Unterlage: Was ist das, welche wählen?

Unterlage: Was ist das, welche wählen?

Tipps für erfolgreiche Pfropfung

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 30. Oktober 2025  durch Alexandra 7 min.

Pfropfung vermehrt Obstbäume und Rosen, bewahrt Sorteneigenschaften und bietet ein passendes Wurzelsystem. Unterlage: Funktion und Auswahl erklärt.

Schwierigkeit

Was ist eine Unterlage?

Eine Unterlage ist ein junger Baum oder Strauch, den man zurückschneidet, um die oberirdischen Pflanzenteile zu entfernen und auf dem anschließend eine Pfropfung vorgenommen wird. Dazu schneidet man eine Kerbe und setzt ein Edelreis auf die Unterlage, damit beide miteinander verwachsen. Von der Unterlage ist vor allem ihr Wurzelsystem wichtig, während das Edelreis den oberirdischen Teil bildet und somit dieselben Blüten und Früchte hervorbringt wie die Pflanze, von der es entnommen wurde.

Für die Auswahl einer Unterlage nimmt man eine kräftige, an Boden und Klima angepasste, krankheitsresistente Pflanze mit einem gut entwickelten Wurzelsystem. Die Unterlage versorgt das Edelreis mit Nährstoffen und verleiht ihm ihre Eigenschaften.

Manchmal treibt die Unterlage aus. Das ist beispielsweise der Fall, wenn sich unterhalb der Pfropfstelle Triebe oder Zweige entwickeln. Diese müssen abgeschnitten werden, da die Unterlage sonst das Edelreis überwuchern könnte.

Pfropfung, Unterlage

Ein veredelter Kultur-Apfel mit sichtbarer Verdickung der Pfropfstelle am Stamm. (Foto: Adobe Stock)

Welche Aufgabe hat die Unterlage?

Die Unterlage liefert dem Edelreis sein Wurzelsystem. Sie ermöglicht ihm, sich zu ernähren und Wasser sowie Mineralstoffe aus dem Boden aufzunehmen, und ist daher für das Wachstum und den Fruchtansatz der Pflanze von großer Bedeutung. Eine gute Unterlage kann beispielsweise die Produktivität eines Obstbaums steigern. Nicht alle Unterlagen stellen die gleichen Anforderungen an den Boden (pH-Wert, Feuchtigkeit usw.): Durch die passende Wahl der Unterlage erhält man einen Obstbaum oder Strauch, der an den Standort angepasst ist. Auch die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, Parasiten und Kälte wird durch die Wahl der Unterlage beeinflusst.

Die wichtigsten Kriterien für die Wahl einer Unterlage sind:

  • Verträglichkeit mit dem Edelreis: Die Unterlage muss verträglich sein, das heißt, sie muss dem Edelreis genetisch nahestehen (also zur gleichen botanischen Gattung oder zumindest zur gleichen Familie gehören).
  • Bodenart: Unterlagen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Bodenbeschaffenheit (pH-Wert, Fruchtbarkeit, Feuchtigkeit …).
  • Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, Parasiten, Kälte und Trockenheit: Manche Unterlagen sind widerstandsfähiger als andere.
  • Schnelligkeit des Fruchtansatzes: Je nach verwendeter Unterlage beginnt die Jungpflanze früher oder später, Früchte zu tragen.
  • Wuchsstärke: Sämlingsunterlagen ergeben meist sehr wuchsstarke, langlebige Obstbäume, die im Alter groß werden.
  • Wuchsform des ausgewachsenen Baums: Spalier, Niederstamm, Halbstamm, Hochstamm oder freistehend. Für einen kleinen Garten wählt man Unterlagen mit geringer bis mittlerer Wuchsstärke, die relativ kompakte Obstbäume hervorbringen. In großen Gärten entscheidet man sich eher für wuchsstarke Obstbäume als Hochstamm oder freistehende Bäume.

Welche Unterlagen gibt es, und welche wählen?

