Diptam pflanzen und pflegen
Inhaltsverzeichnis
Diptam kurz erklärt
- Diptam ist eine im Sommer blühende Staude
- Diptam ist sehr winterhart und trockenheitsverträglich
- Pflanzen Sie ihn in die volle Sonne!
- Jeder gut drainierte Boden eignet sich, auch steiniger, kalkhaltiger und armer
- Dictamnus albus ist eine indigene Art und bietet vielen Insekten Nahrung
Das Wort unseres Experten
Der Dictamnus albus besitzt zwei erstaunliche Besonderheiten. Erstens hat er mehr Namen als eine Figur in einem Roman von J. R. R. Tolkien: Diptam, Weißer Diptam, Kleine Esche, Brennender Busch, Gas-Pflanze und sogar Feuerdorn. Die zweite – und Sie verstehen sofort die beiden letzten Namen – ist seine Fähigkeit, flüchtige Stoffe zu bilden, die sich bei Kontakt mit einem Funken oder einfach bei großer Hitze rasch entzünden. Keine Sorge um Ihren Garten: Die Flämmchen erscheinen nur sehr kurz und gefährden weder das Laub noch die umgebende Vegetation.
Diptam ist jedoch vor allem dank seines aromatischen, etwas an Eschenlaub erinnernden Laubs und seiner sommerlichen Blüte mit Rispen aus vielen kleinen sternförmigen Blüten eine wunderschöne Pflanze: bei der Art zartrosa mit dunkelrosa Adern, bei ‘Purpureus’ kräftiger rosa und bei ‘Albiflorus’ sogar weiß. Die Blüten sind zugleich duftend, nektarreich und bienenfreundlich.
Die heimische Pflanze ist im Osten und Süden Frankreichs nicht selten. Brennender Busch liebt volle Sonne und verträgt Trockenheit ausgezeichnet. Die sehr winterharte, sympathische Staude begnügt sich mit neutralem bis kalkhaltigem, steinigem und sogar magerem Boden. Ideal für einen sonnigen Steingarten oder eine Magerzone mit heimischen Pflanzen (Biodiversitäts-Hotspot). Die beiden einzigen Ansprüche: sehr gut drainierter Boden und … Ruhe, denn sie lässt sich nur äußerst ungern umpflanzen.
Kurz gesagt: Wenn Sie eine schöne, unkomplizierte europäische Staude suchen, die der Tierwelt nützt, sollten Sie an Diptam denken!

Diptam: eine wunderschöne Sommerblüte für den Garten!
Botanik und Beschreibung
Steckbrief
Die Gattung Dictamnus umfasst nur eine einzige Art: Dictamnus albus. Diese Pflanze gehört zur Familie der Rautengewächse, zu der insbesondere auch die Zitrusfrüchte sowie weitere Zierpflanzen wie die Orangenblume zählen. Dictamnus albus ist eine Staude mit einem recht großen natürlichen Verbreitungsgebiet: im Süden, in der Mitte und im Osten Europas, aber auch in Zentralasien bis in den Süden Sibiriens sowie in Nordafrika. In Frankreich kommt sie sogar im Elsass, in Ariège, Savoyen, Isère, Gard, Hérault und der Provence vor. Die Pflanze wächst in offenen Lebensräumen in der Nähe bewaldeter Gebiete: auf Lichtungen und kalkhaltigen Hängen, aber auch im Unterholz und in lichten Laubwäldern.
Ihr deutscher Name ist Diptam, Weißer Diptam, Kleinesche, Brennender Busch oder Dictame des boutiques. Die Pflanze wird manchmal auch „Feuerbusch“ oder „Gas-Pflanze“ genannt, da sie eine klebrige, nach Zitrone duftende, aber vor allem leicht entzündliche Substanz absondert, wenn man sich mit einer Flamme nähert oder bei großer Hitze. Es besteht jedoch kein Grund zur Sorge: Diese flüchtigen ätherischen Öle „fangen Feuer“ nur so kurz, dass weder andere Pflanzen noch das eigene Laub in Brand geraten.

