Alpinum anlegen

Alpinum anlegen

Tipps für eine gelungene Steingartenanlage

Inhaltsverzeichnis

Das Alpinum bringt Berglandschaft in den Garten und schafft besondere Bedingungen für Pflanzen. Erfahren Sie, wie Sie es natürlich anlegen, bepflanzen und pflegen.

Schwierigkeit

Was ist ein Alpinum?

Eine alpine Steinanlage soll künstlich bestimmte Landschaften nachbilden, die man im Gebirge findet, wo verschiedene Pflanzen auf felsigen Hängen wachsen. In einer solchen Umgebung sind die Pflanzen meist der Sonne gut ausgesetzt, und das Wasser aus den Niederschlägen staut sich nicht im Bereich der Wurzeln oder des Pflanzenhalses (Übergang zwischen oberirdischen und unterirdischen Teilen). Außerdem speichern die vorhandenen Felsen die Wärme des Tages und geben sie nachts wieder ab, wodurch ein günstiges Mikroklima entsteht. Sie sorgen zudem für eine gewisse Kühle (unter den Steinen verdunstet das Wasser langsamer), von der die Pflanzen profitieren können, ohne dass eine Überversorgung droht.

Eine Steinanlage im eigenen Garten zu schaffen, ermöglicht es somit, bestimmte dieser Bedingungen nachzubilden und Pflanzen zu kultivieren, die ohne diese kleine Hilfe vielleicht nicht wachsen würden. Eine hohe Luftfeuchtigkeit oder ein schwerer Boden können die Wurzeln alpiner Pflanzen nämlich ersticken, insbesondere in Verbindung mit anhaltend niedrigen Temperaturen, und für sie tödlich sein.

Landschaft

Eine natürliche Gebirgslandschaft: ein Hang, ein steiniger Boden und typische Höhenlagenpflanzen

Lesen Sie auch

Alpenstauden

Steingarten anlegen

  • Um die Natur möglichst naturgetreu nachzuahmen, ist es unerlässlich, auf einem Gelände mit einem gewissen Höhenunterschied zu arbeiten. So fließt das Wasser den ‘Hang’ hinunter und die Pflanzen stehen nie im Wasser. Wenn Ihr Grundstück bereits abschüssig ist, nutzen Sie dies! Andernfalls legen Sie ein künstliches Gefälle durch Aufschütten eines Hügels an. Dafür kann ein Teil der beim Hausbau ausgehobenen Erde verwendet werden. Auf einem bestehenden Grundstück können Sie sich jederzeit Mutterboden liefern lassen. Keine Sorge: Sie müssen bei sich zu Hause keinen Everest errichten! Ein Gesamtgefälle von 60 cm auf 2 m reicht völlig aus. Ist der Hang steiler, stellt dies kein Problem dar, sofern Sie alles mit den Steinen gut stabilisieren. Statt einen gleichmäßigen Hang zu formen, legen Sie besser Stufen und Absätze an, wobei manche Bereiche wie in der Natur zwischendurch etwas ansteigen.

    Skizze eines Hangs © Jean-Christophe Aumont

 

  • Nachdem der Hang angelegt ist, bringen Sie nun die Gesteine für Ihren Steingarten ein. Wählen Sie Steine in unterschiedlichen Größen, von denen einige groß genug sind, um zugleich die Gestaltung zu prägen und die Erde zurückzuhalten. Heimische Gesteine sind vorzuziehen, da sie sich besser in die Landschaft und die umgebenden Gebäude einfügen und zudem ihre Umweltbelastung begrenzen. Ordnen Sie die Steine scheinbar zufällig und möglichst natürlich an. Für die größten Steine heben Sie Gräben aus und versenken ihre Basis mindestens zu einem Drittel, bei besonders großen Steinen sogar zu zwei Dritteln, um ihre Standfestigkeit zu gewährleisten. Diese Steine haben außerdem die Aufgabe, die Erde Ihres Beets zurückzuhalten und zu verhindern, dass das Substrat durch Niederschläge den Hang hinuntergespült wird. Wechseln Sie aus ästhetischen Gründen größere und kleinere Steine ab. Kleinere Steine und Geröll ahmen zudem die Steinschüttungen nach, die an Berghängen entstehen.
  • Berücksichtigen Sie bei der Planung den späteren Pflegeaufwand. Ihr Beet muss zugänglich sein. Je nach Größe, Neigung und Form Ihres Steingartens sollten Sie eventuell Wege, Trittsteine oder Stufen anlegen, um sich die Arbeit zu erleichtern.
  • Das Gefälle sorgt für eine natürliche Drainage. Verbessern Sie diese zusätzlich, indem Sie der Erde einen großen Anteil drainierenden Materials wie unterschiedlich groben Kies und groben Sand beimischen. Da Alpenpflanzen auf nährstoffarmem Boden wachsen, ist die Zugabe organischer Substanz meist nicht erforderlich.
creer un jardin alpin

Ziel ist es, einen deutlichen, aber unregelmäßigen Hang anzulegen und Steine unterschiedlicher Größe einzubringen

Welcher Standort?

