Es gibt Materialien, die uns guttun. Kork, der aus der gleichnamigen Kork-Eiche gewonnen wird, gehört dazu und erlebt seit einigen Jahren ein bemerkenswertes Comeback in unserem Alltag. Als erneuerbarer, 100 % natürlicher und umweltfreundlicher Rohstoff dient Kork längst nicht nur als Verschluss für unsere besten Weine.
Die Einsatzmöglichkeiten dieses natürlichen Materials sind vielfältig, und sein Recycling betrifft uns alle.

Kork: ein biobasierter, traditionsreicher und innovativer Rohstoff
Kork stammt aus der Rinde der Kork-Eiche (Quercus suber), einem Baum, der rund um das Mittelmeer wächst, vor allem in Portugal sowie in Spanien, Italien, Frankreich, Algerien und Marokko. In Europa wird Kork hauptsächlich seit dem 17. Jahrhundert genutzt. Seine Eigenschaften waren jedoch bereits den Römern und Griechen bekannt. Sie begannen, Korken herzustellen, um Wein und Öl in Amphoren besser aufzubewahren. Verschlüsse aus Ton oder Harz hatten sich als weniger geeignet erwiesen. Der Benediktinermönch Pierre Dom Pérignon, der in der Champagne bekannt ist, soll die Verwendung von Kork populär gemacht haben.
Nur die Rinde wird entnommen. Fachleute sprechen von der Verkorkung der Rinde. Der Baum wird daher nicht gefällt. Lediglich seine bis zu 25 cm dicke Korkschicht wird mit einer speziellen Axt entfernt, ohne das Kambium, also das lebende Gewebe unter dem Kork, zu beschädigen.
Der Baum bleibt somit am Leben. Die Kork-Eiche kann ihre Rinde nach jeder Ernte regenerieren, sodass sie über Jahrzehnte nachhaltig genutzt werden kann. Außerdem ist sie feuerbeständig. Nach jedem Brand, der in diesen mediterranen Regionen häufig vorkommt, bildet sie ihre Rinde erneut. Sie ist damit eine Art pflanzlicher Phönix oder sogar ein Terminator des Waldes!

Eigenschaften und Verwendung von Kork
Angesichts seiner zahlreichen Eigenschaften lässt sich Kork vielseitig verwenden und nicht nur zu Korken verarbeiten. Als technischer Werkstoff wird er häufig in der nautischen Industrie für die Decks von Booten eingesetzt, da er verrottungsfest ist. Auch in der Lederwarenindustrie wird er für Sohlen, Schuhe und kleine Gegenstände verwendet. Darüber hinaus dient er als Accessoire für zahlreiche Dekorationsartikel, Schmuckstücke und Möbel. Er ist leicht und elastisch, wasserabweisend und isolierend, ästhetisch und wasserdicht. Deshalb eignet er sich auch hervorragend für die Wärme- und Schalldämmung. Die Bauindustrie nutzt ihn außerdem als wirksamen Feuchtigkeitsschutz. Auf sie entfallen allein 14 % seines Einsatzes. Die Weinindustrie ist mit 69 % weiterhin sein wichtigster Abnehmer. Sie nutzt die schützenden und atmungsaktiven Eigenschaften des Korks sowie seine Dichte für die Herstellung hochwertiger Korken.

Herstellung und Gewinnung
Portugal ist der weltweit größte Korkexporteur und unangefochtener Marktführer in der Produktion. Das Land erzeugt 50 % der weltweiten Gesamtmenge. Korkeichenwälder, die portugiesische Bezeichnung für Korkwälder, bedecken dort fast ein Viertel der Waldfläche. Besonders stark konzentrieren sie sich in der Region Alentejo. Portugiesischer Kork macht 50 % der weltweiten Produktion aus. Portugal und Spanien bewirtschaften zusammen mehr als die Hälfte der genutzten Flächen.
Frankreich trägt nur in geringem Umfang zur Produktion bei, liefert jedoch hochwertige Qualität. Bedeutende Anbaugebiete liegen auf Korsika, in den Pyrénées-Orientales, im Var und in den Landes. Die französische Korkindustrie produziert jährlich 3 Milliarden Korken, weltweit sind es 14 Milliarden.
Die Korkwälder und Korkeichenbestände Portugals und der Mittelmeerländer sind eigenständige Ökosysteme. Der Korkanbau beruht auf einer geduldigen und extensiven Bewirtschaftung der natürlichen Lebensräume.
Eine Tonne Kork bindet außerdem zwei Tonnen CO2. Bei einer weltweiten Jahresproduktion von 300.000 Tonnen wird ohne weitere Berechnung deutlich, wie wertvoll dieser ökologische Rohstoff ist.

