Wintergarten: grüne Oase unter Glas

Wintergarten: grüne Oase unter Glas

Natur-Oase im Haus

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 31. März 2026  durch Gwenaëlle 6 min.

Wintergarten: Geschichte, Pflanzen und Nutzung. Exotische Gewächse überwintern und das ganze Jahr genießen – vom historischen Glashaus bis zum modernen Anbau.

Schwierigkeit

Wintergarten: Ursprung und Geschichte

Was ist ein Wintergarten?

Der Wintergarten ist weder ein Gewächshaus (meist größer und zweckorientiert) noch eine Veranda (manchmal kleiner und weniger bepflanzt) und auch keine Orangerie, die traditionell für Zitrusfrüchte und frostempfindliche Pflanzen an einem geschützten Platz im Garten genutzt wurde, sondern gewissermaßen eine gelungene Mischung aus diesen Bauformen. Der Unterschied: Diese Art verglaster Konstruktion ist ein fester Bestandteil des Hauses, in der Regel an dieses angebaut und von großer ästhetischer Bedeutung.
Statt einer Anbaufläche bildet er einen vollwertigen Raum mit großen Glasflächen auf einer Metallkonstruktion. Diese verleihen ihm sein helles Erscheinungsbild und schaffen ideale Bedingungen für verschiedene Pflanzen sowie ein kontrollierbares Mikroklima. Er kann zu einem anderen Raum hin offen sein, wird jedoch meist durch Türen abgeschlossen, denn seinem Wesen nach bleibt er unbeheizt – anders als eine klassische Veranda. Einige Wintergärten können beheizt werden (vor allem in kalten Regionen), traditionell sind sie jedoch so konzipiert, dass sie durch ihre Verglasung die Sonnenwärme speichern.
Der Wintergarten ist somit ein Übergangsbereich zwischen Haus und Garten, zu dem oft ein direkter Zugang besteht. Er schafft eine echte, nicht unerhebliche Erweiterung des Hauses, von der aus man den Garten oder die Terrasse überblickt.

Geschichte des Wintergartens

Die Vorläufer des Wintergartens sind Gewächshäuser und Orangerien

Die Ursprünge des Wintergartens

Die große Blütezeit des Wintergartens begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Direkt inspiriert von der goldenen Zeit der Gewächshäuser in englischen und französischen Gärten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, hielt er Einzug in die schönsten botanischen Gärten mit ihrer fantasievollen Architektur aus Glas und Stahl. In Frankreich kündigte im Zweiten Kaiserreich der Jardin d’Hiver an den Champs-Élysées (1846–1851), ein öffentliches, verglastes, beheiztes und kostenpflichtiges Gebäude, die Begeisterung für diese hellen Räume an, bevor das Bürgertum sie in seine Privathäuser integrierte.

Geschichte des Wintergartens

Der Wintergarten an den Champs-Élysées (Stich von 1848)

Anschließend begeisterten sich die großen Adelshäuser dafür – vor allem Aristokraten, die sich den Luxus einer solchen Architektur leisten konnten. Die Abschaffung der Glassteuer im Jahr 1845 begünstigte den Aufschwung dieser neuen Mode. Das Gewächshaus rückte näher an den Wohnbereich und wurde zum Wintergarten des bürgerlichen Hauses. Einige Stadthäuser sind für diesen einzigartigen Raum bekannt, etwa in Paris der Wintergarten des Hôtel de la Païva.

Geschichte des Wintergartens

Wintergarten des Hôtel de la Païva in Paris

In England wurden Wintergärten (Conservatories) zu Symbolen des sozialen Status. Diese verglasten, oft prächtig dekorierten Räume ermöglichten es, das ganze Jahr über Pflanzen zu kultivieren und selbst im Winter einen Empfangsraum für den Afternoon Tea zu bieten. Dort wurden zahlreiche Pflanzen ausgestellt, die den Eindruck eines Dschungels oder einer imaginierten tropischen Waldlandschaft erwecken sollten.

Funktionen eines Wintergartens

Als Erbe aristokratischer Gewächshäuser und Orangerien ist der Wintergarten zu einem Symbol für Wohlbefinden und die Rückverbindung zur Natur geworden. Sein ausgesprochen exotisches Flair eines urbanen Dschungels liegt sogar voll im Trend!

Als eigener Raum im Haus ist der Wintergarten ein geschützter Ort, an dem sich tropische Pflanzen, Orchideen und frostempfindliche Exoten für den Winter versammeln lassen – daher sein Name. Zugleich können Sie das üppige Grün in wohliger Wärme genießen, während Licht und Sonne durch die großen Glasflächen strömen.

