Syntropie: Was ist das?
Diese Methode: Vor- und Nachteile
Inhaltsverzeichnis
Syntropie, auch syntropische Landwirtschaft genannt, ist eine umweltfreundliche Anbaumethode. Mehr über natürliche Prinzipien und Chancen erfahren.
Ursprünge der syntropischen Landwirtschaft
Ernst Götsch und die Entstehung der Syntropie
Die Geschichte der syntropischen Landwirtschaft ist eng mit Ernst Götsch verbunden, einem Schweizer Forscher, der sich in den 1980er-Jahren in Brasilien niederließ. Angesichts arider, degradierter Böden entwickelte Götsch eine Anbaumethode nach dem Vorbild natürlicher Ökosysteme und inspiriert vom Wald. Sein Ansatz sollte die Bodenfruchtbarkeit wiederherstellen und zugleich hohe Erträge ermöglichen. Die Ergebnisse waren so beeindruckend, dass sich seine Methode rasch verbreitete – zunächst in Brasilien, später auch in anderen Ländern.
Der Aufschwung in Frankreich
Auch in Frankreich gewinnt die syntropische Landwirtschaft allmählich an Bedeutung. Initiativen wie der Ferme des Mawagits im Gers zeigen das wachsende Interesse an diesem Ansatz. Diese Orte sind oft Pioniere und dienen als Bildungsplattformen zur Vermittlung agroökologischer Praktiken. Joala Syntropie, gegründet von Anaëlle Théry, spielt in Frankreich ebenfalls eine wichtige Rolle. Seit 2018 bietet die Organisation Schulungen und Ressourcen für das gemäßigte Klima an. Der Verzicht auf chemische Dünger und die Verwendung verschiedener Pflanzenarten zeigen, wie sich die Syntropie an die französischen Boden- und Klimabedingungen anpassen lässt.

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Die syntropische Landwirtschaft beruht auf der Schaffung eines dichten und komplexen Anbausystems. Konkret werden verschiedene Pflanzen miteinander kombiniert und sehr dicht gepflanzt, wobei ihre Lichtbedürfnisse berücksichtigt werden (Baum-, obere, mittlere und untere Schicht). Diese Anordnung basiert also nicht wie bei Waldgärten auf der Höhe der Pflanzen, sondern auf ihrer Lichtverträglichkeit. Das System ahmt natürliche Ökosysteme, insbesondere Wälder, nach, um ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Pflanzen zu schaffen.
Die Kulturen werden in verschiedene Schichten gegliedert, um den Platz optimal zu nutzen und eine große biologische Vielfalt zu fördern. Diese Anordnung ermöglicht eine bessere Nutzung des Lichts und der Ressourcen im Boden und schafft zugleich einen günstigen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten.
Anschließend folgt der Rückschnitt der Pflanzen. Er wird strategisch geplant, um ihr Wachstum anzuregen und die ökologischen Sukzessionen zu beschleunigen. Dabei werden natürliche Störungen nachgeahmt (etwa der Fall eines Baumes im Wald), wodurch eine kontinuierliche Regeneration ermöglicht wird.
Die so geschnittenen und zerkleinerten Pflanzen werden direkt als Mulch auf dem Boden verteilt, um den Boden mit organischer Substanz anzureichern und zugleich seine Struktur und Fruchtbarkeit zu verbessern. Der Mulch hilft außerdem, die Bodenfeuchtigkeit zu halten, verringert den Bewässerungsbedarf und fördert ein für das Pflanzenwachstum günstiges Mikroklima.
Zusammenfassung
Kurz gesagt beruht die syntropische Landwirtschaft auf einem dichten und komplexen Anbausystem, in dem verschiedene Pflanzen entsprechend ihren Lichtbedürfnissen miteinander kombiniert werden. Der Gärtner spielt dabei eine zentrale Rolle: Durch Rückschnitt und Mulchen des Bodens beschleunigt er die Sukzession der Pflanzen. Ziel ist eine reiche Ernte bei gleichzeitig gesunder und fruchtbarer Erde.

