Die Stecklingsvermehrung kann auf viele Arten erfolgen: durch Stecklinge aus Trieben, Blättern, Wurzeln oder sogar aus Zwiebelschuppen. Unter den Triebstecklingen gibt es eine besondere Methode: den Steckling mit Fuß. Dieser eignet sich besonders für den Herbst, da er eine gute Anwachsrate bietet. Wir erklären Ihnen diese Technik ausführlich, damit sie keine Geheimnisse mehr für Sie birgt und Sie einfach und kostenlos neue Pflanzen gewinnen können!

Was ist ein Steckling mit Fuß?

Im Gegensatz zu vielen Stecklingen, die aus einer Triebspitze gewonnen werden, zeichnet sich der Steckling mit Fuß dadurch aus, dass Sie einen Seitentrieb, also einen sekundären Trieb, abtrennen. Damit nicht genug: Der Begriff „Fuß“ beschreibt ein wesentliches Merkmal dieser Methode. Sie behalten einen Teil des tragenden Zweigs an der Basis des Triebs. Der so von einem Hauptzweig abgetrennte Seitentrieb besitzt ein kleines Stück des tragenden Zweigs, gleichsam eine Lasche, von etwa 1 cm Länge. Der Steckling hat an seiner Basis dadurch eine T-Form.

Steckling mit Fuß, Holzstück am unteren Ende

Hinweis: Man spricht von einem Steckling mit Holzstück, wenn der vom Haupttrieb entnommene verholzte Teil größer ist, zwischen 1 und 3 cm misst und mit der Gartenschere abgeschnitten wird.

Diese Art der Stecklingsvermehrung eignet sich ausschließlich für Sträucher, häufig immergrüne, sowie für halbverholzte Pflanzen, deren Triebe also teilweise lignifiziert sind und allmählich härteres Holz bilden.

Oft heißt es, dass der Steckling mit Fuß die Anwachsrate erhöht. Die durch das Abreißen der Rinde entstandene Verdickung enthält die in diesem Bereich besonders zahlreichen Meristeme, also Bildungsgewebe. Dadurch wird die Wurzelbildung gefördert. Diese Art der Stecklingsvermehrung führen Sie immer im Herbst zwischen September und Oktober durch, bei milden Bedingungen auch noch im November. Wegen der niedrigeren Temperaturen sind die Pflanzen dann weniger empfindlich gegenüber Austrocknung.

Für welche Pflanzen eignet sich ein Steckling mit Fuß?

Stecklinge mit Fuß eignen sich für alle Pflanzen, die sich mit der klassischen Stecklingsvermehrung nur schwer vermehren lassen.
Besonders geeignet sind immergrüne Sträucher und Nadelgehölze wie der Lebensbaum sowie einige verholzende Kräuter, insbesondere Thymian und Rosmarin. Zu den geeigneten Sträuchern gehören Skimmie, Zwergmispel, Andenstrauch, Rebhuhnbeere und Pfaffenhütchen. Auch Weinrebe (Vitis), Essigbaum, Prunus, Perückenstrauch, Weigelie, Blauregen, Waldrebe und Ölbaum lassen sich auf diese Weise vermehren.
Die Methode eignet sich außerdem für Rosen, Beerenobst sowie für Sträucher, die zur Verholzung neigen, etwa Blauraute, Lavendel, Echten Salbei und viele Lippenblütler.

Rosmarin, Skimmie und Nadelgehölz
Rosmarin, Skimmie und Nadelgehölze lassen sich gut durch Stecklinge mit Fuß vermehren

Wie wird ein Steckling mit Fuß gewonnen?

Ein Erfolgsgeheimnis ist, den Steckling sofort, spätestens innerhalb weniger Stunden, einzupflanzen. Das gilt auch für alle anderen Stecklinge.

Das benötigen Sie

  • einen oder mehrere Tontöpfe, je nach Anzahl der entnommenen Triebe,
  • ein scharfes, mit 70-prozentigem Alkohol desinfiziertes Messer (optional),
  • eine Sprühflasche,
  • Aussaaterde und Stecklingserde oder eine Mischung aus je zur Hälfte Blumenerde beziehungsweise guter, gesiebter Gartenerde und Sand,
  • einen Bleistift oder einen kleinen Stock,
  • eine Pflanzglocke, eine Plastikflasche ohne Boden oder einen Plastikbeutel sowie drei kleine Holzstäbe für die gespannte Anzucht.

