Pflanzensaft von Bäumen ernten und verzehren: Tipps

Pflanzensaft von Bäumen ernten und verzehren: Tipps

Baumsaft selbst ernten?

Inhaltsverzeichnis

Baumsäfte gelten in der Pflanzenheilkunde als gesund. Birken liefern den meistgenutzten Saft, doch auch andere Bäume kommen infrage. Erfahren Sie mehr über Ernte und Wirkung.

Baumsaft selbst ernten

Ahornsaft-Ernte in Wisconsin

Winter Schwierigkeit

Pflanzensaft: Funktion und Wirkung

Pflanzensaft ist für eine Pflanze lebenswichtig. Er ähnelt ein wenig dem Blut, das durch unsere Adern fließt, und transportiert Wasser, Nährstoffe, Mineralstoffe, Proteine, Aminosäuren und Zucker, die für das Wachstum von Bäumen und Pflanzen unverzichtbar sind. Doch der Vergleich endet hier: Der Pflanzensaft zirkuliert in einem geschlossenen Kreislauf und versorgt den Baum, der unbeweglich ist und daher nicht auf Nahrungssuche gehen kann. Außerdem fließt er im Winter nicht mehr, da die Pflanzen in eine Ruhephase eintreten.

Der Saftaufstieg erfolgt im zeitigen Frühjahr, wenn sich die jungen Triebe bilden. Der Pflanzensaft zirkuliert wieder von unten nach oben und wird an den Wurzeln aufgenommen: Es handelt sich um Rohsaft, der ausschließlich Wasser und im Boden aufgenommene Mineralsalze enthält. Dank der Wurzelhaare steigt er im Splintholz des Baumes durch ein Gefäßsystem, das Xylem, bis zu den Zweigen auf. Dort versorgt er die Wachstumszonen und Knospen, aus denen sich Blätter und Blüten entwickeln. Wie kann ein solcher Vorgang ablaufen? Ganz einfach durch den sogenannten osmotischen Druck, einen komplexen Prozess, der sich als Zusammenspiel von Sog und Druck im Bereich der Wurzeln zusammenfassen lässt. Zusammen mit der Evapotranspiration nach dem Austrieb der Blätter ermöglicht er die Wasseraufnahme über die Wurzeln und den Aufwärtstransport.

Der nach unten fließende Pflanzensaft ist der verarbeitete Saft: Durch die Photosynthese der Blätter und den Gasaustausch wurde er umgewandelt und mit Zucker (Kohlenhydraten), Stärke, stickstoffhaltigen Stoffen und Nährstoffen angereichert. Dieser verarbeitete Saft nimmt über das Phloem des Baumes einen anderen Weg: Er ist ein nährender Saft und versorgt alle Pflanzenteile (Stamm, Blätter, Stängel, Zweige, Knospen, Blüten und Früchte) sowie die Speicherorgane Zwiebeln und Rhizome.

Es ist der Rohsaft, der aus Bäumen gewonnen wird.

seve recolte

Dank des wieder zirkulierenden Pflanzensafts erwachen die Bäume im Frühjahr zu neuem Leben

Welche Bäume liefern Pflanzensaft?

Obwohl aus allen Bäumen Pflanzensaft fließt, werden traditionell nur bestimmte Arten wegen ihrer regenerierenden Eigenschaften genutzt und lassen sich leicht anzapfen.
Je nach Zuckergehalt des Pflanzensafts nutzt man verschiedene Baumarten auf unterschiedliche Weise (zuckerreicher Saft wird oft zu Sirup verarbeitet). Bäume aus kalten Regionen und Ländern liefern süßeren Pflanzensaft.
Zu beachten ist, dass ausgewachsene Bäume weniger Saft liefern als junge. Zu junge Bäume sind jedoch ebenfalls ungeeignet. Welche sind also die besten Bäume zur Saftgewinnung?

  •  Die Birke: Als unangefochtene Spitzenreiterin für diesen Zweck wird aus der Birke am häufigsten Saft gewonnen. Besonders geeignet sind zwei Arten: Betula pubescens und Betula pendula (Hänge-Birke).
  • Der Berg-Ahorn: Unter den Ahornarten wird er gern zur Saftgewinnung genutzt. Beim Acer saccharum, dem Echten Zucker-Ahorn und Wahrzeichen Kanadas, wird zwar ebenfalls der Saft gewonnen, wegen seines hohen Zuckergehalts anschließend aber durch Kochen zu Ahornsirup verarbeitet. Bei diesen Bäumen sorgt Kälte für besonders süßen Saft, der sie vor Frost schützt.
  • Die Linde: Sie besitzt weniger heilende Eigenschaften als die Birke, ist aber wegen ihrer drainierenden und krampflösenden Wirkung interessant. Meist werden Tilia cordata, die Winter-Linde, und Tilia sylvestris verwendet.
  • Die Erle : Auch von diesem Baum ist der Saft essbar. Häufig werden zudem seine Knospen in der Gemmotherapie genutzt.

