Waldtherapie: Bäume spüren, atmen, entspannen
Vorteile des Waldes entdecken
Inhaltsverzeichnis
Waldbaden soll Klarheit, Energie und Ruhe schenken. Doch was sagt die Wissenschaft über Waldtherapie? Die wichtigsten Erkenntnisse und Vorteile.
Was ist Waldbaden?
Waldtherapie ist eine Wohlfühlpraxis, die auf dem Kontakt mit Bäumen im Wald beruht und die fünf Sinne anregt, um in der Natur Ruhe und Achtsamkeit zu fördern.
Waldbaden mit japanischen Wurzeln
In Japan wurde dieses Phänomen 1982 erstmals anerkannt und benannt – als Shinrin-yoku, wörtlich „Waldbad“. Dort wurde Shinrin-yoku empfohlen, um durch die Anregung der fünf Sinne – Sehen, Riechen, Tasten, Schmecken und Hören – zu einer gesunden Lebensweise beizutragen. Diese Rückkehr zum Wesentlichen wird oft von einem Guide begleitet und heute allein oder in der Gruppe praktiziert: im Wald, in Parks oder sogar in baumreichen Gärten.
Heilwirkungen seit dem Mittelalter bekannt
Die Vorstellung, dass Wald und Bäume das Wohlbefinden fördern, stammt jedoch nicht aus dem modernen Japan. Im Mittelalter und in vielen Ländern nutzte man bereits bestimmte im Wald vorkommende Stoffe – insbesondere von Nadelbäumen abgegebene Terpene – in Präparaten zur Linderung bestimmter Beschwerden.
Im 19. und 20. Jahrhundert gehörten Waldspaziergänge zu den Empfehlungen für Genesende, insbesondere für Menschen mit Tuberkulose. Einige Ärzte jener Zeit stellten bereits eine Verbesserung des Gesundheitszustands bei diesen Patienten sowie bei Bewohnern von Heilanstalten in Wäldern oder bewaldeten Parks fest.

Lesen Sie auch
Pflanzen für den Neuanfang: Heilkraft der PflanzenBäume tun gut: Was die Wissenschaft sagt
Auch wenn Japan den Weg bereitet hat, untersuchen Forschende weltweit die Auswirkungen eines längeren Aufenthalts im Wald. Weniger Stress und Blutdruck sowie mehr Ruhe und Konzentration: Mehrere Studien deuten darauf hin, dass der regelmäßige Aufenthalt in einer Waldumgebung messbare physiologische Reaktionen auslöst.
Auch neurobiologische Studien zeigen, dass das Gehirn in einer natürlichen Umgebung anders reagiert: Bereiche, die mit Angst und Grübeln verbunden sind, sind bei Menschen, die im Wald spazieren, weniger aktiv als bei Personen in städtischer Umgebung. Waldtherapie kann das allgemeine Wohlbefinden fördern, insbesondere durch die Senkung des Cortisolspiegels (Stresshormon) und eine sanfte Stimulation des Immunsystems.

Warum beruhigen uns Bäume? Ein Zusammenspiel aus Molekülen und Landschaft
Unter Bäumen zu atmen, bedeutet mehr als nur einen Hauch frischer Luft. Der Wald gibt natürliche Stoffe wie Phytonzide und Terpene an die Luft ab, die in Blättern, Rinden und Harzen vorkommen. Beim Einatmen könnten sie sich laut mehreren wissenschaftlichen Hypothesen positiv auf Stress, Immunsystem und geistige Entspannung auswirken. Besonders wirksam sind diese Verbindungen, wenn sie mit einem weiteren wichtigen Faktor zusammenspielen: der Schönheit des Ortes.
Denn der Wald ist auch eine lebendige, immersive Landschaft, die alle fünf Sinne anregt: das Rascheln der Blätter, den Duft feuchter Erde, das Spiel von Licht und Schatten. Dieser Sinnesreichtum verankert uns im Augenblick und verringert die Aktivität jener Hirnregionen, die mit Angst, Zukunftssorgen und negativen Gedanken verbunden sind, wie Neurowissenschaftler, unter anderem am Max-Planck-Institut, gezeigt haben. Hinzu kommt die von einigen Fachleuten vermutete, jedoch schwer nachweisbare archaische Erinnerung an eine Zeit, in der Bäume Sicherheit bedeuteten.