Syntropische Landwirtschaft: Vor- und Nachteile
Ökologische und wirtschaftliche Vorteile
Die syntropische Landwirtschaft bietet zahlreiche Vorteile, darunter:
- Eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit: Durch den Abbau des Mulchs und die aufeinanderfolgenden Vegetationszyklen gewinnen die Böden organische Substanz und mikrobielle Biodiversität, wodurch ihre Fruchtbarkeit langfristig steigt.
- Eine geringere Abhängigkeit von chemischen Betriebsmitteln: Chemische Dünger oder Pestizide sind nicht erforderlich, da das System eigene Regenerationszyklen entwickelt.
- Eine optimierte Wassernutzung: Mulch und die hohe Pflanzendichte verringern die Verdunstung und verbessern die Wasserspeicherung im Boden. Dies eignet sich besonders für Regionen, in denen Wasser knapp ist.
- Mehr Biodiversität: Durch die Kombination von Pflanzen verschiedener Schichten und das Zusammenleben unterschiedlicher Arten schafft die Syntropie einen günstigen Lebensraum für Fauna und Flora und erhöht so die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems.
- Eine kontinuierliche und vielfältige Ernte: Dank der Anordnung in Schichten und der Zyklen von
Zu bewältigende Herausforderungen
Trotz ihrer zahlreichen Vorteile bringt die syntropische Landwirtschaft auch Herausforderungen mit sich:
- Hohe fachliche Anforderungen: Die Planung eines syntropischen Systems erfordert gute Kenntnisse der ökologischen Zyklen, der Pflanzensukzessionen und der besonderen Bedürfnisse jeder Pflanze.
- Hoher anfänglicher Zeit- und Arbeitsaufwand: Die Anlage eines syntropischen Gartens erfordert viel Einsatz für die Planung, Pflanzung und den Rückschnitt der Kulturen.
- Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten: Obwohl diese Methode grundsätzlich universell ist, muss sie an Klima, Boden und lokale Arten angepasst werden.
- Wenig Lehrmaterial auf Französisch: Die von Ernst Götsch in Brasilien erzielten Ergebnisse sind vielversprechend, doch diese Anbaumethode befindet sich in Frankreich noch in der Erprobung, da sich Klima und Pflanzen deutlich unterscheiden. Einige Landwirte sammeln seit einigen Jahren Erfahrungen und tragen dazu bei, diese Lücke zu schließen, etwa la ferme des Mawagits (Gers), JOALA Syntropie (Périgord Noir), la Baie Champêtre (Auvergne-Rhône-Alpes), Ecotones (Belgien) usw.

Syntropie und Permakultur: Ergänzung & Unterschiede
Gemeinsamkeiten mit der Permakultur
Die syntropische Landwirtschaft teilt mehrere Grundsätze mit der Permakultur, insbesondere den Fokus auf Biodiversität, Nachhaltigkeit, einen stets bedeckten Boden und den Respekt vor natürlichen Kreisläufen. Beide Ansätze zielen auf die Schaffung selbstversorgender und umweltfreundlicher Produktionssysteme ab.
Besondere Unterschiede
Während die Permakultur verschiedene Methoden und Techniken umfassen kann, konzentriert sich die syntropische Landwirtschaft gezielt auf die Schichtung dichter Kulturen, um Ertrag und Bodengesundheit zu maximieren.
Die Permakultur ist zudem umfassender und schließt Aspekte wie die Planung ökologischer Gebäude, Wassermanagement, die Entwicklung nachhaltiger Gemeinschaften und natürliche Ökosysteme in einer ganzheitlichen Sichtweise ein. Syntropie kann jedoch innerhalb der Permakultur als Anbautechnik eingesetzt werden.

Syntropie in der Praxis
Konkrete Beispiele für den Garten
Die Anwendung der Syntropie im Garten zeigt sich auf vielfältige Weise. So könnte ein Gärtner in seinem Gemüsegarten Weinrebe und Sonnenblume (hohe Schicht) zusammen mit Reihen aus Lavendel und Rosmarin (Strauchschicht) pflanzen, dazwischen Gemüse wie Tomate oder Salat, im Wechsel mit Gründüngung (Krautschicht). Bei ausreichend Platz könnten dort auch Ölbäume und Mandelbäume (Kronendach) wachsen. Diese Kombination fördert ein ausgeglichenes Ökosystem, in dem jede Pflanze zur Gesundheit der anderen beiträgt und zugleich die Fläche optimal genutzt wird.
Erfahrungen von Gärtnern
Gärtner in ganz Frankreich berichten zunehmend von den Vorteilen des syntropischen Anbaus. Sie beobachten eine höhere Biodiversität, gesündere Pflanzen sowie einen geringeren Bedarf an Wasser und Dünger. Diese Erfahrungen zeigen, wie wirksam Syntropie beim Anlegen produktiver und ökologischer Gärten ist.

Mehr erfahren
Wenn Sie das Thema interessiert, besuchen Sie die Websites von Hub Agriculture Syntropique France und JOALA Syntropie. Beide bieten Schulungen und Lehrmaterial sowie eine interaktive Karte syntropisch bewirtschafteter Gärten in Ihrer Nähe.
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