Die Gewinnung erfolgt von Hand am Stamm erwachsener Bäume, die mindestens 25 Jahre alt sind. Die Rinde wird dabei in großen Platten eingeschnitten und abgelöst. Dieser Vorgang heißt Entrindung oder Abschälen und findet während des Saftaufstiegs von Mai bis August statt. Die erste Ernte liefert den sogenannten „männlichen“ Kork. Er ist von geringerer Qualität, sehr dick und zu hart und wird deshalb zerkleinert. Die Rinde erneuert sich bei Bäumen, die durchschnittlich 200 Jahre alt werden, etwa alle zwölf Jahre. Jede Kork-Eiche kann so im Laufe ihres Lebens ungefähr 15-mal „skalpiert“ werden. Dabei entsteht der sogenannte „weibliche“ Kork, ein hochwertiger und edler Rohstoff. Die Korkplatten werden sechs Monate lang an der frischen Luft getrocknet. Der geerntete Kork ist mit einer Haltbarkeit von fast 100 Jahren außerordentlich langlebig!

Korkrecycling: ein umweltbewusster Beitrag, den jeder leisten kann
Als zweitgrößter Weinkonsument der Welt hat Frankreich eine wichtige Rolle zu spielen.
Korken bestehen zu 100 % aus pflanzlichem Material und lassen sich recyceln. Sie gehören jedoch nicht zu den Verpackungen. Deshalb dürfen Sie sie nicht in die gelbe Wertstofftonne werfen. Geben Sie sie stattdessen bei einer Sammelstelle in Ihrer Nähe ab. Wertstoffhöfe, Rathäuser, Supermärkte, Bioläden, Weinhandlungen und manchmal sogar Schulen nehmen die wertvollen Korken entgegen.
Weniger bekannt ist, dass zahlreiche lokale, regionale und nationale Vereine Korken sammeln und damit humanitäre Projekte unterstützen.
In Frankreich können Sie sich beispielsweise an Recycliege France, an Planetliege, die Website des französischen Korkverbands, oder an die Smitcoms, regionale Abfallwirtschaftsverbände, wenden.
Nach der Sammlung werden die Korken in spezialisierte Recyclinganlagen gebracht und dort entsprechend behandelt. Nach dem Zerkleinern entstehen Granulate. Diese werden wiederum zu Platten oder Blöcken verarbeitet und erhalten ein völlig neues Leben, unter anderem als neue Korken, oder energetisch verwertet.
Geben Sie Ihre Korken nicht auf den Kompost. Sie sind zwar biologisch abbaubar, zersetzen sich jedoch relativ langsam. Außerdem dürfen sie in diesem Fall nicht mit Klebstoff oder Kunststoff verbunden sein, wie es bei manchen neueren Korken aus dem Handel der Fall ist. Diese gehören in den Restmüll.
Kork richtig trennen: ein gut eingespielter Prozess
Auf diese Weise werden in Frankreich jedes Jahr mehr als 60 Millionen Korken recycelt. Dem stehen 3 Milliarden Weinflaschen mit Korkverschluss gegenüber.
Vorbeugung und Information sind in diesem Bereich wichtige Elemente der Kreislaufwirtschaft. Ziel ist es, das Sammeln zu einer alltäglichen Gewohnheit zu machen: Sammeln Sie Ihre Korken zu Hause gemeinsam, statt sie einzeln in den Abfalleimer zu werfen.
Auf europäischer Ebene gibt es für Kork den Recyclingcode FOR51. Er kennzeichnet Produkte aus natürlichem Kork, die keine Agglomerate oder synthetischen Ersatzstoffe enthalten.
Achten Sie bei der Mülltrennung darauf, Korken aus 100 % Kork nicht mit Korkimitaten zu verwechseln. Letztere bestehen aus Verbundmaterialien und Klebstoff und gehören daher nicht in die gelbe Wertstofftonne!

Kork im Garten: Warum nicht ausprobieren?
Kork isoliert im Sommer und im Winter und wirkt dadurch temperaturregulierend. Kommt Ihnen das nicht auch für unsere Pflanzen nützlich vor? Korken gehören tatsächlich zu den originellen, aber bewährten Möglichkeiten, Abfall im Topfgarten sinnvoll wiederzuverwenden. Zum Drainieren oder als Kälteschutz können Sie Korken aus 100 % Kork in kleine Stücke schneiden. Das erfordert zwar etwas Arbeit, doch die Stücke sind wertvolle und kostengünstige Helfer und können Blähton ersetzen. Unter den Töpfen angeordnet, schützen sie im Winter Töpfe auf Terrassen und Balkonen.
Auch für die Weihnachtsdekoration können Korken ein zweites Leben erhalten und auf besonders schöne und einfache Weise wiederverwendet werden. Das natürliche Material und die Farbe des Korks harmonieren perfekt mit Kiefernzapfen und Holz und eignen sich ideal für die Dekoration Ihres Zuhauses in der Adventszeit. Denken Sie daran!

Mehr entdecken …
Kork erobert jetzt sogar die Raumfahrtindustrie! Entdecken Sie diesen erstaunlichen Artikel über das aeronautische Potenzial von Kork bei einem kleinen französischen Unternehmen.
Zwei empfehlenswerte Websites: Planète Liège und das Institut Méditerranéen du Liège (IML). Dort finden Sie auf den umfangreichen Websites viele weitere Informationen.
Dieses Video zeigt den Herstellungsprozess von Korken in einer portugiesischen Fabrik.
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