Bakteriosen bei Pflanzen: behandeln und vermeiden?

Bakteriosen bei Pflanzen: behandeln und vermeiden?

Bakterienbefall an Pflanzen: Schäden und Wissenswertes im Überblick

Inhaltsverzeichnis

Nicht alle Bakterien sind schädlich: Im Boden, Wasser und an Pflanzen können phytopathogene Bakterien Schäden verursachen. Bakteriosen erkennen und bekämpfen.

Schwierigkeit

Pflanzenbakterien: gute und schlechte

Bakterien gehören zu den einfachsten Lebewesen. In der Natur kommen sie in nahezu unzählbarer Menge vor. Diese einzelligen, nur wenige Tausendstel Millimeter langen Bakterien sind ausschließlich unter dem Mikroskop sichtbar. Zum Vergleich: Schätzungen zufolge besiedeln mehr als eine Milliarde Bakterien ein einziges Gramm Boden. Diese astronomische Zahl erklärt sich durch die rasante Vermehrung der Bakterien. Sie vermehren sich durch einfache Zellteilung. Unter den Bakterien in Boden, Luft und Wasser gibt es einige, die für Pflanzen eine grundlegende Rolle spielen, während andere besonders schädlich sind – je nachdem, welche Beziehung sie zu ihnen eingehen.

Bakterien Pflanzen

Wurzeln von Leguminosen mit Knöllchen, auf denen sich Rhizobium-Bakterien ansiedeln

Tatsächlich sind einige Bakterien für die Oberfläche oder das Gewebe von Pflanzen völlig neutral. Dazu gehören saprophytische Bakterien, die sich von abgestorbenem organischem Material ernähren, einschließlich epiphytischer und endophytischer Bakterien. Andere Bakterien gehen mit Pflanzen eine echte Symbiose ein, von der beide Seiten profitieren. Dies ist bei Bakterien der Gattung Rhizobium der Fall. Sie siedeln sich an den Wurzeln von Leguminosen an, binden den Luftstickstoff und stellen ihn den Pflanzen und dem Boden zur Verfügung.

Andere Bakterien sind für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit sehr nützlich. Wieder andere werden vermehrt und gezielt zur biologischen Bekämpfung von Parasiten eingesetzt. Dazu gehört das Bakterium Bacillus thuringiensis (Bt), das natürlicherweise im Boden vorkommt und zur Herstellung eines biologischen Insektizids gegen die Larven bestimmter Schmetterlinge genutzt wird.

Schließlich gibt es phytopathogene Bakterien, die Pflanzen befallen und qualitative wie quantitative Schäden verursachen. Etwa hundert dieser für Pflanzen schädlichen Bakterien sind bekannt – deutlich weniger als phytopathogene Pilze. Sie verursachen bakterielle Krankheiten, sogenannte Bakteriosen. Ihre Bedeutung bei Pflanzen ist jedoch geringer als die von Pilzkrankheiten.

Weiterführende Informationen:

Wie entwickeln und verbreiten sich Bakterien im Garten?

Diese guten oder schädlichen Bakterien, die als Kokken, Stäbchen (Bazillen) oder Spiralen (Spirillen) auftreten können, leben und überdauern im Boden, in Pflanzen- und Rückschnittresten, auf Samen, Knospen und Blättern, an Gartengeräten oder sogar im Gießwasser von Regenwassertonnen. Bei extremer Hitze oder Kälte (Spätfröste, die Pflanzen schädigen) sowie bei hoher Feuchtigkeit können widerstandsfähige Formen entstehen und sich in Form von Sporen vermehren.

Anschließend erfolgt die Verbreitung auf unterschiedliche Weise. Zum einen übernimmt der Wind den Transport über größere Entfernungen. Doch auch Unwetter und Insekten wie Blattläuse oder Schildläuse tragen zur Verbreitung der Bakterien bei. Ebenso können infizierte Werkzeuge oder der Mensch beim Transport infizierter Pflanzen Bakterien weitertragen.

Am Ziel angekommen, dringen die Bakterien über die Stomata (Poren) der Blätter oder die Lentizellen der Wurzeln in das Pflanzengewebe ein. Noch häufiger gelangen Bakterien durch Verletzungen, Schnittwunden oder Stiche saugender Insekten in die Pflanzen. Eine durch verschiedene Faktoren geschwächte Pflanze ist verständlicherweise anfälliger als eine gesunde und kräftige Pflanze.

bactérioses feu bactérien

Blätter mit Feuerbrand

Sobald das Bakterium in das Pflanzengewebe eingedrungen ist, treten verschiedene Symptome auf: feuchte Flecken (fettige Flecken), Nekrosen, Rindenkrebs, Gallen oder Wucherungen, Welke, Braunfärbung und/oder Verbrennungen des Laubes, Fäulnis, Gummifluss und Mosaikmuster … Diese Symptome können denen von Pilzkrankheiten ähneln, was die Diagnose mitunter erschwert.

Die häufigsten Bakterienkrankheiten an Pflanzen

Je nach beteiligtem Bakterium gibt es verschiedene Bakteriosen, die je nach Region und klimatischen Bedingungen unterschiedlich verbreitet sind … Da phytopathogene Bakterien in verschiedene Stämme, sogenannte Pathovare, unterteilt werden, können sie zahlreiche Pflanzenarten befallen.

