Einen Japanischen Garten oder Zen-Garten anlegen
Zusammensetzung, Elemente und geeignete Pflanzen
Inhaltsverzeichnis
Der japanische Garten wurde vom buddhistisch geprägten chinesischen Garten inspiriert. Er entstand im 8. Jahrhundert und bedient sich schlichter ästhetischer Formen, einer Perspektive, die eine Illusion von Weite erzeugt, sowie symbolischer Objekte (Steine, Statuen, Inseln, Brücken …). Außerdem versucht er, die umgebende Landschaft (Berge, Tempel …) zu „entlehnen“.
Die im 10. Jahrhundert entstandenen Zen-Gärten sind von einem anderen, sehr reduzierten Stil geprägt, von dem sich manche zeitgenössischen Landschaftsarchitekten bei ihren modernen Gestaltungen inspirieren lassen. Sie haben den Vorteil, wenig Platz einzunehmen und in der Anlage relativ einfach zu sein.
Was zeichnet japanische oder orientalische Gärten aus?
Der umfriedete Garten verfügt oft über eine geringe Fläche doch seine Gestaltung vermittelt den Eindruck eines großen Raumes (verdeckte Grenzen, Perspektivenspiele) und einer Nachahmung der Natur (Berge, Täler, Bäche …), die folgendermaßen unterstützt wird:
- Keine Symmetrie, sondern eine ausgewogene Asymmetrie:
– Eine präzise Anordnung der Elemente, um den Blick von einem interessanten Punkt zum nächsten zu führen: Pflanzen, Felsen, Statuen, Pavillon …
– Pflanzen mit unterschiedlichen Formen, Texturen und Größen
– Ein Kontrast zwischen rau und glatt, vertikal und horizontal, weich und hart
– Die Erfassung der Bewegung durch Wirbel im Pflaster und bepflanzte Erdhügel.
- Ein Garten, der den vergänglichen Charakter der Natur mit wechselnden Bildern betont, die durch die Abfolge der Blüten und die wechselnde Färbung des Laubs entstehen.
- Ein Raum, der eher der Betrachtung als dem Gärtnern und der Freizeitgestaltung dient, mit geschwungenen Wegen, die durch Trittsteine vorgegeben werden, wechselnden Ausblicken, die zur Konzentration und Meditation einladen, sowie Klängen (Wasser, Wind im Laub …)

Blattkombinationen
- Die Kombination dekorativer Blätter ermöglicht eine beruhigende Szenerie dank des Fehlens kräftiger Farbtöne. Die Nuancen von Grün und Grau sind unendlich vielfältig und sollten mit unterschiedlichen Texturen der Blätter kombiniert werden.
- Einige Nadelgehölze, in deren Wolkenschnitt japanische Gärtner wahre Meister sind, bereichern die Gestaltung mit ihrer ungewöhnlichen Form.
- Die Herbstfärbung der Laubgehölze (Fächer-Ahorn, Prunus…) ist ebenso wichtig, um den Verlauf der Jahreszeiten sichtbar zu machen.

Blattspiele
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Die Bambusse
Die Bambusse sind in japanischen Gärten häufig anzutreffen, denn ihre hohen, gleichmäßig wachsenden Halme lenken den Blick nach oben zum Himmel. Das immergrüne Laub belebt den Garten bei jedem leichten Windhauch und lässt dabei Lichtspiele entstehen.
Die Farbe der Bambushalme reicht von Strohgelb über Purpur und Ebenholzschwarz bis hin zu Grün. Einige weisen grüne und gelbe Streifen auf, wie Gelbgruben-Flachrohrbambus ‘Spectabilis’. Ihre Größe variiert je nach Kultivar: von weniger als 1 m beim Buschbambus bis zu mehr als 5 m beim Blattbambus.
Bambusse werden nicht nur als Pflanzen verwendet, sondern dienen auch zur Herstellung von Ausstattungselementen wie Brunnen, Mobiles und Sichtschutzwänden.

Bambusse
Die Blütezeit eines japanischen Gartens
Wenn dunkles Laub den Hintergrund bildet, sind kräftige Farben dennoch präsent, fleckenweise verteilt. Azaleen und Alpenrosen sowie Kamelien sind die repräsentativsten Pflanzen dieser Gärten.
Vergessen Sie jedoch nicht die zarten Farben der Zierkirschen, der Mandelbäumchen und der Magnolien, die in japanischen Farbholzschnitten dargestellt werden. Die unterschiedlichen Wuchsformen – hängend bei Prunus ‘Accolade’, säulenförmig bei Prunus serrulata ‘Amanogawa’ – tragen zusätzlich zum Zauber ihrer Blüte bei. Die kupferroten Rinden der Prunus weisen außerdem horizontale Streifen auf, die bei Prunus serrula. besonders dekorativ sind.

