Feigenbaum: ein- oder zweimal tragend?
Die richtige Wahl treffen
Inhaltsverzeichnis
Essbare Feigenbäume werden seit Jahrtausenden wegen ihrer Früchte kultiviert. Unifère oder bifère? Unterschiede und Tipps zur Sortenwahl.
Etwas Botanik
Der Echte Feigenbaum oder Essfeigenbaum heißt auf Latein Ficus carica. Der Feigenbaum gehört wie alle anderen Ficus (tropische Zimmerpflanzen) und die Morus, die Maulbeerbäume, zur Familie der Maulbeergewächse. Die Gattung Ficus umfasst fast 800 Arten, doch nur Ficus carica wächst in Europa natürlich. Dieser Obstbaum wird im Mittelmeerraum seit Jahrtausenden wegen seiner Feigen kultiviert. Die Feige ist eigentlich eine Scheinfrucht: Der Blütenstand des Feigenbaums, der Syconium, entwickelt sich zu einer Ansammlung von Achänen in einem essbaren Fruchtfleisch. Der Echte Feigenbaum wird in fast tausend Kultivaren angebaut.
In der Natur tragen nur die sogenannten „weiblichen“ Feigenbäume essbare Früchte; sie werden Echte oder Hausfeigenbäume genannt. Die sogenannten „männlichen“ Feigenbäume oder Bocksfeigen tragen dagegen ungenießbare Früchte. Der Fortpflanzungszyklus des Feigenbaums ist … kompliziert. Tatsächlich vermehren sich wilde Feigenbäume dank der Symbiose mit einem Insekt, der Feigengallwespe (Blastophaga psenes in Europa). Da der Fortpflanzungszyklus zu komplex ist, um ihn in wenigen Sätzen zu erklären, finden Sie hier einen Link zu einer ausführlichen Darstellung: Symbiose zwischen Ficus carica und Blastophaga psenes.
Zum Glück sind Kulturformen also sogenannte „weibliche“, vor allem aber parthenokarpe Feigenbäume. Das bedeutet, dass sie ohne Befruchtung einer Eizelle Früchte bilden können – also ohne die Feigengallwespe, die in Frankreich zudem nur im Süden vorkommt. Diese parthenokarpen Feigenbäume gelten oft als selbstfruchtbar, da sie ohne einen zweiten Feigenbaum in der Nähe Früchte tragen.
→ Alles über die Bestäubung des Feigenbaums: Feigengallwespe: das winzige, für Feigen unverzichtbare Insekt.

Feigenbaum, botanische Tafel von 1822, und Feigenbaum ‘Goutte d’Or’ (bifera)
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Einmal tragender Feigenbaum
Ein einmal tragender Feigenbaum bringt nur einmal jährlich Früchte hervor, im Spätsommer (August–September). Die Feigen sitzen an den Zweigen in den Blattachseln. Nur die Früchte im unteren Zweigbereich erreichen die Reife; jene an den Zweigspitzen können vor den ersten Frösten nicht mehr ausreifen.
Zweimal tragender Feigenbaum
Zweimal tragende Feigenbäume liefern zwei Feigenernten pro Jahr. Sie tragen erstmals zwischen Juni und Juli und ein weiteres Mal im Herbst (je nach Sorte und Klima von Ende August bis Oktober). Die erste Ernte bilden Feigen, die spät in der Saison an den Zweigspitzen entstanden sind und den Winter überstanden haben. Mit den ersten warmen Tagen beginnen diese als „Blühfeigen“ bezeichneten Früchte weiterzuwachsen und reifen anschließend. Die „Herbstfeigen“ hingegen entstehen am diesjährigen Holz.
Hinweis: Manchmal gibt es dreimal tragende Feigenbäume oder cimaruoli. Diese Feigenbäume tragen dreimal im Jahr Früchte: im Juni, im Herbst und in geringem Umfang im Frühjahr. Tatsächlich handelt es sich bei den im Frühjahr geernteten Feigen um Früchte, die an einigen Zweigspitzen entstanden sind, im Sommer weiterwachsen und erst im folgenden Frühjahr reifen. Dies ist nur in warmen Klimazonen wie Spanien oder Süditalien möglich.
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Feigenbaum: zweitragend oder einmaltragend?
Das hängt vor allem von Ihrem Klima ab!
Im Süden wählt man zweimal tragende Feigenbäume
Es gibt weit mehr zweimal tragende als einmal tragende Sorten, doch diese eignen sich eher für die wärmsten Regionen des Landes. Zweimal tragende Sorten sind für Gegenden mit nicht zu strengen Wintern geeignet. Zudem können Spätfröste unter -4 °C die ersten Feigen, die sogenannten „Blütenfeigen“, zerstören. Ein zu kühler Herbst kann hingegen verhindern, dass die „Herbstfeigen“ reifen. Die Auswahl an zweimal tragenden Feigenbäumen ist groß. Sie können beispielsweise bekannte Sorten wie ‘Brown Turkey’, ‘Violette Dauphine’, ‘Goutte d’Or’ oder den klein bleibenden Feigenbaum ‘Icecrystal’ wählen, der sich ideal für kleine Gärten oder die Kübelkultur eignet. Natürlich gedeihen auch einmal tragende Feigenbäume im Süden Frankreichs gut.

Feigenbäume ‘Brown Turkey’ und ‘Violette Dauphine’
Nördlich der Loire pflanzt man einmal tragende Feigenbäume
Für Menschen im Norden heißt das: Die doppelte Ernte fällt leider (fast) aus! Bevorzugen Sie einmal tragende Sorten, etwa den Feigenbaum Nazareth, der gegen Ende August Früchte trägt, oder den Zwergfeigenbaum ‘Figality’. Auch andere einmal tragende Sorten sind interessant, etwa die ‘Noire de Nice’ mit sehr dunklen, fast schwarzen Früchten oder der panaschierte Feigenbaum (auch Bourjassote rayé) mit erstaunlichen, gelb-grün panaschierten Früchten.
In kleinen, vor kalten Winden geschützten und nach Süden ausgerichteten Gärten können Sie jedoch einige kälte- und winterfeuchteverträglichere, zweimal tragende Sorten versuchen, etwa die kompakte ‘Précoce de Dalmatie’ oder den Feigenbaum ‘Madeleine des 2 saisons’.

Feigenbaum ‘Madeleine des deux saisons’ und ‘Noire de Nice’
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