Lesen Sie auch
Heilen mit Bäumen?Waldtherapie: So geht’s?
Für die ersten Schritte in der Waldtherapie brauchen Sie weder Kompass noch Wanderstock. Sie ist weder eine Wanderung noch ein grünes Jogging, sondern einfach ein langsamer, aufmerksamer Spaziergang in der Welt des Waldes. Es geht darum, dem Lärm zu entkommen, digitale Reize auszuschalten und die Sinne zu Wort kommen zu lassen. Zunächst gehen Sie ganz in Ruhe und schweigend, dann bleiben Sie stehen, um zu lauschen, zu schauen und zu atmen. Das Wichtigste ist, langsamer zu werden.
Manche setzen sich mit dem Rücken an einen Stamm, legen die Hand auf die Rinde oder betrachten einfach das Spiel der Blätter. Es gibt nichts zu leisten, Sie müssen nur da sein und neugierig bleiben. Sie können allein, zu zweit oder mit der Familie spazieren gehen – in einem nahe gelegenen Waldstück oder sogar in einem baumbestandenen Garten: Die Wirkung kann bereits spürbar sein. Wer tiefer einsteigen möchte, findet bei Waldtherapeuten begleitete Sitzungen mit bewusstem Gehen, Atemübungen und Sinnesübungen.
Seit 2021 gilt der Wald von Hostens in der Gironde sogar als geeigneter Ort für die Praxis des Shinrin-yoku. Von Kiefern gesäumte Wege, ruhige Seen und weitläufige Schutzgebiete machen ihn zu einem idealen Ort für ein intensives und zugleich leicht zugängliches Eintauchen in die Pflanzenwelt. Ein echtes, zertifiziertes Waldbad unweit von Bordeaux.

Blick auf den See im Wald von Hostens
Falls Sie in den sozialen Medien das inzwischen legendäre Video von Josiane Pichet gesehen haben, jener überdrehten Lehrerin, die erklärte, sie „praktiziere Waldtanz“, können Sie beruhigt sein: Waldtherapie macht Sie nicht verrückt. Es handelte sich um ein vollständig inszeniertes humoristisches Video, das immerhin zum Lachen brachte … und auf leicht verrückte, charmante Weise daran erinnerte, wie sehr Bäume etwas in uns berühren können.
Waldtherapie und Garten: Ein Stück Wald zu Hause cultivieren
Waldtherapie ist nicht nur in großen Wäldern möglich: Auch im Garten schaffen heimische Baumarten, Sträucher mit bewegtem Laub, Farne und Schattenpflanzen einen Ort der Ruhe, Betrachtung, Verbundenheit und Meditation – ganz nach Geschmack.
Ein Fächer-Ahorn (auch im Kübel), eine Hänge-Birke, ein Hartriegel mit buntem Holz oder eine einfache Hasel genügen, um die Ruhe des Unterholzes heraufzubeschwören. Wichtig sind vielfältige Texturen, Formen und Düfte, lichter Schatten und Raum für Spontaneität. Ein paar Schritte barfuß durchs kühle Gras, eine Bank neben einem Stamm, eine Pause zum Lauschen der Vögel: Der Wald beginnt manchmal im eigenen Garten.

Laub von Fächer-Ahorn, Hänge-Birke und Tatarischem Hartriegel
- Abonnieren Sie
- Inhaltsverzeichnis
Dieses Formular ist durch reCAPTCHA geschützt – es gelten die Datenschutzbestimmungen und die Nutzungsbedingungen.
Kommentare