Die Schwertlilie: eine üppige Staude, die sich im Sommer verschenken lässt
In diesem Jahr können wir dank der früh eingezogenen Wärme in allen unseren Regionen bald Deutsche Schwertlilien pflanzen oder teilen. Warten Sie damit, bis die Pflanzen ruhen, reichlich Reserven gespeichert haben und von der Sonne erhitzt sind. Erst dann lassen sich ihre dicken Rhizome gut handhaben.
Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die jeden Sommer Ihren Nachbarn, Freunden, Kollegen und Bekannten Schwertlilien anbieten. Durch das Durcheinander in Ihren Beeten haben sie vermutlich längst ihre Identität verloren. Dann verschenken Sie, genau wie ich, Schwertlilien, so wie man in Jahren mit besonders reicher Ernte einen Korb Pflaumen oder Aprikosen anbietet, wenn man so viel Marmelade einkochen muss: „Die Farbe bleibt eine Überraschung! Es gibt weiße, blaue, gelbe, orangefarbene, rosa und sogar fast rote Blüten“, sage ich meinen Gesprächspartnern begeistert.
Sie, die Sie einst ihrem Charme erlegen sind: Sind Sie ihnen noch immer bedingungslos verfallen?
Der Beginn einer Leidenschaft

Ich entdeckte sie vor … einer Ewigkeit beim Durchblättern einer Gartenzeitschrift, die ich abonniert hatte. Das war lange vor der Erfindung des Internets. Zu sagen, dass mich die Deutschen Schwertlilien begeistert haben, wäre eine Untertreibung. Verzaubert, überwältigt, gebannt, ja sogar besessen trifft es wohl besser. Ich wünschte sie mir als einzige Belohnung, falls ich das Abitur bestand. Bei uns war das so. Ich bestand die Prüfung und gab meine erste Bestellung von Deutschen Schwertlilien auf. Die großen, wenig ansehnlichen Rhizome pflanzte ich hastig an den Rand des Gemüsegartens, als würde ich einen Schatz im Familiengarten verstecken. Heute sind nur wenige kümmerliche Exemplare übrig. Weder fehlende Pflege noch Gras, Schatten oder Schnecken konnten sie jedoch vollständig beseitigen. Die Jahre vergingen, die Sommer folgten aufeinander, und auch die Gärten und Iris-Bestellungen reihten sich aneinander. Dazwischen lagen meine spontanen Begeisterungen, die mich stets überwältigten, wenn die Schwertlilien im Garten in voller Blüte standen. Neue Farben, neue Formen: Für das folgende Jahr reservierte ich die Sorten, die ich begehrte. Ich musste sie alle haben!
Als ich mich in die Schwertlilien verliebte, entdeckte ich bei einem Züchter aus dem Var eine Reihe außergewöhnlicher Hybriden mit der Bezeichnung „Arilbred“. Sie waren aus Kreuzungen zwischen unseren Deutschen Schwertlilien und botanischen Arten aus den trockenen und halbtrockenen Gebieten des Nahen und Mittleren Ostens hervorgegangen. Vermutlich waren diese Kostbarkeiten für unser gemäßigtes Klima zu schwierig zu kultivieren. Außerdem blühten sie nicht reich genug und waren nicht rentabel genug. Nach und nach verschwanden sie aus seinem Sortiment, und heute spricht niemand mehr darüber. In Frankreich bietet meines Wissens nur ein leidenschaftlicher Züchter englischer Herkunft einige Sorten zum Verkauf an. Er kreuzt und kultiviert sie mit unendlicher Sorgfalt. Ich suche noch immer nach diesen etwas mythischen Schwertlilien, die wunderschöne persische, babylonische oder phönizische Namen tragen. Ihre Namen erinnern an „Tausendundeine Nacht“ oder an irgendeinen sagenhaften Nebukadnezar.