seve recolte et consommation

N.B.: Bei Kiefern wird Harz gewonnen, botanisch auch als Gummi bezeichnet. Dazu wird die Rinde eingeschnitten: Das berühmte Harzen ist vor allem in Heiden mit See-Kiefern verbreitet. Dort sieht man die an den Baumstämmen befestigten Sammelgefäße. Beim Mastixstrauch tritt nach dem Einschneiden ein als Mastix bezeichnetes Harz aus, das in Griechenland auf der Insel Chios häufig zur Zubereitung von Gebäck verwendet wird.

Wann und wie ernten?

Die Erntezeit

Der Pflanzensaft wird während des Saftaufstiegs gewonnen, der je nach Milde Ihres Klimas und Härte des Winters unterschiedlich ausfällt. Gegen Ende des Winters beginnt man, die Bäume anzubohren, damit das Wasser ablaufen kann.
Die Ernte dauert etwa einen Monat, von Ende Februar bis Ende März. Dann beginnen die Bäume gerade erst auszutreiben. Die Menge des von einem gesunden, ausgewachsenen Baum entnommenen Pflanzensafts bleibt im Vergleich zu der vom Baum transportierten Saftmenge stets gering. Man könnte diese Saftentnahme mit einer Blutabnahme beim Menschen vergleichen!
Auch der Unterschied zwischen den Tages- und Nachttemperaturen ist wichtig, besonders wenn Sie den Pflanzensaft zu Sirup verarbeiten möchten: Wählen Sie in diesem Fall den Tag nach einer sehr kalten Nacht (-5 °C) mit einem milderen und sehr sonnigen Tag (mindestens 5 °C).
Die optimale Zeit fällt schließlich mit einem zunehmenden Mond zusammen, in der stets stärkere Saftströme zu beobachten sind.

→ Lesen Sie auch: Phänologische Zeiger: Was ist das?

Die verschiedenen Erntemethoden

Es gibt mehrere Erntemethoden, die je nach Baumart variieren.
In allen Fällen müssen Sie sorgfältig und schonend mit dem Baum umgehen, damit Sie den Pflanzensaft entnehmen, ohne ihn zu beschädigen. Das Werkzeug muss sauber und desinfiziert sein, um eine gute Saftqualität und einen optimalen Schutz des Baumes zu gewährleisten. Der Baum, an dem Sie die Entnahme vornehmen, muss gesund sein und einen Stammumfang von mindestens 25 cm haben.

Bei Birken besteht die häufigste Methode darin, ein Loch zu bohren, um die kostbare Flüssigkeit aufzufangen: Sie benötigen eine Bohrmaschine und einen 3 bis 5 mm starken Bohrer (oder einen Handbohrer), einen Schlauch sowie eine Flasche oder ein Gefäß zum Auffangen des Pflanzensafts.

Bohren Sie zunächst 1 bis 2 cm tief, schräg und am unteren Teil des Stammes (zwischen 50 cm und 1 m über dem Boden), möglichst nahe an der Basis, die reicher an Spurenelementen ist.

Methode zur Gewinnung von Pflanzensaft aus Bäumen

Bohren Sie mit einem Handbohrer oder einer Bohrmaschine ein kleines Loch

Besorgen Sie sich einen kleinen Schlauch, den Sie zuvor selbst angefertigt haben: idealerweise aus einem ungiftigen Zweig – zum Beispiel Haselnussholz –, dessen Mitte über die gesamte Länge durchbohrt wurde (oder in den eine Rinne eingearbeitet wurde) und dessen Ende schräg zugeschnitten ist, damit es in die Rinde eingesetzt werden kann. Sie können auch einen lebensmittelechten Kunststoffschlauch verwenden, der denselben Durchmesser wie der Bohrer hat. Dieser Schlauch aus Kunststoff oder Holz ist 15 bis 20 cm lang. Stecken Sie ihn in den Stamm und sichern Sie ihn bei einem Holzschlauch mit einem Holzhammer.

Pflanzensaft aus einem Baum gewinnen

Der Pflanzensaft beginnt, tröpfchenweise herauszulaufen. Nun müssen Sie nur noch eine Flasche oder ein Glasgefäß aufhängen, das ebenfalls vollkommen sauber, möglichst lichtundurchlässig und groß genug für den Pflanzensaft (1 bis 3 l) ist: Binden Sie den Flaschenhals mit einer stabilen Schnur um den Stamm, direkt unterhalb der Austrittsöffnung. Ein kleines Filtertuch (etwa Musselin oder ein Kaffeefilter), das Sie auf die Öffnung Ihres Auffanggefäßes legen, hält Verunreinigungen zurück. Füllen Sie die Flüssigkeit zu Hause in eine saubere, sterilisierte Flasche um.

