Das Geißblatt ist wegen seiner wunderschönen Blüten in warmen Farbtönen und des angenehmen Duftes seiner Blüten sehr beliebt. Außerdem lässt sich diese sehr pflegeleichte Kletterpflanze schnell vermehren. Da es sich im großen Topf oder im Freiland kultivieren lässt, eignet sich das Geißblatt hervorragend, um ein Rankgitter, eine Pergola oder jede andere Rankhilfe zu begrünen. Das sind gute Gründe, es durch Stecklinge zu vermehren. Dafür kommen zu unterschiedlichen Jahreszeiten zwei Verfahren infrage: die Stecklingsvermehrung mit halbverholzten Stecklingen und die Stecklingsvermehrung mit verholzten Stecklingen. Folgen Sie unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung, damit Ihre Geißblatt-Stecklinge erfolgreich anwachsen.

Wann lässt sich das Geißblatt durch Stecklinge vermehren?
Die Stecklingsvermehrung ist je nach Stecklingsart zu zwei Zeitpunkten im Jahr möglich:
- Im August oder September können Sie halbverholzte Stecklinge schneiden. Dafür verwenden Sie Triebe, die im selben Jahr gewachsen sind und auch als halbreife Triebe bezeichnet werden. Sie erkennen sie an der weichen, biegsamen Spitze und dem festeren, braunen unteren Bereich. Die jungen Frühjahrstriebe verholzen im Sommer und gehen dabei von weichem zu hartem Holz über.
- Bei der zweiten Methode verwenden Sie Herbststecklinge mit oder ohne Blätter. Dafür schneiden Sie von Oktober bis November verholzte Stecklinge aus gut ausgereiftem Holz des diesjährigen Triebs.

Gesunder halbverholzter Trieb
Das benötigte Material
- eine Gartenschere
- vorzugsweise ein Topf aus Terrakotta
- eine Anzuchtglocke, eine Plastikflasche ohne Boden, ein Beutel oder ein Mini-Gewächshaus
- Aussaat- und Pikiererde
- Flusssand
- Blähton
- ein Bleistift
- ein Wurzelaktivator (optional)
- eine Sprühflasche
Wie ziehen Sie halbverholzte Geißblatt-Stecklinge?
Bereiten Sie den Topf vor
Gehen Sie von August bis September vor. Geben Sie eine Schicht Blähton auf den Topfboden und füllen Sie den Topf anschließend mit Aussaat- und Pikiererde. Auch eine Mischung aus Universalerde und Sand eignet sich. Stechen Sie mit einem Bleistift ein Loch in das Substrat und gießen Sie anschließend.
Schneiden Sie den halbverholzten Steckling
- Wählen Sie zunächst einen gesunden, diesjährigen Trieb aus, der an der Basis fest und an der Spitze biegsam ist.
- Schneiden Sie diesen Trieb als Steckling ab.
- Kürzen Sie ihn mit einer scharfen und desinfizierten Gartenschere auf etwa 10–15 cm: Schneiden Sie das untere Ende des Triebs schräg unterhalb eines Knotens (Ansatzstelle der Blätter) ab und schneiden Sie das obere Ende oberhalb eines Knotens ab. Lassen Sie dabei 1 cm Trieb stehen.
- Entfernen Sie die unteren Blätter, indem Sie sie bündig am Trieb abschneiden. Lassen Sie nur die oberen Blätter stehen und halbieren Sie sie mit der Gartenschere.

Ziehen Sie den Steckling unter gespannter Luft
Um die Wurzelbildung anzuregen, können Sie die Basis des Stecklings in Bewurzelungspulver tauchen.
- Stecken Sie den Steckling in das vorbereitete Loch im Substrat und drücken Sie ihn zu zwei Dritteln seiner Länge hinein.
- Drücken Sie das Substrat leicht an, damit der Steckling guten Kontakt zur Erde hat, und gießen Sie vorsichtig.
- Stellen Sie den Topf unter eine Abdeckung: eine Anzuchtglocke, ein Mini-Gewächshaus, eine Plastikflasche oder einen Beutel, den Sie mithilfe von Stäbchen aufrecht halten. Die Pflanze darf die Wände nicht berühren, da sie sonst faulen kann.
- Stellen Sie den Topf im Freien an einen windgeschützten Platz im Halbschatten.
- Entfernen Sie die Abdeckung nach drei Wochen.
- Halten Sie das Substrat bis zum Frühherbst gelegentlich, aber nicht übermäßig feucht.
- Lassen Sie den Topf im Winter draußen. Schützen Sie ihn weiterhin vor Wind und Frost.

