Blattformen: die häufigsten Formen im Überblick
Pflanzen erkennen und passend integrieren
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Blattformen machen Baum, Strauch, Gras und Staude einzigartig. Oval, rund, gelappt: botanische Begriffe erklärt.
Ein Blatt erkennen
Eine Pflanzenart erkennt man oft an der Form ihres Laubs, die ins Auge fällt. Doch die Blätter sind anatomisch weitaus komplexer aufgebaut.
In diesem Artikel geht es nur um die Form der Blattspreite, also des flachen, breiten Hauptteils. Blätter besitzen jedoch weitere artspezifische Merkmale, die eine genauere Bestimmung sowie die Unterscheidung von Arten und Sorten ermöglichen:
- Ob sie einfach (mit einer einzigen Blattspreite wie beim Flieder) oder zusammengesetzt sind (aus mehreren Fiederblättchen, gefiedert oder manchmal doppelt gefiedert, wie beim Laub der Akazie): Dies ist der erste Bestimmungsschlüssel in der Botanik.
- Ihre Stellung am Stängel und zueinander: entgegengesetzt (einander gegenüber, zwei Blätter an jedem Knoten) oder alternierend (ein Blatt an jedem Knoten), um nur die beiden häufigsten Formen zu nennen. Dies bezeichnet man als Phyllotaxis – den zweiten Bestimmungsschlüssel.
- Die Art ihrer Befestigung am Stängel, die eine genauere Bestimmung ermöglicht: meist gestielt, aber auch scheidig, durchwachsen oder sitzend (ohne Blattstiel) sowie viele weitere Formen.
- Die Form ihrer Blattränder: Die Umrisse können ganzrandig, gezähnt, eingeschnitten, gewellt, gekerbt, dornig, buchtig, bewimpert und vieles mehr sein.
- Ihre Nervatur, also Form und Anordnung der Rippen (die Botanik verwendet dafür rund 15 erstaunliche Begriffe wie campylodrom oder parallelodrom für parallele Rippen, palinaktinodrom und weitere).
- Ihre Farbe: von Grün über Bronze und Blau bis hin zu Purpur, Rot oder Schwarz.
- Ausschlaggebend sind auch ihre Größe, die Länge des Blattstiels und ihre Oberfläche, die kahl oder flaumig sein kann.
Die Blattform, um die es in diesem Beitrag geht, gibt meist einen Hinweis auf die Art einer Pflanze. Sie ist ein wichtiges Merkmal der Pflanzenmorphologie und der Klassifizierung von Arten. Je nach Art oder Entwicklungsstadium des Blattes (Grund- oder obere Blätter) liegt sie häufig zwischen zwei Formen. Im Folgenden stellen wir sie vor.
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Bäume und Sträucher mit großen BlätternOvale Blätter
Blattformen: oval, elliptisch, länglich, verkehrt eiförmig, lanzettlich oder spatelförmig – mit Beispielen aus der Pflanzenwelt.
Runde Blätter
Es handelt sich um Blätter mit mehr oder weniger runder Form, die genau bezeichnet werden:
Orbikuläre Blätter
Dies ist der botanische Begriff für fast kreisrunde Blätter. Ihre orbikuläre Form leitet sich vom lateinischen „orbis“ für Kreis oder Kugel ab. Diese Blätter sind einzigartig und gelten als vollkommene Formen in der Pflanzenwelt. Oft sind sie schildförmig (peltata): Der Blattstiel setzt mittig an der Unterseite der Blattspreite an und nicht an ihrer Basis, wie bei den meisten Blättern. Manchmal ähneln sie herzförmigen Blättern.
Beispiele: Echter Venusnabel (Umbilicus rupestris), Haselwurz oder Kanonenblume.

Umbilicus rupestris, Asarum europaeum und Pilea peperomioides
Kreisrunde Blätter
Sie sind vollständig rund! Dazu gehören Seerosen, die Indische Lotosblume (Nelumbo nucifera) und die Große Kapuzinerkresse. Ihre Ränder sind manchmal gewellt, wie bei der Kapuzinerkresse, gezähnt bis gekerbt bei Darmera peltata und Saxifraga stolonifera oder wie ein Tortenheber geformt bei der Riesenseerose aus Amazonien.

Große Kapuzinerkresse, Lotosblume und Victoria amazonica
Nierenförmige Blätter
Wörtlich in Form einer Niere (vom lateinischen reniformis) verleihen diese Blätter mit ihren runden Konturen und dem charakteristischen Einschnitt jedem Beet eine besondere Note. Ihre Blattspreite erkennt man an dieser ungewöhnlichen, an einen Traktorsitz erinnernden Form.
Beispiele: Farfugium japonicum, Pestwurz und Haselwurz.

