Was ist ein Wasserspeicher und wie wird er angewendet?
Eine neuartige, innovative Technologie
Inhaltsverzeichnis
Wasser wird knapp – auch bei uns. Wie lassen sich Pflanzen ohne ausreichend Wasser kultivieren? Wasserspeicher wie Polyter und Stockosorb versprechen Hilfe. Was bringen die Wasserperlen wirklich?
Was ist ein Wasserspeicher?
Man nennt sie auch „Wasserspeicher“, „Wasserkörner“ oder „Wasserkristalle“. Wasserbindende Polymere mit semipermeabler Membran sind kleine Kristalle aus Acrylamid-Copolymer. Diese Kristalle quellen mit Wasser auf oder, bei den als Gel angebotenen Wasserspeichern, verfestigen das Wasser durch Zugabe von Kalium-Polyacrylat. Es handelt sich also um dreidimensionale Copolymere vom Typ Polyacrylamid/Polyacrylate aus der Petrochemie.
Acrylamid entsteht durch das Erhitzen von Pflanzenöl auf hohe Temperaturen. In diesem Zustand ist es eine giftige Verbindung, doch nach der Polymerisation verschwindet diese Giftigkeit.
Die „Wasserkörner“ haben einen Durchmesser von 3 mm bis 2 cm und können das 500-Fache ihres Eigengewichts an Wasser speichern. Die durchschnittliche Lebensdauer der Wasserspeicher beträgt 5 Jahre.
Die Grundidee besteht darin, Wasser zu speichern, wenn es vorhanden ist, und es in Trockenzeiten freizusetzen, wenn die Pflanzen es benötigen. Die Flüssigkeit wird schnell aufgenommen, das Wasser danach jedoch allmählich abgegeben. Dabei sollte man bedenken, dass die Pflanze durch einmaliges Gießen nur 20 % der Wassermenge erhält, gegenüber 90 %, wenn bei der Pflanzung ein Wasserspeicher verwendet wurde.
Diese Wasserspeicher kamen in den 1980er-Jahren auf und sollten ursprünglich den Wasserstress von Pflanzen in der Landwirtschaft verringern, insbesondere in Ländern des globalen Südens. Durch den Klimawandel konzentrieren sich die Niederschläge auf kurze Zeiträume, gefolgt von langen Trockenmonaten, vor allem in tropischen Regionen. Ein Produkt, das Wasser speichern und es in Trockenzeiten an die Pflanzen abgeben konnte, galt damals als eine weitere grüne Revolution.
Wussten Sie schon? Die für die Wasserspeicherung verwendeten Polymere kommen nicht nur in der Landwirtschaft zum Einsatz. Sie werden auch für Windeln und Damenbinden, als Schutzschicht für Kommunikationskabel sowie zur Herstellung von Kunstschnee verwendet.
Welche Vorteile haben Wasserspeicher?
Wasserspeicher sparen mindestens 50 % Gießwasser, verbessern Bodenstruktur und Wurzeln, fördern Pflanzenwachstum und binden Schadstoffe wie Blei.
Welche Nachteile haben Wasserspeicher?
Polymer-Wasserspeicher sind neu und mit etwa 40 €/kg teuer.
Zu Risiken für Boden, Bodenfauna und Menschen fehlen noch Langzeitdaten.
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Als Granulat
Für die Anwendung im Freiland oder in Gefäßen (Topf, Blumenkasten …). Heben Sie einfach das Pflanzloch aus und geben Sie die passende Menge auf den Grund. Nach dem Pflanzen Ihres Strauchs oder Ihrer Staude genügt kräftiges Gießen, damit sich das Granulat mit Wasser vollsaugt.
Dosierung: mit Erde vermischt 20 g/m². Im Topf: 8 g auf 4 Liter.
Als Gel
Ganz einfach: Diese Gele werden ausschließlich für Pflanzen in Gefäßen (Topf, Blumenkasten, Schale …) verwendet. Legen Sie den Beutel auf die Substratoberfläche. Das Gel verwandelt sich je nach Bedarf der Pflanze in Wasser.
Als Kügelchen
Dieses Produkt besteht statt aus Granulat aus größeren Kügelchen. Sie werden vor allem zur Verlängerung der „Lebensdauer“ von Schnittblumen verwendet. Lassen Sie die Kügelchen 12 Stunden lang in einer Schale mit Wasser quellen, 25 g auf 4 Liter Wasser. Anschließend geben Sie sie in eine Vase, um Ihre Schnittblumen mit Wasser zu versorgen.
Sind Wasserspeicher eine ökologische Lösung?
Genau das ist die Frage. Immer mehr Hersteller beginnen mit der Produktion von Wasserspeichern. Diese innovative Technologie wird jedoch erst seit rund 20 Jahren genutzt, etwa im südlichen Afrika, in den USA und Südamerika. Daher fehlen noch ausreichende Erkenntnisse über die Folgen des Polymerabbaus im Boden.
Der Abbau von Acrylamidpolymeren ist so wenig erforscht, dass synthetische Wasserspeicher für Lebensmittelkulturen in Europa verboten sind. Bisher gibt es nur sehr wenige Studien zur Giftigkeit und Persistenz von Acrylamidpolymeren im Boden. Bekannt ist bereits, dass Acrylamidmonomere – einige von Anfang an vorhanden, vor allem aber durch den Polymerabbau entstehende – krebserregend, mutagen, neurotoxisch und reproduktionstoxisch sind (sie beeinträchtigen die Fruchtbarkeit). Diese Acrylamidmonomere werden nach und nach ebenfalls zu Kohlendioxid (CO2) und Ammoniumionen (NH4+) abgebaut. Doch wie lange dauert das? Die Antwort ist schwierig, denn der abschließende Abbau hängt von der Bodenart und dem Bakterienleben darin ab.
Eine 2011 auf den Philippinen initiierte wissenschaftliche Studie weist eindeutig Acrylamidmonomere in Kohl und Braunem Senf nach, die mit synthetischen Wasserspeichern angebaut wurden.
Hinweis: Eine ökologischere und gesündere Alternative zu synthetischen Wasserspeichern könnten Biochars sein. Diese bestehen einfach aus Holzkohle aus Grünabfällen und speichern nur 20 bis 30 % Wasser. Sie sind also weniger wirksam als Hydrogele, aber vor allem ökologischer. Es sei denn, die Nachfrage nach Biochar steigt so stark, dass dafür noch mehr Wälder gerodet werden müssen. Der übliche Teufelskreis …
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