Blühende Zierkirsche, die die Japaner Sakura nennen
Unter den Stauden sorgen die Beete mit Japanischen Primeln (Primula japonica) für eine üppige Farbenpracht im feuchten Unterholz, während die einfachen Blüten der Japan-Herbst-Anemonen bis in den Herbst hinein blühen.
Strukturpflanzen
Ausladende Pflanzen
Sträucher mit horizontaler Verzweigung werden besonders geschätzt, um einen Kontrast zu den himmelwärts strebenden Formen der Bambusse zu bilden. Sie laden dazu ein, den Blick ringsum schweifen zu lassen. Diese Linien finden sich auch in den Dächern der Pagoden. Der japanische Gärtner verstärkt diesen Aspekt, indem er insbesondere Kiefern und Wacholder mit dem Wolkenschnitt gestaltet.
Diese Wuchsform wirkt beim Pagoden-Hartriegel ‘Variegata’ besonders elegant, der in alle Richtungen bis zu 15 m erreichen kann. Sein panaschiertes Laub bringt einen mit Alpenrosen und Kamelien bepflanzten Gartenbereich zum Leuchten. Cornus kousa ist noch spektakulärer, wenn er im Mai seine weiße Blüte entfaltet. Unter den Schneebällen und Hortensien sollten Sie den Nützlichen Schneeball ‘Mariesii’ und die Hortensie ‘Veitchii’ wegen ihrer flachen, spitzenartigen Blütenstände wählen.
Auch die Zaubernuss ist wegen ihrer goldgelben, stark duftenden Winterblüte interessant. Ihre schlanken, horizontalen und noch kahlen Zweige bedecken sich mit einer Vielzahl zerknittert wirkender Blüten.
Der Wolkenschnitt
Ziel dieses Rückschnitts ist es, die Architektur des Stammes und der Hauptzweige des Baumes oder Strauchs hervorzuheben und die gewählten Proportionen und die gewünschte Form zu bewahren. Dabei werden die Hauptzweige freigelegt, wobei nur an den Enden Laubbüschel stehen bleiben. Der Rückschnitt muss ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Abmessungen der Pflanze und dem Volumen ihres Laubs bewahren. Die grünen Büschel werden ihrerseits so geschnitten, dass das Ganze eine gestufte Silhouette erhält.
Führen Sie diesen Rückschnitt bei Kiefern bereits ab dem jüngsten Alter durch. Wählen Sie Exemplare aus, die durch ihren knorrigen Stamm und ihre gewundenen Zweige interessant wirken.

Niwaki oder Wolkenbäume
Das Mineral
Einige Felsen werden so in Szene gesetzt, dass sie einen zum Heiligtum führenden Berg oder aber eine Insel, ein Boot oder ein Tier symbolisieren (Schildkröte und Kranich stehen für Langlebigkeit und Glück). Ihre Anordnung muss natürlich wirken, auch wenn hinsichtlich Ausrichtung und Farbe ganz bestimmte Regeln gelten.
Eine geordnete Anordnung von Kieselsteinen findet sich häufig in Zen-Gärten. Sie können einen Fluss darstellen, der hier und da von einigen großen Felsen punktiert wird. Der Boden kann mit weißem Kies bedeckt sein, der sorgfältig geharkt wird, sodass gestreifte oder spiralige Muster entstehen. Diese schlichten Gestaltungen grenzen leere Bereiche ab, von denen eine beruhigende Atmosphäre ausgeht.
Die im 10. Jahrhundert aufgekommenen Trittsteine aus Stein oder Holz, die im Wasser, in einem Rasen oder in einer mineralischen Bedeckung (Kieselsteine, Kies …) angeordnet sind, führen den Spaziergänger zu einem bestimmten Ort, ursprünglich zum Teepavillon, damit sein Kimono nicht schmutzig wurde.
Auch die Gartenskulpturen sind von großer Bedeutung: Laternen und Buddha-Statuen weisen den Weg zum Teepavillon.

Das Wasser
Das Wasser symbolisiert den Lebensweg:
1- die Quelle steht für die Geburt,
2- der Wasserfall veranschaulicht den stürmischen und lebensfrohen Weg der Jugend,
3- die Mäander des Bachs stehen für das Erwachsenenalter mit seinen Unentschlossenheiten und verschiedenen Wegen,
4- das ruhige Wasser symbolisiert die Beruhigung am Lebensende, die Insel die Welt der Unsterblichen.
Manchmal wird es nur durch Kieselsteine oder Kies angedeutet.

Shishi-Odoshi oder japanischer Bambusbrunnen
Die Garbe
Sich vom Murmeln des Wassers in den Bann ziehen zu lassen, lädt zum Träumen ein, für manche auch zur Meditation. Ein einfacher Wasserstrahl kann schon genügen. Durch ein Pendelsystem werden japanische Brunnen oder Shishi-Odoshi in eine regelmäßige Bewegung versetzt. Sie erfüllen lauschige Orte mit dem Klang aneinanderstoßender Bambusrohre. Eine kleine Pumpe genügt, um sie in Gang zu setzen.
Der Klang entsteht auch durch das Wiegen der biegsamen Zweige von Trauerbäumen oder der Stoppeln des Bambus.
Für weitere Informationen
- Japanischer Garten: 10 typische Sträucher
- Japanischer Garten: 10 typische mehrjährige Pflanzen
- 7 Ideen für Pflanzkombinationen im japanischen Garten
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