Cottagecore: Landgarten trifft Entschleunigung
Der Retro-Charme eines Landgartens
Inhaltsverzeichnis
Cottagecore steht für ein einfaches Landleben, naturnahes Gärtnern und nostalgische Gärten mit üppigem, charmantem Wildwuchs.
Eine Blütenfülle
Das Glück liegt auf der Wiese … oder fast! Einen Cottagecore-Garten zu propagieren bedeutet, sich an einem Ort zu verwurzeln, der sich über manche Regeln hinwegsetzt – etwa über ausgeklügelte Kombinationen oder einen einheitlichen Stil.
Der Cottagecore-Trend zeigt sich in einem idyllischen, ländlichen Garten – wie eine Rückkehr zu den Wurzeln und eine innige Verbindung mit der Natur. Er füllt sich mit Blumen, erstrahlt vom Frühjahr bis zum Herbst in Farben und quillt über vor , die Sie an einen ruhigen Ort entführt, an dem nur die Vögel die Stille unterbrechen.
Ziel ist ein romantisches Durcheinander mit gemütlicher Atmosphäre, ein informelles Farbenspiel ohne Rücksicht auf Konventionen. Zu den kleinen Schätzen, die in diesem Garten willkommen sind, gehören üppige Englische Kletterrosen und Rambler-Rosen, Orientalischer Mohn, Flammenblume, Allium, Glockenblumen, frische und unkomplizierte Margeriten sowie strahlende Lichtnelken. Dazu kommen wunderschöne, über und über blühende Sträucher wie Kolkwitzia amabilis im Frühjahr, blühende Weißdorne und Kirschbäume oder duftende Flieder. Zwiebeln, die an die Natürlichkeit von Wiesen erinnern, wie botanische Narzissen oder Kiebitzeier, tragen ebenfalls zur charmanten Atmosphäre eines Gartens vergangener Zeiten bei. Auch einjährige Pflanzen, die wenig Pflege verlangen und jeden Sommer aufs Neue zum Leben erwachen, finden hier ihren Platz – etwa Goldmohn, Schmuckkörbchen und Feinstrahlastern. All diese Pflanzen gehen im Sommer in einer beinahe ununterbrochenen Blütenfülle über. Bei den Farben ist alles erlaubt: Pastelltöne oder bunte Mischungen, Hauptsache, das Gesamtbild strahlt Sanftheit und Fröhlichkeit aus. Die schönsten Blumen lassen sich zu Sträußen binden und im Haus oder auf einem hübschen Gartentisch arrangieren!
Diese Rückkehr aufs Land, ob sie von natur- und ruhebedürftigen Stadtbewohnern im Alltag erlebt wird oder am Wochenende in kurzer Zeit erreichbar ist, findet in einer zeitlosen, von Charme geprägten kleinen Welt statt.

Fritillaria meleagris, Kolkwitzia amabilis, Kletterrose, Päonien, Allium, Veronicastrum und Fingerhüte … Eine üppige, farbenfrohe kleine Welt rund um Vintage-Gartenmöbel direkt aus dem Haus
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Er muss jedoch nicht vom übrigen Garten getrennt sein. Harmonisch integriert gelingt dies mit zahlreichen Beerensträuchern (Himbeere, Schwarze Johannisbeere …), die Sie zwischen fröhlichen Stauden und Einjährigen verteilen. Obstbäume wie Kultur-Apfel, Birnbaum oder Quitte gesellen sich zu frühlingsblühenden Sträuchern wie Prunus oder Weißdorn. Bunter Mangold, Rhabarber und Artischocken leuchten zwischen Schmuckkörbchen und Salbei hervor. Auch Kräuter – allen voran Salbei mit seinen sanft grauen Blättern – finden hier ihren Platz.
Einige alte Glas- oder Weidenhauben setzen diesen nützlichen Garten zwischen Blumen besonders reizvoll in Szene!