Im Gegensatz zum Außenbereich, der im Winter ruht, bleibt der Wintergarten auch in den kalten Monaten grün, üppig und nutzbar. Er schafft ein für Pflanzenleben günstiges Mikroklima. Es gibt beheizte und unbeheizte Wintergärten.

Dieser Raum soll meist besonders gemütlich sein, worauf wir im letzten Teil zurückkommen. Hier kann man sich also auch ausruhen, lesen oder eine Kleinigkeit essen. Denn ein Wintergarten holt die Natur direkt ins Haus und sorgt für einen nicht zu unterschätzenden Wohlfühleffekt – besonders im Winter, wenn das Licht abnimmt.

Hinweis: Dieser architektonisch gestaltete Wintergarten im Haus ist nicht mit dem vollständig im Freien angelegten „Winter Garden“ zu verwechseln, der vor allem in Großbritannien beliebt ist. Er setzt sich aus prachtvollen Winterszenen mit Rinde, immergrünen Pflanzen, rostbraunen Farbtönen, Fruchtständen und Gräsern zusammen – ein weiteres spannendes Thema, das ich hier behandle.

Wintergarten mit Pflanzen dekorieren

Üppige Pflanzen und Möbel schaffen einen ganz besonderen Ort

Welche Pflanzen für den Wintergarten?

Im Gegensatz zum Gewächshaus wachsen die Pflanzen im Wintergarten alle oberirdisch. Dieser Raum dient nicht ihrer Anzucht oder Kultur (diese Funktion ist dem Gewächshaus vorbehalten), sondern vielmehr ihrer Präsentation oder auch ihrer Überwinterung. Ziel ist stets, möglichst viele Pflanzen zu gruppieren und so eine üppige, dschungelartige Atmosphäre zu schaffen. Durch die Pflanzenfülle entsteht im Wintergarten ein für die Pflanzen günstiges Mikroklima, in dem sich die Topfpflanzen gegenseitig schützen. Es versteht sich von selbst, dass die Pflanzen dort also eine Kultur im Topf gut vertragen müssen.

Wichtig: Ist der Wintergarten beheizt, müssen Pflanzen gewählt werden, die diese Bedingungen vertragen. Viele tropische Pflanzen benötigen eine ausreichend kühle Temperatur, um ihre Dormanz zu simulieren: maximal 10 bis 12 °C.

Drei Pflanzengruppen kommen infrage:

Tropische Pflanzen

Hohe Pflanzen mit großen Blättern, die bei uns als Zimmerpflanzen kultiviert werden (Strelitzie, Fensterblatt, Palmen wie Bergpalme oder Kentia-Palme), stehen neben kleineren Topfpflanzen. Dazu gehören beispielsweise einige Sukkulenten, ein Cycas revoluta, ein Madeira-Storchschnabel oder einige Orchideen (Phalaenopsis, Cymbidium). Ein hoher First ermöglicht häufig auch die Unterbringung groß wachsender Pflanzen wie Andasonia, Banane oder Baum der Reisenden.

Welche Pflanzen für einen Wintergarten

Tropische Pflanzen in üppiger Fülle in einem großen Wintergarten

Sukkulenten

Aloe, Kakteen wie Aeonium oder Feigenkaktus, Agave und viele weitere Sukkulenten. Sie werden in den Wintergarten gestellt, damit sie nicht der winterlichen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind, die ihnen in Verbindung mit Kälte oft zum Verhängnis wird.

Kletterpflanzen

Auch wenig winterharte tropische Kletterpflanzen finden dort dank der meist beträchtlichen Höhe der Konstruktion oder des geneigten Glasdachs ideale Bedingungen: Tibouchine, empfindliche Jasminarten wie Arabischer Jasmin, Passionsblume, Purpurerbse usw.

***

Der Wintergarten dient außerdem dazu, Pflanzen unterzubringen, die in manchen Regionen den Winter nicht im Freien überstehen: empfindlichere Pflanzen in großen Töpfen, etwa Engelstrompete oder Kreuzblümchen, sowie ein Baumfarn.

→Lesen Sie auch unsere Artikel: Wie überwintert man nicht winterharte Stauden? ; Kreuzblümchen vor Kälte schützen: Tipps zur Überwinterung ; Tibouchine: richtig vor Kälte schützen und erfolgreich überwintern ; Cyperus papyrus überwintern.

Wintergarten gestalten

Wie gestalten? Wo aufstellen?