Dictamnus albus (© Björn S) und botanische Tafel (um 1830)
Die Pflanze darf nicht mit dem Kretischen Diptam oder Origanum dictamnus verwechselt werden.
Der Wurzelstock ist dick, weiß (daher der Artname „Albus“) und ausläuferbildend. Das Wurzelsystem ist stark verzweigt. Die rötlichen Stängel sind mit roten drüsigen Haaren bedeckt. Diese Drüsen produzieren die flüchtigen und entzündlichen Substanzen. Der Diptam ist eine Staude mit aufrechtem, horstigem Wuchs. Obwohl er sehr winterhart ist, schätzt er Wärme.
Das Blatt ist zusammengesetzt und unpaarig gefiedert (mit einer ungeraden Anzahl an Fiederblättchen) und besteht aus 7 oder 9 ovalen Fiederblättchen. Es ähnelt etwas dem Blatt einer Esche. Das Laub des Diptams ist sommergrün, derb und frisch glänzend grün. Das Laub ist aromatisch und verströmt Noten von Zitrusfrüchten und Zimt.
Der Blütenstand ist eine lockere Rispe aus kleinen Blüten mit 5 Blütenblättern und 10 langen Staubblättern. Die Blüten sind weiß bis blassrosa und dunkelrosa geadert. Die Form Dictamnus albus var. purpureus (manchmal auch Dictamnus albus var. Dictamnus rubra genannt) hat kräftiger rosafarbene Blüten, während die Sorte ‘Albiflorus’ weiße Blüten trägt. Die Blütenknospen sind purpurfarben.
Die Früchte sind aufspringende Kapseln (sie öffnen sich bei Reife von selbst). Die glänzend schwarzen Samen werden in die Luft geschleudert. Sie besitzen dünne Lamellen, die beim Trocknen eine Art Feder bilden und den Samen noch weiter fortschleudern.
Die Blüten von Dictamnus albus duften und sind außerdem bienenfreundlich und nektarreich. Sie locken zahlreiche Insekten an und ernähren sie: Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Schwebfliegen …
Dictamnus albus ist in Frankreich seit 1994 eine geschützte Art. In der Natur ist es daher strengstens verboten, „wild lebende Exemplare ganz oder teilweise zu zerstören, abzuschneiden, zu beschädigen, auszureißen, zu pflücken oder zu entfernen, zu transportieren, zu verwenden, zum Verkauf anzubieten oder zu kaufen“.

Rosa-weiße Blüte des Diptams (Foto rechts © Peganum)
Unsere Diptam-Sorten
Dictamnus albus - Diptam
- Blütezeit Juni für August
- Höhe bei Reife 60 cm
Dictamnus albus var. purpureus - Diptam
- Blütezeit Juli, August
- Höhe bei Reife 60 cm
Diptam pflanzen?
Wo pflanzen?
Diptam wird an einem sonnigen Standort gepflanzt, höchstens im lichten Halbschatten.
Obwohl diese Staude vollkommen winterhart ist, liebt sie Wärme und verträgt auch längere Trockenperioden problemlos: Sie gilt daher als wärmeliebend. Sie bevorzugt steinige, auch kalkhaltige und nährstoffarme Böden. Ein unbedingt gut durchlässiger Boden ist erforderlich. Diptam eignet sich beispielsweise ideal für einen trockenen Steingarten in voller Sonne.
Wann pflanzen?
Die beste Pflanzzeit ist von Ende März bis Mai. Vermeiden Sie Pflanzungen während Frostperioden und bei starker Trockenheit.
Wie pflanzen?
- Wässern Sie den Wurzelballen einige Minuten lang;
- Nehmen Sie die Pflanze aus dem Topf, prüfen Sie die Wurzeln und entwirren Sie sie bei Bedarf vorsichtig;
- Heben Sie ein Loch aus, das doppelt so breit und tief wie der Wurzelballen ist;
- Lockern Sie den Boden am Grund des Pflanzlochs gründlich;
- Geben Sie etwas Sand oder feinen Kies hinzu, wenn Ihr Boden zu schwer ist;
- Arbeiten Sie gut gereiften Kompost ein;
- Setzen Sie den Wurzelballen in das Pflanzloch;
- Füllen Sie das Loch mit Erde und drücken Sie sie rund um die Pflanze mit den Händen an;
- Gießen Sie reichlich, um „Lufttaschen“ zwischen Erde und Wurzeln zu beseitigen.
Achten Sie unbedingt darauf, den Hals Ihres Diptams nicht mit Erde zu bedecken! Lassen Sie zwischen den einzelnen Diptam-Jungpflanzen 60 cm Abstand.