Pflanzensaft von Birke oder Ahorn gewinnen

Sobald die gewünschte Menge entnommen wurde (durchschnittlich erhält man 1 l Pflanzensaft in 3 bis 5 Stunden und bis zu 5 l pro Tag), verschließen Sie das Loch, damit der Baum bei der Wundheilung unterstützt wird: entweder mit Lehm oder mit einem weiteren Stück Haselnussholz, falls Sie dieses Holz verwendet haben, um das Loch möglichst luftdicht zu verschließen. Schneiden Sie den Zweig bündig mit der Rinde ab. Er bildet eine Art Pfropfen oder Dübel, den Sie zusätzlich mit grünem Lehm abdichten können.

Eine weitere Methode besteht darin, einen Zweig des Baumes mit einem Gewicht nach unten zu biegen und nach dem Abschneiden des Endes (bei einem etwa 3 cm starken Zweig) eine Flasche daran aufzuhängen, die als Auffanggefäß dient. Dafür wählt man einen möglichst tief sitzenden Zweig.

Die letzte Methode betrifft Nadelholz: Man schneidet den Stamm ein und ritzt ihn an, damit das Harz herausfließt.

Birkensaft gewinnen: So wird er entnommen

Gewinnung von Birkensaft: mit einer aufgehängten Flasche am Ende eines Zweigs oder mit einem auf dem Boden stehenden Kanister

Baumsaft trinken: Nutzen und Vorsicht

Baumsaft enthält Mineralstoffe und Spurenelemente, aber auch Vitamine und Antioxidantien. Meist sieht er aus wie eine farblose, klare, opaleszierende Flüssigkeit. Bei der Birke spricht man deshalb manchmal auch von Birkenwasser (nicht zu verwechseln mit Birkensaft, der durch das Abkochen ihrer Blätter gewonnen wird).

Der Pflanzensaft besteht hauptsächlich aus Wasser (zu 95 % oder mehr) und hat normalerweise keinen Geschmack. Bei der Birke schmeckt er leicht holzig und süß. Er besitzt gesundheitsfördernde, ernährungsphysiologische Eigenschaften und gilt als drainierend, reinigend und entgiftend.

Zu Hause gewonnener Baumsaft sollte frisch getrunken werden, damit er seine wertvollen Eigenschaften behält. Zapfen Sie daher nur die benötigte Menge (1 bis 2 l reichen aus), die Sie während Ihrer Kur trinken. Bewahren Sie ihn in einer luftdicht verschlossenen Glasflasche im Kühlschrank auf. Dieser Pflanzensaft wird nüchtern getrunken, pur oder mit Saft verdünnt. Am besten zapfen Sie Saft für 3–4 Tage und wiederholen den Vorgang anschließend.

Was die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Pflanzensaft betrifft, haben wir bereits über Sirup gesprochen. Dies ist die gängigste Verwendung. Dafür muss der Saft eingekocht werden, bis er eine sirupartige Konsistenz erreicht (etwa bei süßen Sorten wie Ahorn). Pflanzensäfte können auch fermentiert werden, um Met oder prickelnde Getränke herzustellen.

Oft wird eine Birkenpflanzensaftkur nach dem Wintereinbruch empfohlen, drei Wochen lang und morgens auf nüchternen Magen. Der Wechsel der Jahreszeit stellt für unseren Körper eine wichtige Umstellung dar, bei der er einen kleinen Energieschub gebrauchen kann. Die Beratung durch eine medizinische Fachkraft (Hausarzt, Apotheker oder Phytotherapeut) ist jedoch unerlässlich, bevor Sie eine solche Entgiftungskur beginnen, da sie schädliche Auswirkungen auf die Nieren und andere Ausscheidungsorgane wie Leber oder Darm haben kann.

Die verzehrte Menge und die Dauer der Kur sollten ebenfalls von einem Arzt festgelegt werden.

Abschließend sei gesagt: Hier geht es um eine Ernte in privater Umgebung. Das Sammeln im Wald wäre aufgrund der humusreichen und für den Pflanzensaft günstigen Böden zwar interessant, ist jedoch streng verboten (auch wenn manche es skrupellos trotzdem tun!). Wer in Staatswäldern auf frischer Tat ertappt wird, muss mit einer Anzeige und einem Bußgeld durch die Forstaufsicht rechnen. Am besten zapfen Sie Saft von Bäumen auf Ihrem eigenen Grundstück, in einer verwilderten Ecke oder auf einem Grundstück, dessen Eigentümer Ihnen die Erlaubnis dazu erteilt hat.

Ernte und Verzehr von Baumsaft

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wie man Baumsaft erntet