  • Feuerbrand (Erwinia amylovora) ist die gefährlichste Bakteriose für Obstbäume, Sträucher und Pflanzen aus der Familie der Rosengewächse, wobei Birnbäume besonders anfällig sind. Die Krankheit kann einen Baum innerhalb von 8 bis 15 Monaten abtöten. Diese bakterielle Erkrankung unterliegt strengen gesetzlichen Vorschriften. Unter anderem müssen verdächtige Symptome dem zuständigen Rathaus gemeldet werden. Im Artikel von Eva erfahren Sie alles über diese Krankheit: Feuerbrand: erkennen und bekämpfen
  • Der Bakterienkrebs (Pseudomonas syringae) hat sich in den vergangenen Jahren vor allem an Obstbäumen stark ausgebreitet (Kirschbaum, Pfirsichbaum, Pflaumenbaum, Aprikosenbaum, Chinesischer Strahlengriffel), tritt aber auch an Rosskastanien auf. Das natürlicherweise auf den Blättern vorkommende Bakterium entwickelt sich im Herbst und Winter auf Blättern, Knospen und Blütenbüscheln über Blattnarben, Risse oder Verletzungen der Rinde. Im Frühjahr zeigen sich die Symptome: zunächst hellgrüne, später braune Blattflecken, schwarze Flecken auf den Früchten sowie eingesunkene Stellen (Nekrosen) an der Rinde mit Gummiaustritt. Zu Beginn des Sommers sterben ganze Zweige oder schließlich der gesamte Baum ab.
  • Die Weichfäule oder bakterielle Fäule (Pectobacterium carativora oder Erwinia chrysanthemi): Das erste Bakterium befällt Wurzeln, Stängel und Früchte von Kürbisgewächsen und Nachtschattengewächsen, Salaten, Kohl und Schnittsellerie … Das zweite befällt Gemüse wie Zwiebeln oder Kartoffeln, aber auch Zierpflanzen wie Nelken, Chrysanthemen oder Dahlien. Das Laub welkt, wird braun, verflüssigt sich und zersetzt sich. Dabei kann ein unangenehmer Geruch entstehen.
  • Die Bakterienbrandkrankheiten (Pseudomonas syringae oder Xanthomonas spp.) treten vor allem an Bohnen und Erbsen, aber auch an Kohl, Artischocken, Tomaten und Kürbisgewächsen auf. Diese Bakterien werden über die Samen übertragen und entwickeln sich, wenn auf eine feuchte, windige Periode zur Blütezeit warmes, trockenes Wetter folgt. Dann erscheinen eckige, ölige und durchscheinende Flecken mit gelbem Rand. Die Blätter werden braun und sterben ab, anschließend geht die Pflanze innerhalb weniger Tage ein. An Erbsen und Bohnen erscheinen dunkelgrüne, rot umrandete Flecken auf den Schoten.
  • Die durch Xylella fastidiosa verursachte Bakteriose ist eine beunruhigende, erst vor Kurzem nach Europa eingeschleppte Krankheit, die sehr viele Pflanzenarten befällt. Im Artikel von Olivier erfahren Sie mehr: Xylella fastidiosa: ein tödliches Bakterium für zahlreiche Pflanzen!

Bitte beachten Sie, dass diese Liste nicht vollständig ist!

Bakteriose durch Xylella fastidiosa

Ölbaum, befallen von Xylella fastidiosa

Wie lassen sich diese Bakterienkrankheiten bekämpfen?

Leider ist die Bekämpfung dieser Bakterienkrankheiten sehr schwierig; einige, wie der Feuerbrand, sind sogar unheilbar. Nur wenige Bekämpfungsmittel wirken ausreichend. Bei manchen Infektionen wie Bakterienkrebs oder Fettkrankheit ist jedoch bei frühzeitiger Erkennung eine Behandlung mit Bordeauxbrühe in zwei oder drei Anwendungen im Abstand von drei Wochen möglich. Ein Erfolg ist jedoch nicht garantiert. Außerdem ist zu bedenken, dass das Kupfer der Bordeauxbrühe im Boden verbleibt und das Wasser belastet.

Ebenso ist es unerlässlich, befallene Pflanzenteile zu entfernen und zu vernichten, wobei häufig tief in die betroffenen Rindenpartien geschnitten werden muss, bevor ein Wundverschlussmittel aufgetragen wird. Das Verbrennen ist die beste Methode, sie zu beseitigen, in Gärten jedoch verboten. Es bleibt die Entsorgung im Wertstoffhof. Die Bakterien werden dort normalerweise durch die Hitze im Inneren des Komposts abgetötet.

Die beste Methode gegen diese Bakterien sind sehr strenge vorbeugende Maßnahmen:

  • Alle am Boden verbleibenden Kultur- und Rückschnittreste sorgfältig entfernen
  • Ausgewogen düngen und eine zu stickstoffreiche Düngung vermeiden
  • Pflanzen regelmäßig pflegen (angepasstes Gießen, Mulchen), um Stress zu vermeiden
  • Maßvoll und zum richtigen Zeitpunkt schneiden, um die Mitte der Verzweigung auszulichten, und Schnittwunden mit Wundverschlussmittel behandeln
  • Beim Gießen möglichst das Laub nicht benetzen, da übermäßige Feuchtigkeit die Ausbreitung fördert
  • Eine strenge Fruchtfolge einhalten
  • Überträger bekämpfen, etwa Schildläuse und Blattläuse
  • Gartenwerkzeuge nach jedem Gebrauch sorgfältig reinigen und desinfizieren
  • Die Abwehrkräfte der Pflanzen stärken, zum Beispiel mit Brennnesseljauche.

    Bekämpfung von Bakterienkrankheiten

    Die Bekämpfung von Bakterienkrankheiten erfordert vorbeugende Maßnahmen

Wenn Ihr Gemüse- oder Obstgarten häufig von Bakterienkrankheiten betroffen ist, sollten Sie außerdem zertifiziertes Saatgut oder resistente Sorten auswählen.

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