Bonsai ist die Kunst, Miniaturbäume in Schalen zu kultivieren und dabei die Schönheit und Form ausgewachsener Bäume nachzubilden. Diese alte japanische Tradition verbindet Ästhetik und Geduld. Sie erfordert umsichtige Techniken des Rückschnitts, Drahtens und der Pflege, um einen Bonsai zu formen. Entgegen einer weitverbreiteten Annahme sind Bonsai keine Bäume, die von Natur aus klein bleiben. Es handelt sich um gewöhnliche Bäume, deren Wachstum mit speziellen Techniken begrenzt wird. Bei „Mame-Bonsai“ oder Miniatur-Bonsai beträgt die Höhe manchmal sogar weniger als 15 Zentimeter! Hier finden Sie die wichtigsten Tipps für den Rückschnitt Ihres Bonsais, damit ein harmonisch proportionierter und gut strukturierter Baum entsteht.

Lässt sich aus jedem Baum ein Bonsai formen?

Nicht jede Baum- oder Strauchart eignet sich für die Miniaturisierung. Die Schönheit eines Bonsais beruht auf der Fähigkeit, die Proportionen und Silhouette eines ausgewachsenen Baumes in der Natur im kleinen Maßstab nachzubilden. Manche Arten wachsen zu schnell oder stellen besondere Ansprüche an ihre Umgebung. Dadurch lassen sie sich nur schwer als Bonsai kultivieren. Bäume mit einem stark ausgeprägten Wurzelsystem oder einer geringen Schnittverträglichkeit eignen sich ebenfalls nicht für die Miniaturisierung. Arten mit kleinen Blättern oder Nadeln eignen sich besser für harmonische Miniaturformen als Arten mit sehr großen Blättern oder steifen Ästen. Viele Nadelgehölze eignen sich zur Bonsai-Gestaltung. Auch Arten mit guter Verzweigungsfähigkeit, die also zahlreiche Seitentriebe bilden, sind geeignete Kandidaten. Diese Eigenschaft ist entscheidend, um die für Bonsai typische Dichte und Komplexität der Verzweigung zu schaffen. Glücklicherweise eignen sich viele Laubgehölze, Nadelgehölze sowie blühende Bäume und Sträucher besonders gut für die Bonsai-Gestaltung. Sie werden wegen ihres Laubs ausgewählt, das sich im Jahresverlauf verfärbt, oder wegen ihrer attraktiven Blüten. Außerdem besitzen sie Eigenschaften, die das Formen erleichtern, etwa eine gute Schnittverträglichkeit und eine ausgeprägte Fähigkeit zur Wundheilung.

Sammlung von Bonsai verschiedener Baumarten

Welchen Bonsai sollten Sie wählen?

Unter den Arten, die sich besonders leicht miniaturisieren lassen, finden Sie:

Nadelgehölze:

Immergrüne Laubgehölze:

  • Buchsbaum: sehr widerstandsfähig und leicht zu formen.
  • Wacholder : Er eignet sich besonders gut für die Gestaltung von Totholzpartien (Jin und Shari). Damit lassen sich dramatische und natürliche Effekte schaffen, die alte, den Witterungseinflüssen ausgesetzte Bäume nachahmen.
  • Stechpalme: Mit ihren zahlreichen Arten bietet sie eine große Vielfalt an Wuchsformen und Blättern.
  • Zwergmispel, Feuerdorn: beliebt wegen ihrer kleinen Früchte und ihres dichten Laubs.
  • Der Carmona retusa oder Fukientee: Dieser aus Südchina stammende Strauch wird wegen seines dichten, immergrünen Laubs und seiner kleinen weißen Blüten geschätzt. Er gehört zu den am häufigsten verwendeten Arten für Zimmerbonsai. Zudem ist er pflegeleicht.

Sommergrüne Laubgehölze:

Als Bonsai geformte Lärche und Ahorn
Lärche und Fächer-Ahorn

Für einen Zimmerbonsai: 

  • Ficus : Er gehört aufgrund seiner Robustheit und seiner Toleranz gegenüber schlechten Lichtverhältnissen zu den am häufigsten verwendeten Arten für Zimmerbonsai.
  • Crassula (Geldbaum) : eine Sukkulente, die trockene Innenräume gut verträgt und nur wenig Wasser benötigt. Sie bevorzugt einen hellen bis direkt sonnigen Standort.
  • Serissa (Junischnee) : Diese auch als „Snow Rose“ bekannte Art bildet das ganze Jahr über kleine weiße Blüten. Sie benötigt einen hellen Standort und gleichmäßige Luftfeuchtigkeit.
  • Sageretia (Chinesische Süßpflaume) : Sie wird wegen ihres glänzenden Laubs und ihrer kleinen farbigen Beeren geschätzt. Für eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit benötigt sie viel Licht und regelmäßiges Gießen.
  • Gardenie und Kamelie: Sie bieten eine besonders dekorative Blüte.

