Beschreibung und Botanik
Die Physostegia oder Gelenkblume ist eine krautige Staude aus der Familie der Lippenblütler wie die Minzen. Sie wächst spontan auf sonnigen Wiesen und in feuchten Wäldern, an Flussufern und auf sumpfigen Böden Nordamerikas, besonders im Bundesstaat Virginia, wo sie reichlich vorkommt.
Die Gattung Physostegia umfasst 12 Arten, doch nur Physostegia virginiana wird in unseren Gärten kultiviert. Sie hat zahlreiche interessante Kultivare hervorgebracht.
Aus einem rhizomatösen Wurzelstock erheben sich je nach Sorte und Kulturbedingungen 45 cm bis 1,20 m hohe, schöne, kahle, aufrechte, vierkantige Stängel. Die Pflanze bildet eine dichte, buschige Horst mit ausgebreiteter Wuchsform. Sie wächst schnell und bildet kurze Ausläufer, sodass sie sich bei passenden Bedingungen kräftig ausbreiten und mitunter sogar wuchern kann.
Die unverzweigten Stängel sind bis zur Spitze mit glänzenden, dunkelgrünen Blättern besetzt, die in Wirteln angeordnet sind, also paarweise einander gegenüber rund um den Stängel stehen. Sie sind sommergrün, kahl, lanzettlich und am Rand fein gezähnt; ihre Länge beträgt etwa 5 bis 15 cm. Beim Physostegia virginiana ‘Variegata’ ist das Blatt weiß berandet.

Der Blütenstand mit Ähre aus Röhrenblüten und eine botanische Tafel von 1899 (F. A. Stokes)
Im Hochsommer, manchmal bis zum Herbstbeginn, ragt die pastellfarbene Blüte über das Laub hinaus und sitzt an den Stängelspitzen. Von Juli bis Oktober bildet die Gelenkblume je nach Sorte 10 bis 12 cm lange, verzweigte Blütenstängel mit zahlreichen kleinen Röhrenblüten. Diese sind dicht und regelmäßig in vier senkrechten Reihen am Stängel angeordnet. Sie öffnen sich von unten nach oben. Die 1 bis 3 cm langen, aufgeweiteten Röhren bestehen aus fünf Lappen, die in einen kurzen Kelch eingebettet sind. Die Oberlippe ist zweilappig, die Unterlippe dreilappig. Im Inneren der Blütenkrone sitzen vier Staubblätter und ein Stempel. Die Blüten der Physostegia ähneln etwas denen des Fingerhuts.
Während die Wildform violettrosa blüht, können die Blüten auch andere Farben tragen. Es gibt schöne Variationen in Rosatönen: Helllavendelrosa, zartes Rosa, Bonbonrosa, magentapurpurrosa oder manchmal Reinweiß wie bei Physostegia virginiana ‘Summer Snow’. Das macht die Pflanze besonders elegant.
Diese schmalen Blütenkerzen verbergen eine botanische Besonderheit: Da die Blüten durch ein kleines, als Scharnier wirkendes Organ gelenkig verbunden sind, ändern sie bei Berührung vorübergehend ihre Ausrichtung. Daher trägt die Pflanze den Beinamen „Gelenkblume“. Sie wirken dann wie in Katalepsie erstarrt.
Die Blüten der Physostegia halten sich gut in der Vase und eignen sich als Schnittblumen für Sträuße.
Die Pflanze ist bienenfreundlich: Ihre Bestäubung erfolgt durch Insekten, insbesondere Hummeln und Bienen. Nach der Blüte entwickeln sich zahlreiche kleine schwarze Samen.
Die Gelenkblume wird wegen ihrer bei Berührung nicht in die ursprüngliche Position zurückkehrenden Blüten manchmal auch „gehorsame Pflanze“ genannt.
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