Zweige und Blätter mehr oder weniger Schatten. Eine Birke lässt beispielsweise mehr Licht durch (lichten Schatten) als eine große Linde (dichten Schatten).
  • Immergrüne Bäume und Sträucher spenden das ganze Jahr über dichten Schatten, und Regenwasser kann den Boden darunter nur schwer erreichen. Dafür sind sie ein guter Schutz vor Frost, der den Boden deutlich schwerer erreicht. Diese Bedingungen können für bestimmte Pflanzen durchaus geeignet sein.
  • Schließlich gelten Nadelgehölze, von denen die meisten immergrün sind, als schwierig zu unterpflanzen. Ihre Nadeln säuern beim Herabfallen zudem den Boden an. Auch hier gibt es trotz der begrenzteren Auswahl für diese Bedingungen geeignete Pflanzen.
Mikroklimata im Garten

Die Wedel sommergrüner Bäume beeinflussen die mögliche Bepflanzung unter dem Baum ebenso wie immergrüne Sträucher

Das Mineral, eine Klimaanlage

Wie Mauern haben auch mineralische Oberflächen den Vorteil, die Umgebungstemperatur zu beeinflussen.

  • Gepflasterte Terrassen, besonders wenn sie an einer gut ausgerichteten Mauer liegen, speichern einige wohltuende Grad für frostempfindliche Pflanzen. Nachts wird diese Wärme abgegeben und schafft günstige Bedingungen. Der Nachteil: Tagsüber kann die zurückgestrahlte Wärme schnell eine Gluthitze erzeugen. Im Winter können diese Flächen dagegen sehr kalt bleiben und die Kälte an darauf stehende Kübel weiterleiten. Dann ist es ratsamer, die Töpfe beispielsweise auf kleine Unterlagen zu stellen, um die Wurzeln besser zu isolieren.
  • Kiesgärten oder Steingärten bieten oft eine gute Drainage, besonders am Hals der Pflanzen, dem Übergang zwischen Wurzeln und Stängeln, der häufig empfindlich auf zu viel Feuchtigkeit reagiert. Neben dieser Filterfunktion haben Kies, Felsen und Steine auch eine thermische Wirkung. Unter ihnen finden Pflanzen kühlere Bereiche, in denen sie etwas für ihre Gesundheit notwendige Feuchtigkeit zurückgewinnen können.
Mikroklima im Garten

Eine mineralische Terrasse nimmt den ganzen Tag über die Sonnenstrahlung auf. Ein Kiesgarten eignet sich für Pflanzen, die viel Drainage benötigen

Teiche, Bäche und Brunnen: kühle Oasen

Das Plätschern eines Wasserelements – ob Teich, Brunnen oder kleiner Bachlauf – vermittelt an heißen Sommertagen ein angenehmes Gefühl von Frische. Doch der Nutzen ist nicht nur eingebildet. Durch die Verdunstung trägt Wasser zur Befeuchtung der Umgebungsluft bei, wovon die Pflanzen in der Nähe profitieren. Einen ähnlichen künstlichen Mikrokosmos können Sie auch schaffen, wenn Sie Pflanzen im Topf kultivieren, zum Beispiel auf einem Balkon: Füllen Sie einfach einen Untersetzer bis zum Rand mit Kies oder Blähton und geben Sie Wasser hinzu. Stellen Sie anschließend den Topf auf den Untersetzer. Die Wurzeln stehen nicht im Wasser, dieses verdunstet jedoch allmählich und schafft eine kühlere Atmosphäre rund um die Pflanze. Füllen Sie den Wasserstand von Zeit zu Zeit nach.

Bei natürlichen Wasserstellen im Boden, also solchen, für die keine Kunststoffschale und Teichfolie erforderlich waren, werden die Ufer zusätzlich durch Kapillarwirkung und abfließendes Wasser befeuchtet. Der Boden in der Umgebung ist dadurch deutlich kühler und feuchter als im übrigen Garten und eignet sich für eine große Auswahl an Uferpflanzen.

Mikroklima im Garten

Ein noch so kleiner Teich sorgt für ein spürbares Gefühl von Frische! (Foto: G. David)

Gute Nachbarschaft im Beet

Gemeinsam in einem Beet gepflanzte Pflanzen können sich ebenfalls gegenseitig helfen.

  • Die höheren spenden den kleineren Schatten, und jede kann der anderen helfen, dem Wind besser standzuhalten.
  • Bodendecker schützen den Boden vor der Sonne und verringern zugleich die Verdunstung.
  • Im Sommer kann die Transpiration jeder Pflanze ihren Nachbarinnen zugutekommen, bevor sie sich in der Atmosphäre verteilt.
  • Im Winter können die Pflanzen, dicht beieinander (ohne sich gegenseitig zu ersticken) und selbst trocken, jeweils vor Kälte und Wind schützen. Denken Sie daran, bevor Sie Ihre Beete zu Beginn der kalten Jahreszeit zu stark aufräumen.
  • Auf einem Balkon oder einer Terrasse können Sie diese Bedingungen nachbilden, indem Sie Ihre Töpfe beispielsweise in Gruppen nahe einer Mauer aufstellen und so von einigen zusätzlichen Grad profitieren.

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