Alpenpflanzen lieben freie, sonnige Standorte. In heißen, trockenen Regionen ist ein Weststandort oft besser, sonst auch Südwesten oder Süden.

Steingarten anlegen?

Die Bepflanzung eines Steingartens folgt im Allgemeinen denselben Grundsätzen wie die eines klassischen Beets.

1. Vergewissern Sie sich, dass der Boden sorgfältig von Unkraut befreit wurde.

2. Für Sträucher, die größere Pflanzgruben benötigen, verwenden Sie einen Spaten und heben Sie möglichst ein Loch aus, das doppelt so groß wie der Topf ist. Eine kleine Pflanzkelle reicht für die Pflanzlöcher von Stauden und Zwiebeln aus (Anm. d. Red.: Für Steingärten gibt es spezielle schmale Pflanzkellen). Gehen Sie dabei wie bei Sträuchern vor, jedoch in entsprechend kleinerem Maßstab.

3. Geben Sie bei Bedarf etwas drainierendes Material zum Boden.

4. Nachdem Sie den Strauch in einem Eimer Wasser eingeweicht haben, damit sich das Substrat vollsaugt, nehmen Sie ihn aus dem Topf und setzen ihn in die Mitte der Pflanzgrube.

5. Füllen Sie die Grube mit dem restlichen Substrat auf und drücken Sie es leicht mit der Faust an. 

6. Gießen Sie die Pflanzungen reichlich mit einem sanften Wasserstrahl, aber in mehreren kleinen Wassergaben.

7. Wenn alle Pflanzen gesetzt sind, verteilen Sie eine Schicht Kies auf der Bodenoberfläche rund um die Pflanzen und Felsen. Diese Schicht schützt zum einen vor Kälte und verhindert zum anderen, dass der Hals der Pflanzen direkten Kontakt mit Feuchtigkeit hat. Außerdem sorgt sie für eine ansprechende Optik.

Steingarten bepflanzen

Die Bepflanzung eines alpinen Steingartens ähnelt nach der Anlage der eines Beets

Welche Pflanzen fürs Alpinum?

Für eine solche Bepflanzung eignen sich viele Pflanzen – von hohen, aufrecht wachsenden Arten bis zu flach wachsenden Bodendeckern. Achten Sie jedoch darauf, die Pflanzengröße an die Größe Ihrer Anlage anzupassen, damit das Gesamtbild ausgewogen bleibt. Je größer die Steingartenanlage, desto eher können Sie groß wachsende Pflanzen setzen.

  • Generell sind alpine Sträucher oft immergrün und überwiegend durch Koniferen vertreten. Dadurch kommen sie mit Witterungseinflüssen wie Kälte, Wind und Schnee besser zurecht.
  • Spielen Sie bei Stauden mit den Blütezeiten, denken Sie aber auch an das Laub, das über einen längeren Zeitraum Farbe bringt. Das gilt besonders für immergrüne Arten, die den Steingarten das ganze Jahr über beleben.
  • Vergessen Sie schließlich früh blühende Zwiebelpflanzen nicht, die bereits sehr früh im Jahr den Blütenreigen eröffnen, sowie einige Gräser für Leichtigkeit.

Immergrüne Sträucher

Unter den immergrünen Sträuchern und Untersträuchern, die Sie im alpinen Steingarten verwenden können, finden sich beispielsweise Englische Heide (Erica), Zwergmispeln und die Schwarze Krähenbeere. Ein solcher Steingarten ist kaum ohne Steingarten-Koniferen vorstellbar. Sie wachsen langsam, bleiben kompakt und überraschen teils mit wechselnden Farben im Jahresverlauf. Sicheltannen, Zypressen, Fichten, Wacholder, Kiefern und Lebensbäume sind nur einige Beispiele für aufrecht, kugelig oder kriechend wachsende Sträucher. So entstehen reizvolle Kontraste bei Formen und Silhouetten. Ihr Laub zeigt sich in verschiedenen Grüntönen, aber auch in leuchtendem Gelb, intensivem Blau und überraschenden Orangetönen.

coniferes

Zwergkoniferen sind im Steingarten unverzichtbar

Sommergrüne Sträucher

Sommergrüne Sträucher erweitern die Farbpalette und bereichern das Bild mit fröhlichen Blüten oder Früchten, betörenden Düften und attraktivem Laub. Für den Steingarten eignen sich unter anderem Berberitzen, Bartblumen, Kronwicken, Ginster und Fingerkräuter.