Da Edelreis und Unterlage miteinander verwachsen und gemeinsam funktionieren, müssen sie kompatibel sein. Daher wählt man eine Unterlage aus derselben Familie oder sogar derselben botanischen Gattung wie die veredelte Pflanze. So veredelt man beispielsweise keine Rose auf einer Zitrusfrucht und keinen Apfelbaum auf einer Walnuss, da diese Pflanzen sehr weit voneinander entfernt sind. Die Unterlage muss außerdem an Boden und Klima angepasst sein. Einige Sorten eignen sich beispielsweise besser für kalkhaltige Böden als andere.

Für Rosen:

  • Hunds-Rose (Rosa canina): Rosen werden häufig auf Hunds-Rose veredelt. Sie eignet sich für kalkhaltige Böden, ist gut winterhart und recht trockenheitsresistent.
  • Rosa multiflora : gut für Rosen im Topf geeignet, da die Pflanzen kompakt und verzweigt wachsen und ein anpassungsfähiges Wurzelsystem entwickeln. Sie verträgt saure Böden, aber keinen Kalk und kann dort Chlorose bekommen.
  • Rosa laxa: für kalkhaltige Böden geeignet.

Für Zitrusfrüchte:

  • Bitterorange (Poncirus trifoliata): der am häufigsten für die Veredelung von Zitrusfrüchten verwendete Strauch. Er ist gut winterhart. Kalk verträgt er jedoch nicht; saure Böden liegen ihm.
  • Hybride Orange (Citrus aurantium): recht wuchsstark und besonders für Zitronenbäume sowie kalkhaltige Böden geeignet. Schwere, feuchte Böden verträgt sie nicht.
  • Citrus volkameriana : sehr wuchsstark, kalkverträglich und winterhart bis – 7 °C.
  • Citrange Carrizo: früher Fruchtansatz und guter Ertrag.
Veredelung, Unterlagen für Obstbäume

Die Veredelung von Kirschbaum und Apfelbaum

Für Apfelbäume:

Die Unterlagen für Apfelbäume sind meist Klone, die durch vegetative Vermehrung gewonnen und mit dem Buchstaben M und einer Zahl bezeichnet werden.

  • M2 (Doucin de Fontenay): eine wuchsstarke Unterlage für Niederstamm, Spindel und Palmette. Fruchtansatz nach 5 bis 6 Jahren. Anspruchslos an den Boden, trockenheitsverträglich und kalkfest. Allerdings anfällig für Blutläuse.
  • M9 (Paradis jaune de Metz): für kompakte Formen, Niederstamm oder Spalier. Gedeiht in normalem Boden, der weder zu trocken noch zu feucht ist. Guter Ertrag und früher Fruchtansatz (2 bis 4 Jahre). Neigt zur Bildung von Wurzelschösslingen.
  • M26: etwas größer und wuchsstärker als M9, besonders für Spalierformen geeignet. Chlorosegefahr auf kalkhaltigem Boden. Trockenheit und Staunässe werden schlecht vertragen. Früher Fruchtansatz.
  • M106: wuchsstärker als M26, bringt jedoch meist kleinere Früchte hervor. Für niedrige Formen, Halbstamm und Busch geeignet. Trockenheit wird schlecht vertragen, kalkhaltige Böden dagegen gut.
  • M111: für Halbstammformen. Wuchsstärker als M106, aber schwächer als der Sämling. Für trockene, steinige Böden geeignet, jedoch kalkempfindlich.
  • Apfel-Sämling ‘Bittenfelder’: sehr wuchsstark, gut winterhart und anspruchslos an den Boden. Für Hochstamm und freistehende Formen geeignet. Langlebig, aber mit spätem Fruchtansatz.

Für Birnbäume:

  • Quitte: ermöglicht kompakte Formen für kleine Gärten. Früherer Fruchtansatz als auf Birnen-Sämling. Für schwere, feuchte, kalkarme Böden geeignet. Verwendet werden Quitten aus der Provence oder aus Angers.
  • Birnen-Sämling: wuchsstark, anspruchslos und wenig kalkempfindlich. Ideal für freistehende Formen mit tiefem Wurzelsystem. Längere Lebensdauer als auf Quitte veredelte Birnbäume, aber später Fruchtansatz (3 bis 7 Jahre).
  • Birnen-Sämling ‘Kirchensaller’: sehr wuchsstark, frost- und trockenheitsresistent, neigt jedoch zur Bildung von Wurzelschösslingen. Später Fruchtansatz. Bringt etwas kleinere Früchte hervor als auf Quitte veredelte Birnbäume.