Pestwurz, Haselwurz und Farfugium
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Botanische Regeln und NomenklaturHerzförmige oder cordiforme Blätter
Herzförmige Blätter: Rund gelappte Basis und Blattspitze erinnern an ein Herz. Beispiele: Tilia cordata, Judasbaum, Houttuynie und Funkie.
Dreieckige Blätter
Diese Blätter sind, wie ihr Name sagt, dreieckig. Man findet sie vor allem bei manchen Espen und Birken sowie bei einigen Efeuarten (junge, noch ungelappte Blätter), aber auch bei der Kalanchoe von Grémont.
Hinweis: Auch keilförmige Blätter zählen zu den dreieckigen Blättern, sind allerdings deutlich seltener.

Populus nigra, Efeu und Birke
Schmale und dünne Blätter
Es handelt sich um mehr oder weniger zugespitzte Blätter, die deutlich länger als breit sind oder sogar zwei parallele Ränder haben und verschiedene Bezeichnungen tragen:
Subulate Blätter (subulata)
Diese Blätter sind sehr schmal und spitz, mehr oder weniger lang und nadelförmig. Ihre subulate Form – vom lateinischen „subula“ für Nadel – ist eines von vielen Beispielen für die Feinheit der Natur. Die Bezeichnung subulata findet sich auch bei einigen Arten der Flammenblume, des Pfriemen-Mastkrauts usw.

Sagina subulata (©Forest and Kim Starr) und Phlox subulata ‘Atropurpurea’
Lineare Blätter
Sie sind lang und schmal und haben parallele Ränder. Ihre schlichte, klare Form gehört zu den Gestaltungselementen des modernen Gartens.
Beispiele sind die Blätter von Bambusarten wie Fargesia, von Seggen (mit grasartiger Form), Prachtscharte (Ährige Prachtscharte) oder der Keulenlilie.

Fargesia nitida, Carex oshimensis und Cordyline australis
Lanzettliche Blätter
Diese Blätter sind sehr schmal, lanzenförmig und an beiden Enden zugespitzt. Man findet sie beispielsweise bei Arten mediterraner Gärten sowie bei Pflanzen, die sich an trockene Klimate angepasst haben, indem sie ihre Blattfläche verkleinerten. Viele Bäume und Sträucher besitzen Blätter zwischen lanzettlicher und länglicher Form, etwa die Stein-Eiche.
Einige Beispiele: viele Weidenarten (Hanf-Weide, Korkenzieher-Weide, Trauerweide), der Ölbaum, die Stein-Eiche, die Esskastanie sowie Knöteriche usw.

Ölbaum, Korkenzieher-Weide und Esskastanie
Bandförmige Blätter
Die Blattspreite ist hier bandförmig, lang und flach, manchmal sehr biegsam. Typisch sind diese Blätter für Clivien, Liebesblumen, manche Irisarten usw. Bei Iris und Montbretien spricht man auch von schwert- oder ensiformen Blättern, die ebenfalls als lanzettlich gelten.
Nadelförmige Blätter
Diese steifen, nadelförmigen Blätter sind typisch für Nadelgehölze. Ihr Name leitet sich vom lateinischen „acus“ für Nadel ab und beschreibt ihre schmale, in einer Spitze auslaufende Form.
Beispiele: Pinus sp., Picea sp., Wacholder, Larix usw.

Juniperus, Cedrus deodara und Pinus sylvestris
Handförmige Blätter
Handförmig gelappte und handlappige Blätter
Diese Blätter sind eine Untergruppe der gelappten Blätter, die ich hier aufgrund ihrer Komplexität nicht vollständig behandle. Ihre von einem Mittelpunkt ausstrahlenden Lappen oder Segmente und die handförmige Nervatur erinnern an eine offene Hand. Die Lappen reichen über die Blatthälfte hinaus. Sie sind zugleich gefiedert und gelappt. Es gibt 3 bis 5 Hauptlappen, manchmal bis zu zehn oder bei Palmen mit handförmigen Wedeln noch deutlich mehr. Ihr Name leitet sich vom lateinischen „palma“ für Handfläche ab. Von fingerförmigen Blättern spricht man, wenn die fünf Lappen an Finger erinnern.
Eine gewisse Abwandlung zeigen sogenannte handförmig eingeschnittene Blätter wie beim Reispapierbaum: Die Einschnitte sind weniger tief und reichen nur bis zur Blatthälfte.
Beispiele: Ahorn (Acer sp.), Amberbaum, Platane, Leberblümchen (Staude), Fatsia japonica, Schefflera taiwaniana, Purpurglöckchen sowie der Aconitum napellus mit besonders tiefen und schmalen Lappen, ähnlich denen mancher Fächer-Ahorne.

Ahorn, Fatsia japonica und Aconitum napellus
Die ursprünglichen Blätter
Seltene Blattformen: fächer-, gestutzt, rauten-, pfeil-, spießförmig oder durchbrochen – bei Ginkgo, Taro, Pfeilkraut, Salix und Monstera.
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