Steckling eines Geißblatts unter gespannter Luft
Wie ziehen Sie Herbststecklinge vom Geißblatt?
Diese Methode wird auch Stecklingsvermehrung mit verholzten Stecklingen genannt und vom Herbst bis zum Beginn des Winters außerhalb von Frostperioden durchgeführt. Die Stecklinge werden meist direkt in den Boden gesteckt, vorzugsweise in der Nähe einer nach Norden ausgerichteten Mauer. Sie können die Stecklinge aber auch in einem großen, mit einem Frühbeetaufsatz abgedeckten Gefäß ziehen. Sommergrüne Arten tragen zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige oder gar keine Blätter.
Im Freiland:
Bereiten Sie einen Einschlag vor:
- Heben Sie einen etwa 12–15 cm tiefen Graben aus. Die Seitenwände müssen schräg verlaufen und ein V bilden.
- Verteilen Sie auf dem Boden eine Schicht Flusssand oder Aussaat- und Pikiererde.
- Mischen Sie Sand mit der ausgehobenen Erde.
Schneiden Sie den verholzten Steckling:
- Wählen Sie einen gesunden, kräftigen, etwa 30 cm langen diesjährigen Trieb in Bleistiftdicke aus.
- Kürzen Sie den Trieb auf etwa 15 cm: Schneiden Sie das untere Ende schräg unterhalb eines Knotens und das andere Ende oberhalb eines Knotens ab.
- Bei immergrünen Arten entfernen Sie die unteren Blätter auf zwei Dritteln der Trieblänge. Halbieren Sie außerdem die verbleibenden oberen Blätter.
- Feuchten Sie die Basis des Stecklings an und tauchen Sie sie in Bewurzelungshormon.
- Bereiten Sie mehrere Stecklinge vor, um Ihre Erfolgschancen zu erhöhen.
Pflanzen Sie die verholzten Stecklinge:
- Stellen Sie die Stecklinge schräg an die Grabenwände und in Richtung der Mauer. Halten Sie einen Abstand von 15 cm ein.
- Füllen Sie den Graben mit dem vorbereiteten Substrat auf, sodass die Stecklinge zu zwei Dritteln ihrer Länge bedeckt sind.
- Sie können die Stecklinge auch zu fünft bündeln, um Platz zu sparen.
- Drücken Sie das Substrat vorsichtig an, gießen Sie und beschriften Sie die Stecklinge.
- Bringen Sie eine Mulchschicht auf und lassen Sie die Stecklinge über den Winter an Ort und Stelle.
Im kalten Frühbeet:
Schneiden Sie die Stecklinge auf dieselbe Weise. Pflanzen Sie sie jedoch in einen großen Kübel oder in große, tiefe Töpfe. Stecken Sie die Stecklinge einzeln in einem Abstand von 10 cm zueinander und in der Nähe des Topf- oder Kübelrands in das Substrat. Decken Sie das Gefäß mit einem Frühbeetaufsatz ab.
Sehen Sie sich Oliviers Video an. Darin erklärt er Ihnen alles über die Stecklingsvermehrung mit verholzten Stecklingen.
Wann können Sie das Geißblatt pikieren?
Das Pikieren kann im folgenden Frühjahr, im April oder Mai, erfolgen. Knospen und kleine Blätter an den Stecklingen zeigen, dass sie gut angewachsen sind. Dann können Sie die Stecklinge, die bereits kleine Wurzeln gebildet haben, vorsichtig herausnehmen.
Pflanzen Sie die verholzten Stecklinge in Töpfe und die halbverholzten Stecklinge in größere Töpfe um. Stellen Sie die Töpfe weiterhin geschützt an einer Mauer auf und gießen Sie regelmäßig, damit das Substrat feucht bleibt.
Die Geißblatt-Stecklinge können im Herbst an ihrem endgültigen Standort ins Freiland gepflanzt werden. Gießen Sie sie beim Pflanzen und während des ersten Jahres regelmäßig.

Steckling von Lonicera sempervirens 'Cedar Lane', bereit zum Auspflanzen ins Freiland (Foto: peganum – Flickr)
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