Hier setzt sich ein ungewöhnlicher Trend in unseren Außenbereichen durch – und zwar nicht nur bei Landschaftsarchitekten mit einer Vorliebe für Konzeptgärten oder ausschließlich am Meer! Auch wenn sich der Sandgarten besonders für Küstengärten eignet, erweist er sich als genügsamer und zeitgemäßer Garten, der zwischen Kiesgarten und Trockengarten angesiedelt ist und voll und ganz zu den aktuellen klimatischen Veränderungen passt.
Wir stellen Ihnen drei Gestaltungsszenen vor, die seinen ästhetischen Reiz und seine sonnige Atmosphäre eindrucksvoll zeigen!

Der Sandgarten: ein Gartentrend zwischen Genügsamkeit und Ästhetik

Fernab vom Bild des traditionellen japanischen Zen-Gartens mit geharktem Kies oder hellem Sand etabliert sich der Sandgarten als neue Gartenform. Er bewahrt eine gewisse Ruhe, überträgt sie jedoch in eine wärmere Gestaltung, bei der Pflege und Bewässerung auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Damit reagiert er auf eine zentrale Herausforderung des Klimawandels: Wie lassen sich südlichere Pflanzen in nördlichen Regionen ansiedeln? Zwar steigen die Temperaturen und machen dies möglich, doch das Problem winterlicher, für diese Pflanzen oft tödlicher Nässe bleibt bestehen. Der Sandgarten ist eine Lösung dafür, da er für eine wirksame Drainage sorgt.

Es handelt sich um einen weltweit noch experimentellen Garten, in dem sich im Wind wiegende Pflanzen besonders wirkungsvoll zur Geltung kommen. Sie erinnern an das Meer, das nicht immer in der Nähe ist. Außerdem stehen kontrastreiche Materialien und Texturen im Mittelpunkt. Häufig kommt Cortenstahl zum Einsatz, aber auch zu Kugeln oder Skulpturen verarbeitetes Flechtwerk, große Steine oder Stützmauern.

Genügsame Pflanzen wachsen in einem Substrat mit einer dicken Sandschicht. Deshalb müssen sie tief nach Wasser suchen, um zu überleben. Wählen Sie daher besonders trockenheitsresistente Pflanzen und xerophytische Arten. Mit ihrem Pfahlwurzelsystem überstehen sie auch heiße Sommer.
Auch die goldene Farbe des Sandes soll durch eine Palette warmer Farbtöne betont werden – sowohl bei den Pflanzen als auch bei den Materialien. Die Pflanzen haben eher einen niedrigen, teppichbildenden oder lockeren Wuchs. Graues Laub verstärkt den Eindruck von Wärme zusätzlich.

Gestaltung eines Sandgartens
Der Sandgarten greift die Atmosphäre von Dünen und Küstenlandschaften auf

Ein Hauch von Urlaub

Küstengärten, insbesondere Gärten direkt am Meer, lassen sich wegen der allgegenwärtigen Sandschicht nur schwer bepflanzen. Sie erfüllen die Anforderungen eines Sandgartens perfekt. Im Stil eines Strandgartens setzen Sie ganz auf das Duo aus Sand und Meer und nehmen das Dünenökosystem zum Vorbild.

Unverzichtbare Pflanzen: Baldrian, Lagurus ovatus und Gewöhnlicher Strandhafer (Ammophila arenaria), Armeria maritima 'Vesuvius' (Zwerg-Grasnelke), Sandkraut, Erigeron glaucus 'Sea Breeze' oder Erigeron karvinskianus, Gewöhnliche Sand-Nelke, Blauraute, Schaf-Schwingel, Strand-Mannstreu (Eryngium maritimum), Mariendistel und weitere.

Für eine goldblonde, pflanzliche Note sorgen außerdem Holzlatten als Terrassenbelag und kleine Flechtzäune. Ergänzen Sie die Gestaltung durch kupferfarbene Elemente und eine Feuerschale, die an Sommerabenden besonders nützlich ist.

Unser Tipp: Achten Sie darauf, nicht zu viele Strandmotive miteinander zu kombinieren. Beschränken Sie sich auf den Sand und verzichten Sie auf überflüssige Kieselsteine, Muscheln oder andere maritime Details, damit die Gestaltung nicht karikaturhaft wirkt. Die Pflanzen schaffen die Atmosphäre – nicht umgekehrt!

