Obstgehölze wurzelnackt: günstig, schnell ernten

Obstgehölze wurzelnackt: günstig, schnell ernten

Vorteile wurzelnackter Sträucher gegenüber Topf- und Ballenware

Inhaltsverzeichnis

Ob Naschhecke, Gemüsebeet oder Topf auf Balkon und Terrasse: Beerenobst passt überall. Wurzelware ist günstig, ertragreich und im Herbst pflanzbar: Vorteile und Pflanztipps.

Winter, Herbst Schwierigkeit

Wurzelnackte Pflanzen: Was ist das?

Diese Pflanzen können unerfahrene Gärtner zunächst überraschen: Sie haben keine oberirdischen Pflanzenteile (Blätter, Blüten, Früchte) und ihre Wurzeln liegen frei. Sie befinden sich also weder in einem Container noch in einem Schutznetz.

Pflanzen mit nackten Wurzeln werden während ihrer winterlichen Dormanz vor dem Versand oder Kauf aus der Erde genommen. Je nach Wetter sind sie von Oktober/November bis Februar/März erhältlich. Die Temperaturen müssen zunächst sinken, damit der Blattfall einsetzt und die Ruhephase beginnt.

Hinweis: Sommergrüne Bäume und Sträucher (die im Herbst ihr Laub verlieren) sind als wurzelnackte Pflanzen am häufigsten erhältlich. Inzwischen finden Sie auf unserer Website jedoch auch Stauden mit nackten Wurzeln.

Obstbäume mit nackten Wurzeln

Obstbäume mit nackten Wurzeln

Kostengünstige Lösung

Wurzelnackte Obstgehölze bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, besonders beim Kauf größerer Mengen, etwa für eine Hecke oder einen Obstgarten.

Diese Sträucher sind deutlich günstiger als Containerpflanzen, da ihre Produktion weniger kostet.

  • Sie benötigen langfristig wenig Pflege (Bewässerung, Düngung, Beheizung).
  • Sie erfordern weniger Arbeitsaufwand, während eine Topfpflanze beispielsweise fast täglich Aufmerksamkeit braucht.
  • Sie benötigen keinen zusätzlichen Behälter.
  • Sie sind leichter und weniger sperrig, wodurch sich Lager- und Transportkosten sparen lassen.

Die Ersparnis beim Kauf eines kleinen wurzelnackten Obstgehölzes statt einer Topfpflanze kann somit 10 bis fast 30 % betragen.

Eine Verpackung für gutes Anwachsen

Wie bereits erwähnt, wachsen diese Pflanzen zunächst im Freiland, bevor sie während ihrer Dormanz ausgegraben werden: Die Pflanze bildet dann weder neue Wurzeln noch oberirdische Pflanzenteile. Sie wird ohne Unterbrechung ihrer Vegetationsperiode umgepflanzt. Das verursacht weniger Stress und fördert das Anwachsen sowie das natürliche Wachstum im Frühjahr.

Außerdem sind diese Pflanzen auf natürliche Weise im Freiland gewachsen. Die Wurzeln konnten sich ungehindert entwickeln, verzweigen und ein ausgewogenes Wurzelsystem bilden, was sie widerstandsfähiger und kräftiger macht. Bei Beerenobst ermöglicht dies einen schnellen Fruchtansatz. Die Pflanzen sind zudem an die Wetterunterschiede zwischen den Jahreszeiten gewöhnt, wodurch sie winterhärter sein können.

Anders als bei Beerenobst im Topf besteht außerdem kein Risiko eines Wurzelknäuels. Dazu kommt es, wenn die Wurzeln nach zu langer Zeit in einem kleinen Topf und begrenztem Erdvolumen ineinander verschlungen sind. Ein Wurzelknäuel verringert die Anwuchschancen, schwächt eingeengte Pflanzen und macht sie insgesamt weniger widerstandsfähig.

Der Verkauf mit Wurzelballen fördert ebenfalls das Anwachsen der Pflanzen. Diese Form ist jedoch deutlich seltener als wurzelnackte Pflanzen und beim Kauf oft teurer.

Da die Wurzeln sichtbar sind, können Sie schließlich sofort ihre Gesundheit überprüfen. Das sorgt für weniger unangenehme Überraschungen.

Hören Sie auch unseren Podcast:

Kleinobst: Welche Pflanzen wählen?

Die meisten Beerenobstarten eignen sich als wurzelnackte Pflanzen – ob Sträucher, Kletterpflanzen oder krautige Pflanzen.

Wählen Sie zum Beispiel:

Probieren Sie auch ungewöhnliche Kreuzungen wie die Brombeer-Himbeer-Kreuzung ‘Boysenberry’ oder die Brombeere ‘Buckingham Tayberry’.

Weitere Informationen:

murier framboisier

Probieren Sie die Brombeer-Himbeer-Kreuzung ‘Boysenberry’

Kleinobst wurzelnackt pflanzen

Pflanzzeit

Wurzelnacktes Beerenobst wird im Herbst oder am Ende des Winters gepflanzt. Die Pflanzung darf keinesfalls bei Frost, Schnee oder besonders durchnässtem Boden erfolgen. Diese Bedingungen können das Anwachsen beeinträchtigen. Die Pflanze darf keine Blätter mehr haben, aber auch noch nicht mit der Bildung von Knospen begonnen haben.