Beginnen Sie mit einer Jungpflanze, um Ihren Bonsai zu gestalten

Mit einer sehr kleinen Jungpflanze eines Baumes oder Strauchs oder mit einem Präbonsai zu beginnen, ist oft die beste Möglichkeit, einen Bonsai zu formen. Jungpflanzen lassen sich leichter gestalten, da ihre Äste und ihr Stamm noch biegsam sind. Sie können die Pflanze leichter modellieren und während der einzelnen Wachstumsphasen strukturieren. So formen Sie Ihr kleines Gehölz schrittweise, ohne einen ausgewachsenen Baum zu beschädigen. Gleichzeitig können Sie Ihre Fähigkeiten und Ihr Vertrauen in die eigene Arbeit entwickeln. Wählen Sie eine für Bonsai geeignete Art wie Wacholder, Ficus oder Japanischen Ahorn. Wenn Sie einen Freilandbonsai wünschen, muss die Art außerdem zu Ihrem Klima passen. Dafür stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten offen:

  • Entnehmen Sie eine Jungpflanze in der Natur oder wählen Sie eine in Ihrer bevorzugten Baumschule aus. Achten Sie auf eine gesunde Jungpflanze mit gut ausgebildetem Stamm und ohne Anzeichen von Krankheiten oder Parasiten.
  • Ziehen Sie einen Bonsai aus Samen, eine langwierige, aber sehr lohnende Methode. So können Sie die Entwicklung des Baumes von den ersten Jahren an beeinflussen. Bis der Baum geformt werden kann, vergehen mindestens 3 bis 5 Jahre.
  • Vermehren Sie Bonsai über Stecklinge oder durch Absenken. Diese kostengünstige Methode ist schneller als die Aussaat und ermöglicht Bäume mit den Eigenschaften der Mutterpflanze. Sie können Ihren Baum nach der gewünschten Form gestalten.
  • Bei Jungpflanzen aus Aussaat, Stecklingsvermehrung oder Absenken müssen Sie ein bis zwei Jahre warten, bevor Sie den ersten Rückschnitt vornehmen können.
  • Wenn Sie lieber einen bereits teilweise gestalteten Baum wählen, sind vorgeformte Bonsai eine weitere Möglichkeit. Diese Bäume besitzen bereits eine Grundstruktur und benötigen vor allem Pflege sowie kleinere Korrekturen.
  • In jedem Fall benötigen Sie eine passende Schale, die gerade genug Platz für die Wurzeln Ihres Baumes bietet. Pflanzen Sie Ihre Jungpflanze zunächst in diese Schale, bevor Sie mit dem Rückschnitt beginnen.

Wann sollten Sie einen Bonsai gestalten?

Den Pflegeschnitt können Sie während der gesamten Wachstumszeit vornehmen, in der Regel vom Frühjahr bis zum Herbst. Bei blühenden Bäumen schneiden Sie nach der Blüte. Während dieser Zeit sollten Sie das Laub regelmäßig zurückschneiden. Den Formschnitt führen Sie im zeitigen Frühjahr oder im Spätherbst durch, außerhalb der Phasen mit aktivem Wachstum und der winterlichen Ruhezeit. Bearbeiten Sie Ihren Bonsai nicht während der Winterruhe. Der Baum ist dann empfindlicher und heilt Schnittwunden schlechter.

Wie geben Sie einem Bonsai seine Form?

Benötigtes Material: 

  • Eine Konkavzange 
  • Eine normale Schere
  • Eine lange, schmale Schere
  • Eine Gartenschere
  • Eine kleine Säge
  • Jinzangen, falls erforderlich
  • Calciumsulfid, falls Sie Totholz gestalten möchten
  • Eine Drahtzange
  • Draht zum Bonsaigestalten aus Aluminium oder eloxiertem Kupfer
Material zum Schneiden und Gestalten von Bonsai

Damit ein Bonsai seine ursprüngliche Form behält, ist der Rückschnitt unverzichtbar. Der Pflegeschnitt hält die Form des Baumes, während der Strukturschnitt die grundlegende Form festlegt. Dabei geht es nicht darum, eine Formschnittpflanze zu gestalten. Auch ein Miniaturbaum sollte natürlich wirken. Um einen Bonsai zu pflegen und ästhetisch zu formen, müssen Sie diese beiden Schnittarten beherrschen. So gestalten Sie einen Bonsai Schritt für Schritt:

Der Formschnitt des Bonsais:

Der Formschnitt oder Strukturschnitt ist unverzichtbar, um die Grundstruktur und die Form des Bonsais festzulegen. Er beeinflusst das Erscheinungsbild des Baumes unmittelbar. Meist führen Sie ihn im Frühjahr an Jungpflanzen durch. Dabei setzen Sie größere Schnitte, um die Wuchsrichtung des Baumes zu lenken. Die Ziele: die Hauptstruktur des Baumes schaffen, die Silhouette (in Wolkenform, kegelförmig …) und die Leitlinien festlegen und die Verzweigung fördern sowie Seitentriebe entwickeln.