Ideen für einen Sandgarten
Rund um eine besonders passende Feuerschale stehen Stipa tenuifolia, die Kätzchen von Lagurus ovatus, Erigeron glaucus 'Sea Breeze', Eryngium planum und Armeria maritima

Zeitgemäßer Sandgarten

Im Gegensatz zu diesem ersten Dünengarten, der sich auf natürliche Weise in seine Umgebung einfügt, erinnert die Verbindung aus genügsamen Pflanzen und Sand auch an den Minimalismus und die Mineralität modernistischer Gärten. Die Schlichtheit des Sandes ermöglicht zusammen mit einer passenden Pflanzenauswahl einen Sandgarten, der an eine nicht unbedingt nahe Küste erinnert und sich harmonisch in eine zeitgemäße Architektur einfügt.

Hier wird die Farbgestaltung monochrom oder als Kombination aus Weiß und Schwarz, Weiß und Mauve oder Purpur und Grün konzipiert, um nur einige passende Zusammenstellungen zu nennen. Die Pflanzen werden wegen ihres niederliegenden Wuchses sowie wegen der besonderen Textur oder Form ihrer Blütenstände ausgewählt. Auch graue Farbtöne im Laub, die gut mit den häufig anthrazitfarbenen Gartenmöbeln harmonieren, spielen eine wichtige Rolle. Cortenstahl, der für Kanten oder dekorative Windschutzwände verwendet wird, bringt den Sand zum Leuchten. Auch Ziegel können als Gartenweg dienen.

Unverzichtbare Pflanzen: Silbriges Heiligenkraut, Beifuß 'Powis Castle', Ballota pseudodictamnus, mittelhohe oder hohe Gräser wie kupferfarbene Seggen (Carex testacea), das bewegte Spiel der Hordeum jubatum, dekorative Silhouetten von Cordylinen und Palmlilien auf ebenem Gelände sowie niedrige bis mittelhohe Pflanzen wie hier auf einem angelegten Sandhügel (Zwerg-Grasnelke, Kriechendes Gipskraut, Sand-Thymian und weitere).

Inspiration für einen Sandgarten
Dieses Beispiel ist vom temporären Garten des Landschaftsarchitekten Nigel Dunnett auf der Chelsea Flower Show 2025 inspiriert (©Promesse de fleurs). Es greift die Rundungen und die Bewegung von Sanddünen auf: Gottvergeß, Carex testacea 'Prairie Fire', Beifuß 'Powis Castle' und Cordyline

Südafrikanische Atmosphäre

Eine der schönsten Ideen für einen Sandgarten besteht darin, in eine trockene, glühend heiße Welt einzutauchen. Pflanzen Sie dort prächtige, äußerst widerstandsfähige Stauden und Gräser und schaffen Sie eine kalifornische oder wie hier eine südafrikanische Atmosphäre.

Lassen Sie sich von der Arbeit des weltweit bekannten südafrikanischen Landschaftsarchitekten Léon Kluge im französischen Garten von Chaumont-sur-Loire inspirieren: Nur wenige Pflanzen sorgen in diesem vollsonnigen Garten für eine spektakuläre Wirkung. Die Gestaltung greift den afrikanischen Busch auf. Roter Sand und überdimensionierte Skulpturen stilisierter Affenbrotbäume prägen die Szenerie. Wellen aus Stipa tenuifolia und Fackellilien ergänzen das Bild. Für den eigenen Garten können Sie hohe Flechtkugeln aus Purpur-Weide oder große Kugeln aus geflochtener Weide verwenden. Sie schaffen Volumen und fügen sich harmonisch in diese Atmosphäre ein.

Besonders charakteristische Pflanzen: Sukkulenten und leichte Gräser (Aloe, Walzen-Wolfsmilch, Federgras, Silber-Blaugras, Lomandra longifolia) sowie farbenfrohe Stauden mit sonnengelben bis orangefarbenen Blüten (Kniphofia, Euryops pectinatus, Bulbine, Leonotis leonurus, Gazanie). Pflanzen aus Südafrika, Patagonien und Tasmanien werden bevorzugt. Einige von ihnen vertragen unter geschützten Bedingungen Temperaturen bis -8 °C.

Idee für die Gestaltung eines Sandgartens
Im Uhrzeigersinn: Federgras und Fackellilien im Garten „Unter der afrikanischen Sonne“ (©Domaine de Chaumont-sur-Loire), Euryops pectinatus, Kniphofia triangularis, Aloe polyphylla und Tintenfisch-Aloe

Auch der Naturgarten und der englische Garten greifen diese avantgardistische Technik auf. Ebenso gut hätten wir Gestaltungsszenen aus diesen beiden Stilrichtungen entwickeln können. Beide eignen sich dafür und werden derzeit vor allem in Großbritannien erprobt.


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