Ein schönes Beet mit Diptam, Mohn und Rosmarin (© Peganum)
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Keine besondere Pflege nötig. Verblühte Blütenstiele schneiden – dann gibt es jedoch keine Selbstaussaat.
Die Pflanze verschwindet im Winter. Markieren Sie daher ihren Standort, damit sie nicht versehentlich abgestochen wird.
Diptam wächst schnell, braucht aber paradoxerweise mindestens 10 Jahre zum Einwachsen. Das verzweigte Wurzelsystem erschwert das Umsetzen: Wählen Sie den Standort sorgfältig!
Brennender Busch: Krankheiten und Schädlinge
Kurz gesagt: Ihre Diptam ist nicht von Krankheiten oder Schädlingen bedroht.
Diptam vermehren?
Diptam nicht teilen oder versetzen: Wurzelsystem schonen. Aussaat in drainierendem Substrat oder Sand; draußen halbschattig feucht halten. Keimung nach 15–20 Wochen.
Diptam kombinieren
Der Diptam ist eine Sonnen- und Magerbodenpflanze. Daher bietet es sich an, ein steiniges Beet mit heimischen Pflanzen anzulegen, die an das Klima angepasst und vor allem für die heimische Tierwelt nützlich sind. Sie sollten Pflanzen wählen, die magere, kalkhaltige, sehr gut drainierte Böden und Wärme lieben, aber zugleich Trockenheit vertragen. Das ist durchaus möglich! Hier eine kurze Liste geeigneter Stauden: Asparagus acutifolius oder Wilder Spargel, Iris lutescens oder Zwerg-Iris, Cyanus montanus oder Berg-Flockenblume, Helichrysum italicum oder Italienische Strohblume, Catananche caerulea oder Blaue Rasselblume, Achillea tomentosa, Eryngium alpinum, Digitalis lutea, Campanula persicifolia sowie eine Königskerze oder Verbascum nigrum. Und natürlich ein prächtiger Dictamnus albus var. purpureus.

Dictamnus albus var. Purpureus, Asparagus acutifolius, Catananche caerulea und Digitalis lutea ergänzen sich an einem sonnigen, trockenen Standort perfekt.
Nota bene: Paradoxerweise steigt die botanische Vielfalt – und damit auch die Vielfalt der Tierwelt –, je magerer der Boden ist. So lassen sich selbst auf kleinen Flächen von nur wenigen m² magere Bereiche als Hotspot der Biodiversität schaffen. Entfernen Sie dazu einfach die fruchtbare Bodenschicht etwa 30 cm tief und füllen Sie die „Grube“ mit Sand, Kies und Steinen. Anschließend können Sie Samen einjähriger und zweijähriger heimischer Blütenpflanzen aussäen und einige Stauden aus Ihrer Region pflanzen oder … einfach der Natur ihren Lauf lassen. Der Dictamnus albus wird sich in diesem mageren Bereich ausgesprochen wohlfühlen.
→ Mehr dazu erfahren Sie auf der Website Hortus-France.org
Wussten Sie schon?
- Dictamnus albus kann gelegentlich als Wirtspflanze für die Raupe des Schwalbenschwanzes dienen (Papilio machaon);
- Im 18. Jahrhundert erforschte der französische Physiker Abbé Pierre-Nicolas Bertholon de Saint-Lazare den Diptam. Im Gebirge brachte er einen Generator für statische Elektrizität mit. In einem dunklen Raum näherte er die vom Generator erzeugten Funken den Staubblättern. Die flüchtigen Stoffe entzündeten sich und erzeugten ein helles Licht;
- Linné nannte diese Pflanze wegen der aromatischen Ähnlichkeit ihres Laubs mit Origanum dictamnus, dem Kraut vom Berg Dikti, „Dictamnus“;
- Der Artname „albus“, der weiß bedeutet, bezieht sich auf die Farbe ihres Wurzelstocks und nicht auf die ihrer Blüten;
- Der Diptam teilt den Beinamen „Feuerdorn“ mit einem Strauch: dem Pyracantha;
- Sehr wahrscheinlich war der in der Bibel beschriebene Feuerdorn ein Dictamnus albus;
- Die Tochter von Carl von Linné soll den Namen „Gas-Pflanze“ erfunden haben;
- Der deutsche Name „Diptam“ soll von der Ähnlichkeit seiner Blätter mit denen der Esche stammen (Fraxinus excelsior);
- In der Antike war der Diptam für seine Heilkräfte bekannt. Man verwendete ihn zur Behandlung verschiedener Beschwerden: gegen Hysterie und Epilepsie, gegen Fieber und Pest-Symptome mit pulverisierter Wurzel; die schleimige, duftende und entzündliche Substanz als entzündungshemmendes Mittel; sowie die oberirdischen Pflanzenteile (Blätter und Stängel) als harntreibendes Mittel;
- Heute wird die Pflanze zwar für ihre positive Wirkung auf den Magen geschätzt, aber nur noch als Blätteraufguss gegen Nervosität und Angstzustände verwendet;
- Längerer Kontakt mit der Pflanze kann Hautentzündungen verursachen;
- Der Diptam wurde früher wegen seines Zitrusdufts in der Parfümindustrie verwendet.
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