Die Vorgehensweise

  • Verholzte Triebe entnehmen: Wählen Sie kräftige und gesunde Seitentriebe aus. Triebe mit Blüten oder Früchten eignen sich nicht. Trennen Sie mit einem Messer einen 15 bis 20 cm langen Seitentrieb ab. Achten Sie darauf, den Fuß des tragenden Triebs zu erhalten. Sie können den Trieb auch einfach von Hand abreißen. Ziehen Sie vorsichtig an einem noch ausreichend biegsamen Trieb, sodass das kleine Stück des „Fußes“ beziehungsweise die Lasche erhalten bleibt.
So gewinnen Sie einen Steckling mit Fuß, hier von Cistus pulverulentus
  • Bereiten Sie den Steckling vor: Entfernen Sie die Blätter an der unteren Hälfte des Triebs. Lassen Sie nur zwei Blätter an der Spitze stehen. Große Blätter halbieren Sie. Dadurch verringert sich die Verdunstung und der Steckling wird nicht unnötig geschwächt.
  • Beispiel für einen Steckling mit Fuß
    • Bereiten Sie den oder die Töpfe vor: Füllen Sie sie bis 2 cm unter den Rand mit Aussaaterde. Drücken Sie das Substrat anschließend mit den Händen leicht an.
    • Feuchten Sie die Blumenerde mit der Sprühflasche an, idealerweise mit Regenwasser.
    • Bohren Sie mit dem Bleistift ein 4 bis 5 cm tiefes Loch in das Substrat. In einem ausreichend großen Topf können Sie drei Löcher für mehrere Stecklinge anlegen.
    • Pflanzen Sie den Trieb zu einem Drittel seiner Länge in das Loch. Achten Sie darauf, die Stellen mit den ehemaligen Blattknoten gut mit Substrat zu bedecken. Aus ihnen werden sich die Wurzeln bilden. Drücken Sie das Substrat rund um den Trieb leicht an, damit er guten Kontakt zum Substrat hat.
    Schritte zur Gewinnung eines Stecklings mit Fuß
    • Gespannte Anzucht (optional, aber dringend empfohlen): Stülpen Sie eine Pflanzglocke oder einen Plastikbeutel über den Steckling. Fixieren Sie die Abdeckung mit drei kleinen Holzstäben. Der Trieb und die verbliebenen Blätter dürfen das Plastik nicht berühren. Die gespannte Anzucht sorgt für eine ideale Luftfeuchtigkeit, damit der Steckling anwächst.
    • Halten Sie die Blumenerde leicht feucht, aber vermeiden Sie übermäßiges Gießen. Das Substrat darf niemals durchnässt sein. Lüften Sie alle drei bis vier Tage eine halbe Stunde lang, indem Sie den Plastikbeutel oder die Pflanzglocke anheben.
    • Stellen Sie den Steckling an einen hellen Platz, jedoch ohne direkte Sonne. Beschriften Sie die Töpfe oder notieren Sie das Datum der Stecklingsvermehrung in Ihrem Gartenkalender.
    • Lassen Sie den Topf drei bis vier Wochen abgedeckt.
    • Sobald sich neue Blätter zeigen, ist der Steckling erfolgreich angewachsen. Das bedeutet, dass sich bereits Wurzeln zu bilden beginnen.
    • Überwintern Sie die Jungpflanzen in einem unbeheizten Gewächshaus, einem Frühbeet oder in einem hellen, ungeheizten Raum wie einem Wintergarten. Schützen Sie sie stets vor Frost und direkter Sonne. Gießen Sie mit größeren Abständen.
    • Im Frühjahr können Sie die Jungpflanzen in einen größeren Topf umpflanzen. Je nach Wurzelentwicklung Ihres Strauchs setzen Sie sie im Herbst oder im folgenden Frühjahr endgültig in den Garten.

    Weitere Informationen

    Das Prinzip ist immer dasselbe. Wir haben jedoch mehrere Anleitungen für einige Pflanzen zusammengestellt, die sich gut durch Stecklinge mit Fuß vermehren lassen. Sehen Sie sie sich gerne an:

    Sträucher, die sich durch Stecklinge mit Holzstück vermehren lassen
    Stecklingsvermehrung von Rosmarin