Es ist Winter. Es ist kalt. Und mit „kalt“ sind Temperaturen gemeint, die mitunter unter 0 °C sinken. Ja, auch im Süden. Das bringt ein seltsames physikalisches Phänomen mit sich: Wasser wird fest. Umgangssprachlich nennen wir das Frost. Erstaunlicherweise kehrt der Winter trotz der wiederholten Versuche des Menschen, das Klima zu erwärmen, jedes Jahr zurück. Und ebenso erstaunlicherweise überrascht er zahlreiche Gärtner, die einige empfindliche Pflanzen verlieren, weil sie sie völlig unbeachtet gelassen haben.

Warum also ist Ihre Pflanze plötzlich auf die absurde Idee gekommen, zu erfrieren, ohne Sie um Erlaubnis zu bitten? Das erklären wir Ihnen sofort.

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Warum Sie?

Ihre Nachbarn beschweren sich nie über den Winter. Allenfalls murren sie ein- oder zweimal, wenn sie den Schnee von einer Tanne entfernen müssen oder auf Tauwetter warten müssen, um einen Baum zu pflanzen. Damit hat es sich aber auch schon. Übrigens: Schnee im Garten ist eine schöne Sache!

Für Sie dagegen ist der Winter ein ständiger Grund zur Sorge. Sie beobachten den Himmel und Ihre eigene professionelle Wetterstation, sobald eine Wolke auftaucht oder eine Ihrer Bekannten über Rheuma klagt. Für die meisten Gärtner ist eine kurze Frostperiode überhaupt kein Problem. Sie wissen jedoch, dass es für Sie viel schlimmer kommen wird! Sie spüren das Drama nahen! Ach, was für ein elendes Leben!

Warum ausgerechnet sie?

Das stimmt: Warum ausgerechnet sie? Alle Ihre anderen Pflanzen überstehen den Winter und den Frost normalerweise problemlos. Und dann: Peng! Ausgerechnet Ihre Lieblingspflanze wird schwer getroffen. Die Pflanze, die Ihnen Ihr Onkel aus der Karibik in einer klimatisierten Kiste geschickt hat und die Sie per Hubschrauber in Ihren Garten bringen lassen mussten. Sie hat ein kleines Vermögen gekostet und war Ihr ganzer Stolz, weil niemand sonst in der Nachbarschaft eine solche Pflanze besaß. Und nun geht sie von einem Tag auf den anderen ein, ohne Sie auch nur per Einschreiben vorzuwarnen. Alle anderen Pflanzen, die direkt daneben stehen, haben nicht einmal ein Zehntel gekostet und den Winter völlig unbeschadet überstanden. Außerdem könnten Sie schwören, dass sie hämisch kichern …

Das Schicksal meint es wirklich nicht gut mit Ihnen! Aber was ist eigentlich passiert?

Warum überhaupt?

Der Winter bringt einen veränderten Rhythmus für die Pflanzen

Sommergrüne Sträucher gehen in Dormanz, sobald sie ihre Blätter verlieren. Das ist eine Anpassung an die Schwierigkeit, Wasser aus dem Boden aufzunehmen. Denn sobald die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, ist das Wasser gefroren. Um nicht zu viel Wasser über die Blätter zu verlieren, ist es daher besonders wirksam, sie einfach zu Boden fallen zu lassen. Nadelgehölze haben mit ihren Nadeln eine raffinierte Lösung gefunden: Sie verringern die Oberfläche ihrer Blätter. Außerdem sind diese Blätter dicker und von einer Wachsschicht überzogen. Und die anderen immergrünen Pflanzen? Sie verlangsamen ihr Wachstum, gehen aber deshalb nicht in Dormanz über.

Physiologische Vorgänge während einer Frostperiode

Die meisten Pflanzen, die bei uns wachsen können, sind auf den Winter vorbereitet. Sie verringern ihren Wassergehalt, zum Beispiel indem sie ihre Blätter abwerfen. Gleichzeitig erhöhen sie den Anteil an Mineralsalzen und Zucker. Dadurch steigt auch der Gefrierpunkt des Wassers in den Geweben. Wird es noch kälter, wird ein Teil des Wassers aus den Zellen in die Zwischenräume gedrängt. Das in den Zellen verbleibende Wasser gefriert nicht mehr, weil die Konzentration an Zucker und Mineralsalzen dort noch höher ist. Wird es noch kälter, versagen auch diese Frostschutzmechanismen. Das Wasser wird direkt in den Zellen fest. Gefrorenes Wasser nimmt mehr Raum ein als flüssiges Wasser. Und schon platzt die Zelle wie eine Glasflasche, in der Wasser gefriert. An verschiedenen Frostschäden können Sie das erkennen: an wie verbrannt wirkenden Blättern, einem rissigen Stamm und vielem mehr. All das kann zum Absterben Ihrer Pflanze führen.

Was können Sie dagegen tun?

  • Wählen Sie widerstandsfähige und passende Pflanzen

Wenn eine Pflanze als bis -15 °C winterhart gilt, sollte alles gut gehen. Auch heimische Pflanzen aus Ihrer Region sind eine gute Wahl.

  • Berücksichtigen Sie die Winterhärtezonen … oder auch nicht

Um sich zu orientieren, gibt es die sogenannten Winterhärtezonen. Sie geben Ihnen einen Anhaltspunkt für extreme Temperaturen, sind für den einzelnen Garten jedoch nicht ganz genau. Es kommt auf Ihren Boden, den Standort, den Wind und die Ausrichtung Ihres Gartens an.