  • Verwenden Sie scharfe und desinfizierte Schnittwerkzeuge, damit der Baum nicht beschädigt wird.
  • Stellen Sie den Baum auf einen Tisch auf Augenhöhe, damit Sie ihn besser betrachten können. Legen Sie anschließend seine künftige Form und die zu entfernenden Äste fest. 
  • Wählen Sie die Hauptäste aus: Bestimmen Sie die Hauptäste, die die Grundstruktur bilden. Entfernen Sie mit einer speziellen Bonsaischere schlecht platzierte oder verdrehte Äste, die die Form des Baumes aus dem Gleichgewicht bringen, sowie abgestorbene oder beschädigte Äste. Wenn zwei Äste auf gleicher Höhe wachsen, behalten Sie nur einen davon. Entfernen Sie senkrecht wachsende Äste sowie zu dicke Äste im oberen Bereich des Baumes. Die unteren Äste sollten dicker sein als die Äste im oberen Bereich.
  • Schaffen Sie Etagen: Schneiden Sie den Baum so, dass mehrere Ebenen oder „Etagen“ aus Ästen entstehen. Jede Etage sollte regelmäßig um den Stamm angeordnet sein.
  • Setzen Sie saubere, schräge Schnitte, damit die Wunden schnell heilen. Schneiden Sie Äste schräg direkt über einer Knospe oder einem Blatt ab, um den Neuaustrieb anzuregen.
  • Tragen Sie auf große Schnittwunden eine Wundverschlussmasse auf.
  • Verwenden Sie Draht: Ergänzen Sie den Rückschnitt durch Drahten. Wickeln Sie Aluminium- oder Kupferdraht in einem Winkel von 45 Grad um einen Ast. Ziehen Sie den Draht nicht zu fest an, damit Sie den Ast positionieren und ausrichten können. Biegen Sie die Äste vorsichtig in die gewünschte Form. Lassen Sie den Draht einige Monate am Baum und entfernen Sie ihn, bevor er dauerhafte Spuren hinterlässt.
Das Drahten eines Bonsais
Durch das Drahten eines Bonsais lassen sich seine Äste biegen und positionieren, damit sie die gewünschte Form annehmen

Der Pflegeschnitt des Bonsais:

Der Pflegeschnitt erfolgt regelmäßig, damit der Bonsai seine Form und Größe behält. Dabei schneiden Sie weniger stark, dafür aber häufiger, um das Wachstum zu kontrollieren. Ziel ist es, die ästhetische und kompakte Form des Baumes zu erhalten, eine dichte und ausgewogene Verzweigung zu fördern und unerwünschte Triebe zu entfernen.

  • Entfernen Sie die Spitzen der Neutriebe: Beim Pinzieren schneiden Sie die Knospen des Bonsais zurück. Entfernen Sie dazu die Spitzen der neuen Triebe mit den Fingern (bei Nadelgehölzen, um braune Spitzen und Schäden an den Nadeln zu vermeiden), indem Sie sie vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger abziehen, oder verwenden Sie eine schmale Schere (bei sommergrünen oder immergrünen Gehölzen). So bleibt die Silhouette des Bonsais kompakt. Schneiden Sie direkt über einer Knospe. Dadurch fördern Sie den Austrieb mehrerer neuer Zweige an der Schnittstelle.
  • Kürzen Sie lignifizierte Zweige und lassen Sie zwei oder drei Blätter stehen.
  • Entfernen Sie unerwünschte Zweige: Schneiden Sie abgestorbene Zweige sowie Zweige ab, die aus dem Kranz herausragen oder in eine unerwünschte Richtung wachsen, insbesondere nach innen.
  • Entfernen Sie bei sommergrünen Bäumen das Laub: Schneiden Sie im Juni, zu Beginn des Sommers, wenn der Baum kräftig wächst, die Blätter mit einer schmalen Schere ab. Lassen Sie die Blattstiele dabei unversehrt. Sie können nur die Baumkrone oder den gesamten Baum entlauben. Nach dem Entfernen der vorhandenen Blätter bildet der Baum kleinere neue Blätter. Das ist wünschenswert, damit die Miniaturproportionen des Bonsais erhalten bleiben. Das Entlauben regt das Wachstum neuer Triebe und Äste an. Dadurch nimmt die Verzweigungsdichte zu und eine komplexere, ausgewogenere Struktur entsteht.
Pflegeschnitt an einem Bonsai

Totholz am Bonsai gestalten

Totholz, im Japanischen „Jin“ und „Shari“ genannt, ist eine Technik der Bonsaikunst. Dabei entstehen Partien, die wie abgestorbenes Holz wirken. So entsteht der Eindruck eines alten, den Witterungseinflüssen ausgesetzten Baumes. Die Gestaltung verleiht der Komposition Charakter und eine besondere Ästhetik. Beim Jin entstehen abgestorbene Partien an den Ästen, während beim Shari Bereiche des Stammes von Rinde befreit werden. Diese Technik wenden Sie bei immergrünen Bäumen an. Jin oder Shari zu gestalten, erfordert Erfahrung! Arbeiten Sie am besten im zeitigen Frühjahr oder am Ende des Sommers. Auf der Website Bonsaï Empire finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Gestaltung von Jin und Shari.