Bremst Leitungswasser das Gemüse im Garten?
Kalk, Chlor, Temperatur: Wirklich wichtig?
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Tomaten kümmern, Salat wird gelb, Zucchini wachsen kaum? Meist liegt es nicht am Leitungswasser. Bei Kalk zählen Boden und Anbauweise. Ernte-Check!
Leitungswasser: Vorsicht bei sehr kalkhaltigem Wasser
Entgegen der landläufigen Meinung eignet sich Leitungswasser in den meisten Fällen bestens zum Gießen Ihres Gemüsegartens. Der darin enthaltene Kalk, insbesondere Kalzium und Magnesium, ist für Gemüse nicht giftig: Es handelt sich sogar um wichtige Nährstoffe für Pflanzen.
Sie müssen sich also keine Sorgen machen, außer in zwei besonderen Fällen:
- Wenn Ihr Wasser sehr kalkhaltig UND Ihr Boden ebenfalls kalkhaltig ist: Über längere Zeit (also über mehrere Saisons oder sogar Jahre) kann das Gießen mit hartem Wasser den ganzen Sommer über den Boden allmählich immer alkalischer (kalkhaltiger) machen.
- Wenn Sie Gemüse in Töpfen oder Pflanzgefäßen anbauen: Das Substratvolumen ist gering, die Pflanzen werden häufig gegossen und die Verdunstung ist hoch. Die Mineralien aus sehr hartem Wasser können sich dort daher leichter anreichern und das Wachstum Ihrer Gemüsepflanzen bremsen.
Wie erkenne ich sehr kalkhaltiges Wasser?
Weiße Ablagerungen an Armaturen, im Wasserkocher oder auf Terrakottatöpfen sind ein erster Hinweis. Um sicherzugehen, sehen Sie in den Angaben zur Wasserqualität auf Ihrer Rechnung oder in der jährlichen Wasseranalyse nach, die Sie normalerweise einmal im Jahr erhalten.
Suchen Sie nach den Angaben „Härte“ oder „hydrotimetrischer Titel (TH)“, angegeben in französischen Härtegraden (°f). Ab 30 °f gilt Wasser als sehr hart und damit kalkhaltig.

Wie erkenne ich sehr kalkhaltigen Boden?
Ein Boden gilt ab einem pH-Wert von 7,5 als kalkhaltig. Wenn Sie die Beschaffenheit Ihres Bodens nicht kennen, ist ein pH-Papiertest am einfachsten: Mischen Sie etwas Gartenerde mit entmineralisiertem Wasser. Sie können auch einen Test zu Hause durchführen. Lesen Sie dazu unseren Artikel: „Saurer, neutraler oder kalkhaltiger Boden: Wie erkennt man den Unterschied?“.
Zu viel Kalk: Nährstoffblockade (Chlorose)
Bei einer zu starken Kalkanreicherung steigt der pH-Wert des Bodens (oder der Blumenerde in Ihren Töpfen) tendenziell in den alkalischen Bereich.
Problem: In einem zu kalkhaltigen Boden oder bei hohem pH-Wert kann die Pflanze bestimmte lebenswichtige Mineralien nur schwer aufnehmen. Dazu gehören Eisen und Magnesium.
Folge: Ihr Gemüse entwickelt eine Eisenchlorose. Die jungen Blätter werden gelb, während ihre Blattadern grün bleiben.

Anzeichen der Chlorose bei Tomaten
Warum tritt dieses Problem in neutralem oder saurem Boden nicht auf?
Im Freiland ist das Bodenvolumen groß und der Boden kann Schwankungen in seinem Milieu, insbesondere beim pH-Wert, bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Das gilt vor allem, wenn er reich an organischer Substanz ist. Außerdem tragen die Niederschläge dazu bei, einen Teil der durch das Gießen eingebrachten Salze auszuwaschen.
Lesen Sie auch
10 Fehler für einen schönen GemüsegartenWas tun bei sehr kalkhaltigem Leitungswasser?
Regenwasser bevorzugen
Wenn Sie Regenwasser sammeln können, nutzen Sie es zum Gießen Ihres Gemüsegartens. Es ist weich und mineralarm und eignet sich besonders gut für Gemüse in Töpfen und Kübeln, wo sich Mineralien durch das Gießen leichter ansammeln.
Wenn die Vorräte im Sommer zurückgehen, reservieren Sie das Regenwasser möglichst für Kübelpflanzen und verwenden Sie im Freiland Leitungswasser.
Wenn der Tank schließlich leer ist, gießen Sie einfach mit Leitungswasser weiter: Selbst sehr kalkhaltiges Wasser ist besser als Wassermangel.