Hohe Stauden

Alpine Stauden, die über einen Meter hoch werden, sind selten. Einige schaffen jedoch interessante Vertikalen, etwa sommerblühende Weidenröschen, dekorative Edeldisteln oder der Gelbe Enzian, dessen leuchtende Blüte Geduld erfordert.

Niedrige, polsterbildende und teppichbildende Stauden

Viele Steingartenstauden wachsen flach, bilden dichte Polster oder breiten sich teppichartig aus und passen sich dem Gelände an. Ideal im Vordergrund, bilden sie zugleich einen Rahmen für höhere Nachbarn. Beliebte Beispiele sind Felsen-Steinkresse, Blaukissen, Schleifenblumen und einige Feinstrahlastern. Ebenfalls geeignet sind Keulen-Enzian, Pfriemenförmiger Phlox, Alpen-Aster, Pfriemen-Mastkraut und natürlich das typische Alpen-Edelweiß.

plantes vivaces basses

Pfriemenförmiger Phlox und einige Steinbreche eignen sich gut für alpine Steingärten

Mediterrane und Wüstenstauden

Es spricht nichts dagegen, die (montanen) Pfade zu verlassen und Pflanzen einzubeziehen, die zwar nicht alpin sind, aber wie diese durchlässige Böden und Sonne schätzen. Sempervivum, Kaktus, Agave, Aloe, Dickblatt, Mittagsblume, Echeverie, Mangave und verwandte Pflanzen sorgen für einen originellen, exotischen Akzent. Grenzen setzt je nach Region die Winterhärte.

Garrigue-Pflanzen

Ein Steingarten mit Wüsten- und Mittelmeerpflanzen

Zwiebelpflanzen

Hier und da lassen sich leicht Gruppen von Zwiebelpflanzen setzen, die mit leuchtenden Farben den Spätwinter und Frühling beleben. Sie sind pflegeleicht, blühen jedes Jahr zuverlässig und verwildern teils sogar. So entsteht schon früh im Jahr ein blütenreicher Steingarten. Krokus, Iris pumila und reticulata, Frühlingsstern, botanische Narzissen, Schneeglöckchen, Blaustern ‘Tubergeniana’ und botanische Tulpen lassen jedes Gärtnerherz höherschlagen!

Gräser

Gräser bringen Leichtigkeit und Bewegung in den Steingarten. Da alpine Pflanzen meist niedrig bleiben, sollten Sie diesem Stil treu bleiben und beispielsweise Wiesenhafer, Schwingel oder Federgras wählen.

Schwingel

Kleine Gräser wie polsterbildender Schwingel eignen sich hervorragend für den Steingarten

Steingartenpflege

Die Pflege eines Steingartens ist unkompliziert, zumal die Pflanzen wachsen und den Boden bedecken.

  • Vor der Pflanzung gründlich jäten ist natürlich die Basis, muss aber bei Bedarf regelmäßig wiederholt werden, damit Unkraut Ihren Pflanzen nicht Konkurrenz macht und die Anlage gepflegt bleibt.
  • Gießen Sie die Pflanzen direkt nach der Pflanzung. Achten Sie in den ersten Monaten außerdem darauf, dass der Boden nicht zu stark austrocknet, bis die Pflanzen eingewurzelt sind. Die hier vorgestellten Pflanzen vertragen trockene Bedingungen gut. Wegen der zunehmenden Wetterextreme kann bei längerer Trockenheit jedoch gelegentliches Gießen nötig sein. Gießen Sie fein dosiert, damit weder der Kies verrutscht noch die Pflanzen freigelegt werden.
  • Entfernen Sie verblühte Blumen bei Bedarf und schneiden Sie vertrocknete Pflanzenteile ab.
  • Nach einigen Jahren (durchschnittlich 3 bis 4) lassen sich manche Pflanzen ausgraben, teilen und dadurch verjüngen.
  • Empfindliche Pflanzen benötigen möglicherweise einen Winterschutz aus einer transparenten Polycarbonatplatte. Auf Stäben rund um die Pflanze befestigt, lässt sie Licht durch, hält Niederschlag jedoch vom Pflanzeninneren fern und schützt so vor Fäulnis.

Mehr erfahren...

Kommentare

Dieses Formular ist durch reCAPTCHA geschützt – es gelten die Datenschutzbestimmungen und die Nutzungsbedingungen.

Steingarten