  • Schauen Sie sich in Ihrer Umgebung um

Wenn eine Pflanzenart seit Jahren problemlos bei Ihren Nachbarn wächst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie auch bei Ihnen durchhält. Außerdem bietet sich Ihnen so die Gelegenheit, mit Ihrem Nachbarn über Ihr Lieblingsthema zu plaudern: den Garten.

  • Schützen Sie empfindliche Pflanzen

Wenn Sie die drei vorherigen Punkte nicht berücksichtigt haben – wie wir alle! –, müssen Sie Ihre Pflanzen mit einer guten pflanzlichen oder mineralischen Mulchschicht schützen. Steine können sich tagsüber erwärmen und die Wärme nachts wieder abgeben. Sie können Ihre Pflanze außerdem mit Wintervlies, Jutegewebe oder sogar Pappe umhüllen, wenn Sie gerade nichts anderes zur Hand haben. Alles über den Winterschutz für Pflanzen erfahren Sie in diesem Artikel.

Schutz mit Wintervlies und Luftpolsterfolie
  • Vermeiden Sie stehendes Wasser

Verhindern Sie unbedingt, dass Wasser in der Nähe der Wurzeln stehen bleibt. Gießen Sie deshalb vor einer Frostperiode nicht. Denken Sie vor allem daran, beim Pflanzen einer empfindlichen Pflanze eine Drainageschicht einzubringen: einige Kieselsteine oder etwas Sand. Oder pflanzen Sie sie gleich auf einen kleinen Hügel.

  • Pflanzen Sie am richtigen Ort und zur richtigen Zeit

Sie kennen Ihren Garten besser als jeder andere. Sie wissen daher, wo die kältesten und umgekehrt auch die wärmsten Stellen liegen. Machen Sie sie ausfindig und pflanzen Sie dort Ihre wärmeliebenden Pflanzen! Vermeiden Sie es außerdem, diese empfindlichen Pflanzen im Herbst zu setzen. Sie hätten dann nicht genügend Zeit, ein ausreichendes Wurzelsystem zu entwickeln, um den Winter unbeschadet zu überstehen. Pflanzen Sie sie besser im Frühjahr, wenn keine Frostgefahr mehr besteht.

Meine Pflanze ist trotzdem erfroren! Was soll ich jetzt tun?

Ihre Pflanze scheint trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und sonstiger Beschwörungen erfroren zu sein … Entfernen Sie zunächst den Schutz, falls Sie einen angebracht haben, damit die Pflanze wieder etwas Luft bekommt. Wenn eine längere Tauwetterperiode einsetzt, die mindestens zwei Wochen anhält, gießen Sie den Wurzelbereich gründlich mit lauwarmem Wasser. Verhindern Sie unbedingt, dass die Pflanze austrocknet. Und dann … warten Sie! Manche Pflanzen scheinen endgültig verloren und treiben doch wieder aus ihrer Asche hervor wie ein Phönix, sobald der Frühling kommt. Michaël hat dazu übrigens einen kurzen Artikel verfasst.

Kälte ist nicht grundsätzlich schlecht!

Es ist natürlich hart, eine Pflanze zu verlieren. Noch dazu eine schöne und seltene. Vergessen Sie aber nicht, dass all Ihre anderen Pflanzen Kälte brauchen, um reich zu blühen, zu keimen oder Holz zu bilden. Das nennt man Vernalisation. Diese Kälteperiode ist für viele Pflanzen unverzichtbar, damit sie vom vegetativen in das reproduktive Stadium übergehen und ihre Blüte entwickeln können.
Schimpfen Sie also nicht allzu sehr über den Winter! Die notwendige Kälteperiode variiert je nach Art und sogar je nach Sorte. Einige Pflanzen brauchen mehr Kälte als andere. Deshalb können manche Pflanzen nur im Norden wachsen.

Fazit

„Die richtige Pflanze am richtigen Ort“, sagte Beth Chatto.

Und ich würde ergänzen: im richtigen Klima und zur richtigen Zeit. Es kann großen Spaß machen, etwas exotischere Pflanzen auszuprobieren, sie gut zu schützen oder ihnen einen geeigneten Mikrostandort zu bieten. Es ist außerdem sehr befriedigend zu sehen, dass manche Pflanzen viele Jahre gedeihen. Doch irgendwann kommt unweigerlich der entscheidende Moment, in dem die Temperaturen zu tief sinken, als dass die Pflanzen durchhalten könnten. Immerhin konnten Sie eine Zeit lang Freude an ihnen haben. Das sollten Sie sich sagen.

Vergessen Sie auch die richtigen Pflanzzeiten nicht. Versuchen Sie nicht, eine kälteempfindliche Pflanze zu setzen, solange noch Fröste drohen. Das klassische Beispiel ist das zu frühe Pflanzen von Dahlien.

Wenn Sie in Ihrem Garten trotzdem einige exotische Pflanzen ausprobieren möchten, bringen Sie eine Drainageschicht auf dem Boden des Pflanzlochs ein und pflanzen Sie die Pflanze an einen geschützten Standort. Und vor allem: Lassen Sie los. Wenn Ihre Pflanze überlebt und gedeiht: wunderbar! Wenn sie eingeht: Pech für sie! Dann ist Platz für eine neue Pflanze …