Einen humusreichen Boden pflegen
Bringen Sie ein- bis zweimal pro Jahr reifen Kompost aus, meist im zeitigen Frühjahr (vor dem Anbau) oder im Herbst, je nach Bedarf des Bodens. Organische Substanz verbessert seine Struktur und fördert das Bodenleben. Außerdem speichert ein gut gepflegter Boden Wasser besser, sodass Sie die Gießabstände verlängern können.
Mulchen für weniger Gießen
Denken Sie auch daran, den Gießbedarf durch Mulchen zu verringern. Eine Schicht aus Stroh, Laub, Holzschnitzeln oder gut getrocknetem Rasenschnitt reduziert die Verdunstung und hält den Boden länger kühl. So verlängern Sie die Gießabstände und verringern zugleich wiederholte Kalkgaben, wenn das Leitungswasser sehr hart ist.
Effizient gießen
Im Gemüsegarten gießen Sie besser reichlich und in größeren Abständen statt täglich kleine Mengen zu geben. Gießen Sie langsam direkt am Fuß der Gemüsepflanzen, damit die Erde tief durchfeuchtet wird, und passen Sie die Häufigkeit an Wetter und Bodenart an. Im Sommer gießen Sie früh morgens oder abends, um Verdunstungsverluste zu begrenzen.
Chlor im Leitungswasser: Gefahr für den Gemüsegarten?
Chlor im Gießwasser ist meist harmlos: Es verflüchtigt sich rasch. Lassen Sie Wasser für Aussaat, Stecklinge und Topfpflanzen einige Stunden stehen.
Lesen Sie auch
Ernte im Gemüsegarten natürlich steigern?Temperaturschock: Vorsicht mit kaltem Wasser!
Man denkt nicht immer daran, aber das eigentliche Problem beim Gießen mit dem Gartenschlauch im Sommer ist der Temperaturschock. An einem sehr heißen Tag kann der Boden bis zu 30 °C warm werden (bei einer Hitzewelle auf unbedecktem Boden sogar noch mehr), während Leitungswasser meist nur 12 bis 14 °C hat. Im Freiland mildert das Bodenvolumen den Temperaturunterschied etwas ab, doch die oberflächennahen Wurzeln werden dadurch trotzdem stark geschockt.
Im Topf ist es noch schlimmer: Die geringe Menge Blumenerde ist der Kälte voll ausgesetzt.
Die Folge: Die Feinwurzeln stellen die Nährstoffaufnahme ein, die Pflanze gerät unter Stress, das Wachstum verlangsamt sich oder stoppt, und die Blüten können abfallen.
Damit Tomate, Paprika und Zucchini gut durch den Sommer kommen, helfen einige einfache Maßnahmen:
- Füllen Sie Ihre Gießkannen frühzeitig: Wenn das Wasser einige Stunden im Garten steht, nimmt es ganz natürlich die Umgebungstemperatur an.
- Wählen Sie die richtigen Zeiten: Gießen Sie früh am Morgen oder am Abend, wenn der Boden weniger heiß ist.
- Mulchen Sie den Pflanzenfuß: Eine dicke Schicht Stroh, getrocknetem Rasenschnitt oder Holzhäckseln schützt den Boden vor Hitzespitzen, hält ihn kühl und verhindert, dass sich die Wurzeln erwärmen.
- Installieren Sie eine Tröpfchenbewässerung: Beim langsamen Austritt erwärmt sich das Wasser am Schlauch und am Boden, bevor es die Wurzeln erreicht.
- Setzen Sie auf Regenwasser: In einer Regentonne gespeichert, hat es meist eine für unsere Pflanzen deutlich besser geeignete Temperatur (und Sie vermeiden Kalk und Chlor!). Vorsicht jedoch bei Regentonnen in voller Sonne: Bei großer Hitze erwärmt sich das Wasser darin schnell! Stellen Sie sie besser in den Schatten oder unter eine Pergola.
Wussten Sie schon? Ein gemulchter Boden bleibt bei etwa 20 bis 25 °C.

Gelbes Laub? Wasser ist nicht immer schuld
Wenn das Blattwerk Ihres Gemüses gelb wird, sind Leitungswasser und Temperaturschock mögliche Ursachen – aber nicht die einzigen! Auch andere Faktoren können die Gelbfärbung erklären:
- Hitze und pralle Sonne: Starke Hitze zerstört Chlorophyll und bleicht exponierte Blätter aus. Zudem wird das Blattwerk oft weich.
- Trockenheit: Um Wasser zu sparen, opfert die Pflanze freiwillig ihre ältesten oder äußersten Blätter. Sie werden gelb und welken anschließend.
- Schlechte Drainage: Durchnässte Erde oder stehendes Wasser im Untersetzer ersticken die Wurzeln schnell.
- Nährstoffmangel: Ein nährstoffarmer oder ausgelaugter Boden, besonders mit zu wenig Stickstoff oder Eisen, bleicht das Blattwerk aus.
- Ungeeigneter Topf: Ein zu enger Topf quetscht das Wurzelsystem und hemmt das Wachstum.
- Parasiten oder Krankheiten: Blattlausbefall, Rote Spinnmilben oder Pilze schwächen die Pflanze vorzeitig. Die Blätter können sich wölben, einrollen oder Flecken bekommen.

Kalkhaltiges Wasser: falsche gute Ideen
Weiches Wasser, nicht ideal fürs Gemüsebeet
Vorsicht vor einer vermeintlich guten Idee: dem klassischen Wasserenthärter. Er senkt die Wasserhärte, indem er einen Teil von Kalzium und Magnesium durch Natrium ersetzt. Natriumhaltiges Weichwasser eignet sich nicht zum regelmäßigen Gießen des Gemüsebeets. Nutzen Sie möglichst einen Außenwasserhahn vor dem Wasserenthärter.
Essig im Gießwasser? Vorsicht!
Geben Sie auch nicht regelmäßig Essig oder ein anderes Mittel in die Gießkanne, um den Kalk zu „neutralisieren“. Ohne genaue Kenntnis von Wasser und Boden könnten Sie ein Ungleichgewicht schaffen, statt das Problem zu lösen.
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