Ich hege grenzenlose Bewunderung für Landschaftsarchitekten des natürlichen Gartens wie die sehr bekannten Gilles Clément, Piet Oudolf und Noël Kingsbury. Neben ihren prachtvollen Gestaltungen ist es auch ihnen zu verdanken, dass Wildpflanzen rehabilitiert wurden, die viel zu lange als „Unkraut“ bezeichnet worden waren.

In meinem bescheidenen Garten entsteht der naturnahe Garten mangels großen Talents auf mathematische Weise:

  • durch Subtraktion: Die Hälfte des Grundstücks besteht aus einer natürlichen Wiese. Je nach Lust und Laune mähe ich darin breite Wege und forme so große Inseln aus Gras und Wildblumen. Dort wachsen vor allem Großblumige Garten-Margerite, Kuhblume und viel Sauerampfer. Sehen wir es positiv: Auch wenn das Ergebnis nicht überwältigend schön ist, so ist es doch ökologisch und authentisch!
  • durch Addition, indem ich meine liebsten Wildpflanzen in die Staudenbeete einlade – sei es wegen ihrer Wuchsform oder ihrer Blüte.

Zu meinen fünf bemerkenswertesten Wildpflanzen gehören:

  1. Die Wilde Karde – Dipsacus fullonum

    Haben Sie etwas Geduld: Diese große zweijährige Pflanze bildet ihre kardenartigen Blüten erst im zweiten Jahr nach der Aussaat. Sie kann bis zu zwei Meter hoch werden, was sie ausgesprochen architektonisch wirken lässt. Und wenn sie im Volksmund als Wilde Karde oder Weber-Karde bezeichnet wird, liegt das daran, dass ihre großen Blätter Wasser auffangen und so im Hochsommer providentielle Trinkstellen für Vögel bilden. Im Herbst kommen dann Stieglitze, um sich an den angebotenen Samen zu laben. Ich kultiviere auch ihre Verwandte, die „Weber-Karde“ (Dipsacus sativus). Die Samen erhielt ich über die Zeitschrift „La Hulotte“, der es gelungen ist, diese Art zu erhalten. Früher wurde sie in der Textilindustrie zum Kardieren von Wolle verwendet und wäre beinahe ausgestorben.

    Verzichten Sie nicht auf diese schönen Pflanzen: Sie sind den Disteln recht ähnlich, breiten sich aber keineswegs invasiv aus. Zugegeben, sie säen sich leicht selbst aus, doch die jungen Keimlinge lassen sich mit einem Hackenstreich entfernen.

  • Der Wiesen-Kerbel – Anthriscus sylvestris

    Ich mag einfach alles an ihm: sein fein gefiedertes Laub, seine hübschen Stängel und seine weißen Blütendolden. Ich lasse ihn in den Beeten wachsen, behalte die Situation aber im Auge, da er etwas überhandnehmen kann. Falls er bei Ihnen nicht wächst, sollten Sie wissen, dass Sie ihn im Handel nur schwer finden werden, da er so gewöhnlich ist. Sie können ihn bitte durch die Gartensorte 'Ravenswing' ersetzen, die ihm sehr ähnlich ist und wunderschöne dunkelpurpurfarbene Blätter hervorbringt, oder durch die Süßdolde (Myrrhis odorata), die ebenfalls äußerst interessant ist – sowohl wegen ihres Zierwerts als auch wegen ihres anisartigen Geschmacks.

  • Die Kleinblütige Königskerze – Verbascum thapsus

    Die auch unter den Namen Kleinblütige Königskerze oder Österreichische Königskerze bekannte Pflanze bildet große Rosetten aus flaumigen Blättern, aus denen sich hohe Blütenstängel mit gelben Blüten erheben. Ich habe mehrere Exemplare, die aus der einzigen Pflanze hervorgegangen sind, die ich in meiner Wiese entdeckt hatte: Als ich sie fand, verpflanzte ich sie vorsichtig in ein Beet. Seitdem hat sie reichlich Nachwuchs bekommen! Falls Sie sie in Ihrer Umgebung nicht finden, empfehle ich Ihnen die Seidenhaar-Königskerze – Verbascum bombyciferum. Sie ist eine nahe Verwandte und sieht ihr sehr ähnlich!

  • Der Rote Fingerhut – Digitalis purpurea

    Diese schöne Braunwurzgewächs, auch „Marienhandschuh“ genannt, säumt die Straßen- und Wegränder mit ihrer üppigen, rosafarbenen und violett getönten Blüte. Sie wuchs bereits auf der Böschung an unserem Garten, bevor wir dort einzogen, und ich ließ sie ganz selbstverständlich ihren Platz einnehmen. Zusammen mit Garten-Fingerhut bildet sie einen schönen Beet-Hintergrund, der perfekt mit Rosen harmoniert. Achtung: Die Pflanze ist giftig. Wenn Sie Kinder haben, sollten Sie ihnen vorsichtshalber sagen, dass sie sie nicht berühren dürfen.

    • Die Wilde Malve – Malva sylvestris

      Meine Wilde Malve wurde mir von einer Freundin geschenkt, die essbare und Heilpflanzen anbaut. Tatsächlich handelt es sich um eine Mauretanische Malve, die der Wilden Malve jedoch sehr ähnlich ist. Sie versprach mir, dass die Pflanze mir treu bleiben würde, sobald sie sich eingelebt hätte. Das ursprüngliche Exemplar gibt es inzwischen nicht mehr, doch bevor es verschwand, sorgte es für eine schöne Nachkommenschaft, die ich überall dort wachsen lasse, wo sie mich nicht stört. Sie ist eine sehr reich blühende Pflanze mit wunderschönen violetten Blüten, ausgesprochen pflegeleicht und bei Bienen sehr beliebt. Eine sichere Wahl!