Rotstieliger Mangold, einige Artischocken mit erblühten Blüten, wild wachsende Himbeeren neben Fingerhut, pflückreife Äpfel und einige Fundstücke, die diesen ländlichen Garten noch schöner schmücken …
Unklare Struktur
Der Cottagecore-Garten ist ein ausgesprochen ländlicher Garten ohne besondere Künstlichkeit. Im Mittelpunkt steht eine üppige, frei wachsende Natur. Alles muss weder streng regelmäßig noch besonders ästhetisch wirken – im Gegenteil! Oft gehört dieser Garten zu einem alten oder charaktervollen Landhaus, manchmal sogar zu einem Bauernhaus. Der Geist des Ortes sollte unbedingt bewahrt werden.
Doch einen natürlichen, ja beinahe wilden Eindruck zu schaffen, ist nicht so einfach, wie es scheint. Zunächst setzt man auf weiche Linien ohne bestimmte Perspektive. Die Wege verlaufen geschwungen oder scheinbar zufällig und folgen dem Gelände. Der Rasen tritt oft in den Hintergrund und macht üppigen Beeten Platz, die Blick und Raum ausfüllen.
Die Pflanzen tragen nun dazu bei, alles «verschwimmen» zu lassen: Die Silhouetten der Sträucher sind weich, das Laub zeigt sich üppig, und schirmförmige Gehölze wie Hartriegel oder überhängende Sträucher mildern Konturen und Kurven. Dichte Gehölzgruppen führen zu einem kleinen grünen Platz, auf dem Vintage-Tisch und -Stühle aus zweiter Hand stehen.
Die Sichtachsen bleiben undeutlich; der Garten schwankt zwischen Bohème-Garten und Secret Garden. Kleine, verborgene und noch wildere Bereiche warten darauf, entdeckt zu werden … Am Rand des Gartens schafft man außerdem einige Ausblicke und Öffnungen, um ihn sanft zur umgebenden Landschaft hin zu öffnen – etwa mit Holzzäunen, Zäunen aus Querlatten, einem Staketenzaun oder Ähnlichem.
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Zäune wie diese hübschen Staketenzäune lenken den Blick und lassen die Bereiche mit einigen sommerlichen Kletterpflanzen gerade weit genug verschwimmen
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7 Stauden und Zweijährige für den PfarrgartenEine gewisse Nachlässigkeit
In diesem neuen Garten, in dem man sich gerne Zeit lässt, darf auch ein wenig Faulheit einkehren – manchmal … oder auch öfter –, ohne dass dies den Charakter dieses Gartens beeinträchtigt, der pflegeleicht und naturnah gestaltet wurde. Für neue Gärtner ist dies eine andere Art, den Garten zu erleben: zwischen Slow Gardening (wieder ein Anglizismus … eigentlich sollte man eher von einem unbeschwerten Umgang mit dem Garten sprechen) und einem Leben im Einklang mit der Natur.
Das Leben im langsameren Rhythmus zeigt sich auch in zusätzlichen Sitzplätzen zum Ausruhen: leicht versetzbare Liegestühle, je nach Lust und Laune, Bänke zum Träumen unter Pergolen, die von üppig wachsenden und duftenden Kletterpflanzen überwuchert sind, der Bau eines Stegs am Teich, um zu meditieren und abzuschalten – ganz einfache Details, die mit der Natur verschmelzen …
Bei den Pflanzungen, etwa im Gemüsegarten, nimmt man es mit einer strengen Ordnung nicht allzu genau. Stattdessen lässt man Kürbisse in die Beete hineinwachsen oder über Rankgitter klettern.
Bei der Pflege ist Gelassenheit gefragt: Es geht nicht darum, einen chaotischen Garten entstehen zu lassen, sondern etwas weniger gepflegte oder seltener bearbeitete Beete zu akzeptieren, windende Kletterpflanzen sich stärker als gewöhnlich entfalten zu lassen, ohne ständig zur Gartenschere zu greifen, und Blumen zu verwenden, die sich selbst aussäen und die Gartenarbeit erleichtern. Außerdem gilt es, Stauden und Blumen aus Großmutters Garten zu bevorzugen – pflegeleichte Pflanzen, die Jahr für Jahr schöner wiederkommen und die Arbeit erleichtern …

Es macht nichts, wenn der Garten nicht „picobello“ ist – im Gegenteil … Auch Zeit für sich selbst sollte bleiben!
In der Bibliothek ...
Das Web und die sozialen Netzwerke, die sich gern mit dem Cottagecore-Thema beschäftigen, reichen aus, um dem Alltag zu entfliehen und ins Träumen zu kommen … In den vergangenen Jahren sind jedoch zahlreiche Bücher über das Landleben sowie naturnah und ländlich inspirierte Gärten erschienen. Davon empfehle ich Ihnen:
- Vivre en autonomie à la campagne von Bella und Nick Ivins, erschienen bei Eyrolles (2016). Ein sehr schöner Einsteiger-Ratgeber eines englischen Ehepaars, das auf einen Bauernhof in Sussex gezogen ist. Das Buch behandelt ganz praktisch Haus, Ziergarten, Gemüsegarten und Obstgarten sowie Themen wie Holzbewirtschaftung und Imkerei …
- Un petit coin de paradis, l’art du petit jardin von Isabelle Olikier-Luyten, erschienen bei Ulmer (2022). Ein kleines Buch voller schöner Ideen für einen üppigen, zugleich romantischen und naturnahen Garten;
- Jardins de charme à la campagne von Sunniva Harte, erschienen bei Gründ (1999). Ein schönes, etwas älteres Buch, das stilistisch und in der Praxis des ländlichen Gärtnerns noch immer aktuell ist.
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