Für Kirschbäume:

  • Süßkirsche (Prunus avium): eine wild wachsende Kirsche. Sehr wuchsstark und für nährstoffreiche, frische, humusreiche Böden geeignet.
  • Steinweichsel (Prunus mahaleb): für trockene oder kalkhaltige Böden geeignet. Der Boden muss gut drainierend sein, da Staunässe schlecht vertragen wird.
  • Kirsch-Sämling, Cerasus communis: sehr wuchsstark und für Hochstammformen geeignet.
Veredelung, Unterlage

Die Veredelung eines Apfelbaums (Foto Adobe Stock)

Für Pflaumenbäume:

  • Kirschpflaume (Prunus cerasifera): eine aus Südosteuropa und Südwestasien stammende Wildpflaume, die in Frankreich eingebürgert ist. Sehr wuchsstark und gut verankernd, besonders für Halb- und Hochstammformen geeignet. Für trockene, steinige Böden geeignet und kalkverträglich. Früher Fruchtansatz, neigt jedoch zu vielen Wurzelschösslingen.
  • Pflaume St. Julien: verträgt schwere, feuchte Böden. Etwas weniger wuchsstark als die Kirschpflaume und gut für Niederstamm- und Spalierformen geeignet.
  • Pflaume mariana: eine vielseitige, anspruchslose Unterlage. Bildet keine Wurzelschösslinge und eignet sich für die meisten Sorten, außer Reine Claude d’Althan.

Für Pfirsichbäume:

  • Pfirsich-Sämling: für tiefe, kalkarme Böden geeignet. Sehr wuchsstark und ideal für Halb- und Hochstamm.
  • Pflaume St. Julien: mittelstark wachsend, ideal für Niederstamm und Spalier. Für schwere, feuchte Böden geeignet, gut winterhart und kalkverträglich.
  • Kirschpflaume: vielseitig und besonders für freistehende Formen geeignet.

Für Aprikosenbäume:

  • Kirschpflaume (Prunus cerasifera): anspruchslos und für alle Bodenarten geeignet, auch trockene, feuchte oder kalkhaltige Böden. Für Halb- und Hochstamm geeignet.
  • Pflaume St. Julien: für alle Bodenarten, Buschformen und Palmetten geeignet. «Verträgt lehmige, frische Böden. Für die Veredelung auf Breitblättrigen Rohrkolben geeignet, da sie wenig wüchsig ist.»
  • Prunus persica ‘Rubira’ (Pfirsich-Sämling): für Nieder- und Halbstamm. Für arme, drainierende, auch sandige Böden geeignet. Früher Fruchtansatz.
  • Prunus armeniaca (Aprikosen-Sämling): ideal für trockene Böden ohne übermäßigen Kalk. Für trockene, arme, steinige Böden geeignet. Staunässe wird schlecht vertragen. Wuchsstark, für Halb- und freistehende Formen geeignet. Später Fruchtansatz, aber langlebig.

Für Mandelbäume:

  • Kirschpflaume: für jede Bodenart geeignet, auch für trockene, schlecht drainierende oder kalkhaltige Böden.
  • Pfirsich-Sämling: für trockene, aber kalkarme Böden. Früher Fruchtansatz.
  • Mandel-Sämling (Prunus amygdalus): für trockene, kalkhaltige Böden geeignet.

Für Quittenbäume:

  • Quitte aus der Provence (BA29): verträgt trockene, kalkhaltige Böden. Ertragreich, früher Fruchtansatz.
  • Quitte Sydo aus Angers: verträgt Kälte und Feuchtigkeit, ist jedoch kalkempfindlich.
  • Quitten-Sämling: für frische, lehmige, kalkarme Böden. Früher Fruchtansatz und guter Ertrag.

Für Walnussbäume:

  • Walnuss-Sämling Juglans regia: für alle Bodenarten, besonders für kalkhaltige Böden. Wuchsstark und ertragreich.
  • Amerikanischer Walnuss-Sämling: wuchsstark, für nährstoffreiche, frische Böden. Früher Fruchtansatz (etwa 5 Jahre).

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