Der Wintergarten ist im Gegensatz zum Gewächshaus kein Anbaugebiet und wird meist zu einem Erholungsraum. Ideal ist eine Südwest- oder Südostausrichtung, um im Winter möglichst viel Licht zu erhalten. Dies hängt jedoch stark von der Region ab: In sehr sonnigem Klima empfiehlt sich eine Nordwestlage. Meist ist im Sommer eine Beschattung nötig, die bereits bei der Planung berücksichtigt werden sollte.

Ziel ist ein behaglicher, repräsentativer Raum. Der Wintergarten soll ästhetisch, üppig und einzigartig wirken – schließlich sind die Pflanzen die Hauptdarsteller und die Möbel nur Beiwerk. Der Stil ist meist exotisch und greift koloniale Elemente auf, etwa Deckenventilatoren, Silber-Weide, Rattan oder exotische Hölzer bei den Sitzmöbeln. Möglich ist auch eine ausgesprochen gemütliche Atmosphäre oder ein bewusst viktorianischer Stil mit schmiedeeisernen Möbeln im Vintage-Look. Ebenso passt ein reduzierter skandinavischer Stil.

Bei einem modernen Konzept lässt sich der Wintergarten als Wohnraum und markantes architektonisches Element gestalten, auch wenn er eher zu historischen Stilrichtungen passt. Wie bei Stéphane Marie kann er zudem durch einen Tisch für kleinere Gartenarbeiten ergänzt werden.

Mindestens ein oder zwei Sitzplätze – eine Bank, ein breiter Sessel oder ein einfacher Stuhl – sollten vorhanden sein, in denen Sie sich umgeben von Ihren Pflanzen einkuscheln können. Dazu passen einige Kissen, eine Decke für Wintertage im unbeheizten Wintergarten und vielleicht ein schöner Teppich im Kilim-Stil für eine eher böhmische Atmosphäre. Ein kleiner Tisch oder hohe Beistelltische schaffen zusätzlich ein Retro-Flair und bieten Platz für Hängepflanzen wie Zimmerfarne. Denken Sie daran: Die Pflanzen stehen im Mittelpunkt, die Möbel unterstreichen lediglich die tropische Atmosphäre.

Der Wintergarten selbst kann aus verschiedenen Materialien bestehen: Holz, Ziegel, Stahl oder Aluminium und Glas. Häufig kombiniert man ihn mit natürlichen oder unbearbeiteten Materialien wie Silber-Weide und Schmiedeeisen, die die Glasflächen wärmer wirken lassen.

Wintergartenpflanzen pflegen: unsere Tipps

Mehrere Tipps, damit Ihr Wintergarten das ganze Jahr über schön bleibt!

  • Die Temperatur: Idealerweise liegt sie tagsüber zwischen 15 und 25 °C, nachts zwischen 10 und 15 °C. Vermeiden Sie kalte Zugluft und direkte Wärmequellen wie Heizkörper. Schützen Sie empfindliche Pflanzen im Winter bei Frost mit einer Zusatzheizung, wenn der Raum unbeheizt ist und die Temperatur unter 5 °C fällt.
  • Das Gießen wird im Winter zwar stark reduziert, muss aber je nach Pflanzenart kontrolliert und angepasst werden, da einige unter zu geringer Luftfeuchtigkeit leiden können. Denken Sie daran, dass manche tropischen Pflanzen – oft mit großem Laub – regelmäßig Regen erhalten.
  • Das Lüften wird ab dem Frühjahr und an warmen Tagen nötig. Sobald die Temperaturen im Wintergarten an sonnigen Tagen steigen, sollten Sie alle oder einen Teil der Pflanzen ins Freie stellen.
  • Luftfeuchtigkeit: Auch ein kleines Gerät ist in diesem Raum sehr nützlich: ein Hygrometer zur Kontrolle der Luftfeuchtigkeit. In einem Wintergarten muss die Luftfeuchtigkeit oft künstlich auf 60 bis 80 % gehalten werden, um ein tropisches Klima zu schaffen – etwa mit einem Luftbefeuchter, Wasserbecken oder durch Besprühen. Wenn die Pflanzen gruppiert stehen, lässt sich dies deutlich leichter erreichen.
  • Das Drehen: Drehen Sie die Töpfe regelmäßig, damit die Pflanzen gleichmäßig wachsen, wie auch in anderen Räumen des Hauses.

Mehr erfahren: Wie gießt man Zimmerpflanzen? ; Zimmerpflanzen im Sommer ins Freie stellen: unsere Tipps.

Kommentare

Dieses Formular ist durch reCAPTCHA geschützt – es gelten die Datenschutzbestimmungen und die Nutzungsbedingungen.

Garten im Gewächshaus & Wintergarten