Da das Wurzelsystem ungeschützt ist, trocknen diese Pflanzen schneller aus. Deshalb sollten sie nach dem Kauf möglichst schnell, spätestens innerhalb von 3 bis 4 Tagen, gepflanzt werden. Falls Sie sie wegen Zeitmangels oder ungünstiger Witterung zwischenlagern müssen, schlagen Sie Ihren Strauch ein. Setzen Sie ihn dazu in ein sehr leichtes Substrat, meist auf Basis von Flusssand. Stellen Sie ihn an einen schattigen, vor Wind, Frost und anderen Witterungseinflüssen geschützten Platz.

Wurzeln pralinieren

Das Pflanzen wurzelnackter Gehölze ist nicht kompliziert, erfordert aber eine kleine Vorbereitung: das Pralinieren oder Ankleiden der Wurzeln. Diese Ummantelung erhöht die Anwuchschancen, schützt die Wurzeln, beschleunigt ihre Wundheilung und verhindert die Bildung schädlicher Lufteinschlüsse.

Die Praliniermasse ist eine schlammige, klebrige Paste. Sie können Ihren eigenen Wurzelbrei aus Erde, Lehm, Regenwasser und Kuhmist oder Kompost herstellen. Es gibt jedoch auch gebrauchsfertige Lösungen, die im Internet oder im Fachhandel erhältlich sind.

Entfernen Sie zunächst mit einer zuvor desinfizierten Gartenschere zu lange, vertrocknete oder beschädigte Wurzeln. Bestreichen Sie anschließend alle Wurzeln Ihres Strauchs mit der feuchtigkeitsspendenden und schützenden Praliniermasse. Lassen Sie die Wurzeln anschließend idealerweise 24 Stunden darin einweichen.

Weitere Informationen: Wurzeln von Bäumen und Sträuchern pralinieren.

Das Pralinieren ist nicht zwingend erforderlich, wird aber dringend empfohlen.

Wurzelnackte Pflanzen

Pralinieren der Wurzeln verbessert das Anwachsen

Schritt für Schritt pflanzen

Sobald die Wurzeln Ihres Beerenobsts pralinert sind, können Sie es ins Freiland oder in einen Topf pflanzen.

Wählen Sie einen Standort, der den Ansprüchen des ausgewählten Beerenobsts entspricht: sonnig oder halbschattig, vor Wind geschützt usw.

  1. Heben Sie mit einem Spaten ein Pflanzloch aus, das etwa zwei- bis dreimal so groß ist wie das Wurzelvolumen. Lockern Sie den Boden gut auf und entfernen Sie Steine sowie vorhandene Grasflächen. Lockern Sie bei Bedarf schwere, lehmige Substrate auf, damit sie besser drainieren. Mischen Sie dazu beispielsweise Kies, Sand oder Blähton unter.
  2. Setzen Sie das Beerenobst gerade in das Pflanzloch und breiten Sie die Wurzeln vorsichtig aus.
  3. Bringen Sie bei Bedarf einen schräg eingeschlagenen Stützpfahl oder ein Spalier an (weitere Informationen finden Sie in unserer Anleitung: Wie stützt man einen Obstbaum?).
  4. Füllen Sie mit Gartenerde oder geeigneter Blumenerde auf, bis die Wurzeln vollständig bedeckt sind. Falls vorhanden, darf die Veredelungsstelle (wulstartige Verdickung) nicht mit Erde bedeckt werden.
  5. Drücken Sie die Erde mit den Händen oder Füßen an, um Lufteinschlüsse zu beseitigen und einen guten Kontakt der Erde mit den Wurzeln zu gewährleisten.
  6. Gießen Sie reichlich. Formen Sie bei trockenem Boden bei Bedarf eine Gießmulde um den Strauch, damit das Wasser künftig besser aufgenommen wird.
  7. Bringen Sie eine organische Mulchschicht um den Fuß des Beerenobsts aus. So bleibt die Feuchtigkeit besser im Boden und das Wachstum unerwünschter Wildkräuter wird begrenzt.

Wenn Sie mehrere Beerensträucher pflanzen, etwa als Hecke, halten Sie einen Mindestabstand zwischen den einzelnen Pflanzen ein. Dieser hängt von der Größe der Pflanzen im ausgewachsenen Zustand ab (im Durchschnitt 40 bis 80 cm).

Wurzelnackte Obstgehölze pflegen

Gießen Sie Ihre Beerensträucher regelmäßig, damit sie gut anwachsen: Lassen Sie die Erde nicht vollständig austrocknen. Während mindestens des ersten Kulturjahres sollte regelmäßig gegossen werden, besonders im Sommer. Vergessen Sie auch Beerensträucher mit geringem Wasserbedarf nicht, etwa Feigenbäume. Obwohl sie an mediterrane Trockenheit gewöhnt sind, müssen sie zunächst ein tiefreichendes Wurzelsystem entwickeln, bevor sie selbstständiger werden.

Führen Sie am Ende des Winters einen jährlichen Rückschnitt durch. Dadurch können Sie:

  • beschädigte Zweige entfernen;
  • die Wuchsform der Pflanze ausgleichen;
  • den Lichteinfall verbessern;
  • die spätere Fruchtbildung fördern.

Erneuern Sie die Mulchschicht am Fuß der Sträucher, sobald sie zersetzt ist.

Nach ein bis zwei Jahren können Sie die bei der Pflanzung angebrachten Stützstäbe entfernen.

Rückschnitt der Himbeere

Beerensträucher schneiden, hier die Himbeere, am Ende des Winters

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Stachelbeere