Eine nicht ganz einfache Pflanze
Nun muss ich Ihnen etwas gestehen: Nachdem ich Deutsche Schwertlilien zunächst geliebt hatte, ist meine Begeisterung etwas abgeflaut. Hier ist mein Erfahrungsbericht:
Viele Jahre an ihrer Seite haben mir gezeigt, dass diese scheinbar sehr robusten Pflanzen in Wirklichkeit regelmäßige Pflege und damit ziemlich viel Zeit benötigen. Täuschen wir uns nicht: Anders als die ursprünglichen, äußerst genügsamen und beinahe unverwüstlichen Schwertlilien brauchen unsere prächtigen modernen Sorten mit ihren riesigen Blütenkronen einen ausreichend fruchtbaren und tiefgründigen Boden, damit sie ihre Versprechen halten.
Im Frühjahr müssen sie sich einer Armee kleiner, weicher, beinloser und hungriger Ungeheuer stellen. Ich sehe mich noch immer jeden Tag an ihrer Seite im Kampf, um die Blütenstiele zu schützen. Früh am Morgen halte ich mit einer Packung Schneckenkorn Ausschau. Dabei achte ich besonders auf die leuchtend grüne Eulenraupe, die sich sehr geschickt versteckt und noch vor mir aufsteht.
Deutsche Schwertlilien verlangen von uns regelmäßiges und sorgfältiges Unkrautjäten. Andernfalls ersticken die Unkräuter die Pflanzen. Sie halten die Feuchtigkeit fest, fördern den für die Reifung schädlichen Schatten und bieten Schnecken einen idealen Unterschlupf.
Ihre Blütenkronen sind manchmal so schwer, dass sie die Stängel bis zum Boden herunterdrücken. Wind und Regen verschärfen das Problem natürlich noch.
Bei jeder Sorte bleiben nach den zwei oder drei Wochen des Frühjahrsglanzes nur noch die Blätter übrig. Sie wirken schließlich ziemlich gewöhnlich. Im Sommer sehen die Pflanzen bei trockenem Wetter wenig ansehnlich aus.
Als nährstoffbedürftige und üppig wachsende Pflanzen sollten Sie sie alle vier Jahre teilen und in frischen Boden pflanzen. Für Sammler ist das eine kaum zu bewältigende Aufgabe, wenn ihnen weder viel freie Zeit noch ein großer, wirklich sonniger Garten zur Verfügung steht – also kein richtiges Anbaugebiet.
Deshalb müssen Rhizome regelmäßig und beinahe ritualhaft verteilt werden. Das wird umso schwieriger, je größer der Kreis Ihrer Bekannten wird und je voller deren Gärten bereits von Ihren Geschenken sind. Sie lehnen Ihr Angebot höflich dankend ab. Schließlich lässt sich ihr Garten genauso wenig erweitern wie Ihrer.
Deutsche Schwertlilien in der freien Natur und am Wegesrand
Nachdem all das festgestellt und ausgesprochen ist, möchte ich unseren „wilden“ Schwertlilien in einigen Zeilen eine Würdigung widmen. Sie haben nur wenig mit den modernen Sorten gemeinsam.
Erinnern Sie sich an ihre flammenden Blüten in malven- bis violettblauen Farbtönen und an ihre beinahe durchsichtigen Seidenblütenblätter? An ihren authentischen Duft nach traditionellem Reispuder, warm, sanft und süß, der an einem heißen Apriltag ein ganzes Beet schmücken kann? Es sind die Schwertlilien, die Sie schon lange vor den anderen in voller Blüte am Straßenrand entdecken, wenn Sie nicht zu schnell mit dem Auto vorbeifahren. Sie richten ihre mit Dutzenden Blüten beladenen Blütenstiele mitten im Wind auf und klammern sich an einen Böschungsrand. In ihrer Einsamkeit sind sie von schlichter, würdevoller Schönheit. Manchmal entdecken Sie sie auch nicht weit von einem gepflegten Garten, etwas abseits, auf einem Haufen Pflanzenabfälle wieder, wohin eine zornige Hand sie geworfen hat.
In meinem Herzen bewahre ich einen ganz besonderen Platz für jene Exemplare, die mein Großvater 1896 in seinem „Enclos“ gepflanzt hat. So nennt man im Süden Frankreichs die von Mauern umschlossenen Gärten. Sie haben die Verwahrlosung überlebt und bilden heute einen riesigen Teppich zu Füßen eines großen Zürgelbaums. Dieser schafft es kaum, sie am Blühen zu hindern.
Um ehrlich zu sein, halte ich diese „wilden“ Schwertlilien etwas außerhalb meines eigenen Gartens, den sie im Handumdrehen besiedeln würden. Jeden Sommer reiße ich einige Rhizome aus den zu groß gewordenen Horsten und pflanze sie entlang des privaten Weges, der zu meinem Haus führt. Dort haben sie am Fuß der immergrünen Hecke in wirklich kargem Boden ausreichend Platz, um sich auszubreiten, und stören niemanden. Zusammen mit Natternkopf, Malve, Chicorée und dem Raukenähnlichen Doppelsamen sind sie die einzigen Pflanzen, die dort mit solcher Freude wachsen und blühen. Einige von ihnen schaffen es sogar, beinahe im Schatten zu blühen! Würden Sie das glauben? Sie haben recht: In der Provence ist der Schatten oft lichtdurchflutet.
Und da wir gerade vom trockenen Schatten sprechen: Kennen Sie die Kretische Schwertlilie (Iris unguicularis), die mit ihren langen grasartigen, immergrünen Blättern bereits ab Februar unter großen Bäumen blüht?
Die Spaltblume

Ach, wir lieben die modernen Schwertlilien natürlich trotzdem. Auch ich liebe sie. Der Beweis: Bei jedem Umzug habe ich immer ein oder zwei Säcke mit anonymen Rhizomen mitgenommen. Vermutlich aus Dankbarkeit gegenüber diesen Pflanzen, die mir so viel gegeben haben. Ich hänge noch immer an ihren extravaganten Blütenkronen und empfinde großen Respekt für diese Blumen. Ja, sie sind durchaus außergewöhnlich.
Die Deutsche Schwertlilie, königliche Blume, göttliche Botin der Götter und Geist des Regenbogens, lässt auf ihrem Weg einen fließenden, irisierenden und vielfarbigen Schleier zurück. Die ursprüngliche Deutsche Schwertlilie ist eine winterharte Pflanze für kargen Boden. Wie eine Fackel trägt sie ihren Beinamen als „Spaltblume“!

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